Kirchberg Schlözer-Schule wird saniert

Bürgermeister Stefan Ohr, Architekt Alexander Beck und Schulleiter Thomas Brachmann (von links) in einem bisher „toten Raum“, der zum Lernmarktplatz werden soll.
Bürgermeister Stefan Ohr, Architekt Alexander Beck und Schulleiter Thomas Brachmann (von links) in einem bisher „toten Raum“, der zum Lernmarktplatz werden soll. © Foto: Sebastian Unbehauen
Kirchberg / Sebastian Unbehauen 05.07.2018
Die Sanierung der August-Ludwig-Schlözer-Schule ist laut Bürgermeister das „größte Projekt für Kirchberg in den letzten Jahrzehnten“. Entsprechend soll nichts dem Zufall überlassen werden.

„Nach außenmacht die August-Ludwig-Schlözer-Schule immer noch einen einladenden, guten Eindruck.“, sagt der Kirchberger Bürgermeister Stefan Ohr. Aber klar, das ist nur die Einleitung für die dann folgende Problembeschreibung: „Viele Dinge in der Substanz liegen im Argen.“

Genauer gesagt: Die Grund-, Werkreal- und Realschule muss dringend energetisch saniert werden, was Fassade, Dach und Fenster betrifft, der sommerliche Wärmeschutz ist zu erneuern, ein neues Brandschutzkonzept muss her, die Hausinstallationen brauchen teils eine Auffrischung, eine kontrollierte Be- und Entlüftung ist einzubauen, Teile der Beleuchtung sollen ersetzt werden, eine neue EDV-Verkabelung und zusätzliche Netzwerkanschlüsse sind nötig, Teilsanierungen von Klassenzimmern, Fluren und sanitären Anlagen stehen auf dem Plan.

Die schiere Menge des Genannten macht deutlich, dass es sich hier nicht um ein Nebenbei-Projekt für die Stadt handelt, sondern um das „größte Projekt in den letzten Jahrzehnten“, wie Ohr betont. 5,5 Millionen Euro sind für die Umsetzung erst einmal veranschlagt – und eine erste große Bewilligung von Fördergeld ist bereits ins Rathaus geflattert: Rund 2,9 Millionen Euro Bundesmittel fließen. Diesem Geldsegen liegt die Bewerbung der Gemeinde für ein Landesprogramm zugrunde, das Schulhaussanierungen in finanzschwächeren Gemeinden unterstützen soll. Ein solches war lange gefordert worden, seit Anfang 2018 konnte man sich bewerben, Kirchberg zählt zu den ersten Kommunen, die tatsächlich bedacht werden.

Dass das Schulgebäude, dessen älterer Teil 1970 und dessen neuerer Teil 1996 eingeweiht wurde, sanierungsbedürftig ist, wissen die Kirchberger schon länger. Aber, so Ohr: „Wir haben immer gesagt, dass wir die Finanzierung hinbekommen müssen.“ Ohne die neue Förderung wäre das unmöglich gewesen. Jetzt hofft die Stadt noch auf 800 000 bis eine Million Euro aus dem sogenannten Ausgleichstock des Landes – wiederum ein Förderinstrument für nicht eben im Geld schwimmende Kommunen. Im September ist in dieser Sache Nachricht aus Stuttgart zu erwarten. Voraussichtlich im Frühjahr 2019 wird mit der Baumaßnahme begonnen, bis 2020 oder 2021 soll sie abgeschlossen sein.

In relativer Windeseile

Mit der Planung beauftragt ist das Blaufeldener Architekturbüro Beck. Alexander Beck und sein Team mussten wegen des kurzfristig zu stellenden Förderantrags in relativer Windeseile einen grundlegenden Sanierungsplan mit Kostenberechnung vorlegen.

Jetzt freilich geht es im Zusammenspiel von Stadt, Schule und Planern um die nicht minder wichtige Ausarbeitung der Details. Denn: Die Beteiligten wollen nichts dem Zufall überlassen und bei ihrer Arbeit ausdrücklich auch pädagogische Aspekte berücksichtigen.

„Es gibt ein Standardprogramm, wie Architekten Schule denken“, sagt Beck. „Wir wollen Schule aber neu denken. Für mich ist es schön, dass die Schule nicht einfach nur technisch modernisiert, sondern auch pädagogisch neu aufgestellt werden soll.“ Ein Beispiel? „Standardmäßig hat der Flur keine Funktion für den Unterricht, jetzt aber soll er wohnlicher werden, zum Lernen einladen. Zwischen den Klassenzimmern sollen Marktplätze für Gruppenarbeit entstehen.“ Schulleiter Thomas Brachmann spricht von bisher „unheimlich vielen toten Räumen“, die nach der Sanierung genutzt werden sollen.

Das künftige pädagogische Konzept der Schule ist nicht in Stein gemeißelt, sondern befindet sich in einem intensiven Aushandlungsprozess. Dafür hat man auf Anregung von Architekt Beck die Firma „Lernlandschaft“ ins Boot geholt, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Pädagogik und Architektur miteinander zu verbinden. Es gab bereits Coachings und Workshops. Vertreter von „Lernlandschaft“ und Beck haben außerdem an Gesamtlehrerkonferenzen teilgenommen. Brachmann will eine neue „Lernkultur“, wie er sagt, mehr Teamdenken zwischen den Schülern, aber auch innerhalb des Kollegiums.

Becks Eindruck: „Die Bereitschaft ist groß, die Masse des Kollegiums, das sich ja ein Stück weit auf unbekanntes Land begibt, ist dafür.“ Er beschreibt den Diskussionsprozess als kreatives Zusammenkommen aus verschiedenen Richtungen – wobei die Impulse dann wieder in die ureigenen Aufgabenbereiche der Beteiligten einfließen sollen.

Klingt gut, aber auch teuer. „Wir werden exakt zeigen, was mit den veranschlagten 5,5 Millionen Euro maximal möglich ist“, verspricht Beck und zeigt sich überzeugt, „dass wir damit das kriegen, was wir ursprünglich im Sinn hatten“. Darüber hinaus werde es sicher zusätzliche Pakete geben, für die man weiteres Geld ausgeben könne – wenn man es wolle. „Das liegt an uns, am Gemeinderat“, sagt Bürgermeister Ohr.

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