Ulübeg-Canyon Allgäu-Orient-Rallye: Strecke um Kriegsgebiet herum

Kurz vor der Abfahrt, am 10. Mai, präsentieren sich die Fahrer auf der Gewerbeschau Wolpertshausen. Mittlerweile befinden sie sich in der Türkei.
Kurz vor der Abfahrt, am 10. Mai, präsentieren sich die Fahrer auf der Gewerbeschau Wolpertshausen. Mittlerweile befinden sie sich in der Türkei. © Foto: Ufuk Arslan
UTE SCHÄFER 23.05.2015
Allgäu-Orient-Rallye: Seit fast zwei Wochen fahren zwei Teams aus Hohenlohe nach Jordanien. Sie sind mittlerweile in Anatolien angekommen, meldet Hanne Herrmann aus Schwäbisch Hall.

Natürlich gab es schon Pannen, jede Menge sogar. Das bleibt nicht aus, wenn alte Autos über Schotterpisten durch Anatolien fahren. Aber das Team "Sternenreiter" und das Team "Hohenlohe" sind gut aufgestellt. Sie haben Servet Eslikizi dabei, Autoschrauber aus Wolpertshausen. Kein Problem, wenn dann mitten in der Pampa die Lichtmaschine ausfällt. "Auch das Team Hohenlohe hat schon viele Pannen gemeistert", nicht zuletzt mit Unterstützung des Partnerteams, denn man hilft sich gegenseitig, schreibt Hanne Herrmann. Sie hat die Aufgabe, den Kontakt zur Heimat zu halten. Sie setzt auch regelmäßig Berichte und vor allem Fotos ins Internet.

Die Fragen unserer Zeitung haben die Teams aber abends "in geselliger Runde" gemeinsam beantwortet - und sie lassen die Heimat grüßen. Die beiden Teams, bestehend aus zwölf Fahrern und sechs Autos, machen mit bei der Allgäu-Orient-Rallye, die die Teilnehmer von Sonthofen nach Amman (Jordanien) führt, unter Umschiffung vom umkämpften Syrien. Die Rallye hat ausgefallene Regeln. So müssen die Autos mindestens 20 Jahre alt sein, und nicht alle Autos, aber alle Teamteilnehmer, müssen die Ziellinie in Amman (Jordanien) erreichen.

Doch soweit sind die zwölf Hohenloher noch lange nicht. Derzeit schlucken sie Staub in Anatolien, der Weg führt sie unter anderem durch den Ulübeg-Canyon, "grandios", schreibt Hanne Herrmann, "wohl der größte in Europa".

Von Notarztwagen gerammt

Wenn die Teams nach gut drei Wochen wieder daheim angekommen sind - per Flugzeug diesmal, die Autos (oder was davon übrig ist) bleiben in Jordanien und werden Hilfsorganisationen zur Verfügung gestellt. Dann können sie erzählen. Wie Team Hohenlohe etwa mit Polizeieskorte durch Ankara geleitet wurde, entgegen aller Einbahnstraßen. Oder wie man sich fast verloren hätte - aber eben nur fast. Denn Navigationsgeräte, auch das ist eine der Regeln, sind tabu. Die schwierigste Situation war, als eines der Autos in Bulgarien von einem Notarztwagen gerammt wurde. In einer Nacht- und Nebelaktion musste der Kühler repariert werden.

Sie gewöhnen sich langsam an den Rallye-Rhythmus und daran, im Auto zu übernachten. "Wir wollen nichts anderes mehr", schreibt Hanne Herrmann. "Wir haben auch viel Kontakt zur örtlichen Bevölkerung. Die Völkerverständigung ist in vollem Gange."

Fast 5000 Kilometer haben die Teams schon geschluckt, der GPS-Track verrät, dass sie jetzt alle zurück ans Meer fahren, Side ist das Ziel. "Nach all dem Staub freuen wir uns aufs Meer. Dort sind auch Urlauber aus Hall. Die haben versprochen, uns anzufeuern."

Die Rallye im Internet

Team Sternenreiter Das Team, bestehend aus Servet und Simone Eslikizi, Ingrid Heimberger, Hanne Herrmann, Torsten Holenstein und Werner Wollmershäuser, hat eine Homepage, auf die regelmäßig Fotos und Berichte gestellt werden. Außerdem kann mit einem GPS-Live-Tracker genau verfolgt werden, wo die Autos gerade herumkurven. (www.sternenreiter-aor.de).

Team Hohenlohe Die Truppe mit Alexander Decombe, Mario Gröger, Sebastian Kühner, Peter Rahm, Roland Seckel und Volker Stumpf ist auf Facebook zu finden (Team-Hohenlohe59).

Rallye Auf der offiziellen Homepage der Rallye werden regelmäßig Bestenlisten veröffentlicht: www.allgaeu-orient.de.

UTS