Oberrot Angst vor "Fass ohne Boden"

Die Gemeinde Oberrot will das Gebäude "Hirschgasse 9" für die Unterbringung von Obdachlosen und Asylsuchenden nutzen. Foto: Peter Lindau
Die Gemeinde Oberrot will das Gebäude "Hirschgasse 9" für die Unterbringung von Obdachlosen und Asylsuchenden nutzen. Foto: Peter Lindau
Oberrot / PETER LINDAU 19.03.2014
Die Gemeinde Oberrot hat das Gebäude "Hirschgasse 9" gekauft, um dort Obdachlose und Asylsuchende unterbringen zu können. Das Haus muss saniert werden. Am Ratstisch fürchtet man sich vor den Kosten.

Mit rund 81 000 Euro kam die Gemeinde Oberrot recht günstig an das Objekt. Allerdings wird jetzt einiges an Geld in die Hand genommen werden müssen, um die Bausubstanz zu erhalten. Planer Ewald Scheiber informierte die Ratsmitglieder am Montagabend über ein gravierendes Problem mit Feuchtigkeit. Die Kosten für die Trockenlegung des Gebäudes schätzt Scheiber auf 17 000 Euro und präsentierte dazu ein konkretes Angebot der Oberroter Firma Alfred Hübner. Ergänzend dazu schlug Scheiber dem Gemeinderat ein Minimalprogramm vor, um das Gebäude nutzbar zu machen. Insgesamt ist von Ausgaben in Höhe von 42 800 Euro die Rede. Eine umfangreichere Sanierungsvariante würde 72 000 Euro kosten. Exakt dieser Betrag ist bereits im Haushalt eingestellt. Am Ende stimmte der Gemeinderat mit Ausnahme von Klaus Setzer für das Minimalprogramm. Zudem wurde in den Beschluss aufgenommen, dass die Ratsmitglieder "zeitnah" informiert werden, sollten "teure Überraschungen" auftauchen. Klaus Setzer hatte im Vorfeld des Beschlusses von einem "Fass ohne Boden" gewarnt. Er sei gegen den Kauf des Hauses gewesen, durfte aber nicht mitstimmen, weil er für befangen erklärt worden war. "Bei dem Kaufpreis hätte man etwas Solideres kaufen können", sagte Setzer und warf den Entscheidungsträgern vor, das Haus "nicht richtig angeschaut" zu haben.

Klaus Kübler sieht ebenfalls das Risiko einer Kostenexplosion und plädierte dafür, das Objekt keinesfalls ergebnisoffen zu sanieren. Für Kübler ist eine "enge Kostenkontrolle" wichtig.

Ewald Scheiber versucht die Ratsmitglieder zu beschwichtigen. "Ganz arg viele Unbekannte gibt es in der Kalkulation nicht", erklärte der Planer.

Im Zuge der Debatte wurde am Ratstisch auch darüber gesprochen, nach der Trockenlegung erst einmal keine weiteren Sanierungsmaßnahmen in Auftrag zu geben. Das hält Bürgermeister Daniel Bullinger jedoch für unklug. Die Maßnahmen "muss man machen, solange das Gebäude leer steht", argumentierte er. Hauptamtsleiter Martin Hofmann gab zu bedenken, dass der Gemeinde schon morgen Asylsuchende zugewiesen werden können. Aus diesem Grund sollte man vorbereitet sein.