Ilshofen/Künzelsau An der Pute verdient der Landwirt einen Euro

Die Lehrer Deniz Tekin (links) und Sandra Berger beobachten die Küken im Putenmastbetrieb in Leofels. Foto: Linda Galumbo
Die Lehrer Deniz Tekin (links) und Sandra Berger beobachten die Küken im Putenmastbetrieb in Leofels. Foto: Linda Galumbo
Ilshofen/Künzelsau / LINDA GALUMBO 10.08.2013
Viele Menschen essen gerne Putenfleisch. Doch die wenigsten wissen, wie ihr Steak produziert wird. Tierarztpraxen haben Lehrern jetzt eine Fortbildung in Geflügelbetrieben angeboten.

Zwischen der Landwirtschaft und dem Verbraucher gebe es heute eine Entfremdung, sagt Tierarzt Stefan Wesselmann aus Wallhausen. Deshalb und weil Lehrer "Multiplikatoren in unserer Gesellschaft sind", hat Wesselmann für Pädagogen eine Fortbildung in zwei Putenbetrieben organisiert: Bei Wackler in Leofels und auf dem Brunnenhof in Mäusdorf.

Dass die Landwirte das Bestmögliche für ihre Tiere wollen, wurde den Lehrern bei der Besichtigung des konventionell geführten Putenmastbestandes ebenso klar wie auf dem ökologisch geführten Geflügelmastbetrieb.

Der Wackler-Hof ist seit 2001 ein spezieller Putenmastbetrieb, der derzeit 19000 Mastplätze bietet. Die Aufzucht dauert etwa zehn Wochen, die Mast elf Wochen. Die Puten verlassen den Betrieb mit etwa 20 Kilogramm Gewicht. Erstaunt waren die Lehrer, als Jens Wackler den Betrag nannte, den er an einer Pute verdient: einen Euro nämlich. "In der Geflügelmast geht es um Cent-Beträge", so der Landwirt.

Wegen der Infektionsgefahr betraten die Lehrer mit Schutzkleidung die 2000 Quadratmeter große Halle, dem Domizil für 6000 Küken. Laut Tierarzt Wesselmann ist das keine Tierquälerei. Die beginne, "wenn es den Tieren schlecht geht und sie nicht gesund wachsen."

Der ökologische Geflügelmastbetrieb von Caroline und Maik Noz in Mäusdorf unterliegt als einziger Puten-Demeter-Betrieb in Deutschland mit einem Partner in Pforzheim strengen Kontrollen und Richtlinien - wie die stetige Überprüfung der Futtermittel. Auf dem Brunnenhof wird alles selbst erledigt: Aufzucht, Futterherstellung, Schlachtung, Zerlegung und Vermarktung. Eine Erhöhung des einprozentigen Anteils von Bio-Puten auf dem Markt kann es laut Wesselmann nur geben, wenn der Verbraucher bereit sei, Lebensmittel tierischen Ursprungs zu achten und zu bezahlen.