Braunsbach Alles ist im Fluss

Ruhig fließt der Kocher an Döttingen vorbei. Dabei gräbt er sich auch heute noch millimeterweise immer tiefer in die Landschaft ein. Archivfoto: Oliver Färber
Ruhig fließt der Kocher an Döttingen vorbei. Dabei gräbt er sich auch heute noch millimeterweise immer tiefer in die Landschaft ein. Archivfoto: Oliver Färber
Braunsbach / KATHARINA GOTTSCHALK 14.03.2014
Einblicke in die Landschafts- und Flussgeschichte Hohenlohes gab Professor Dr. Theo Simon aus Fichtenberg. Er sprach in Steinkirchen über den Verlauf von Kocher, Neckar und Donau vor Millionen Jahren.

Für Geologen sind ein paar Millionen Jahre mehr oder weniger keine große Sache. Denn die Landschaft verändert sich pro Jahr nur minimal. Betrachtet man die Veränderung aber über zig Millionen Jahre, sind beispielsweise gewaltige Höhenunterschiede auszumachen.

"Durch Erosion transportiert der Neckar pro Jahr zwei Millionen Tonnen an Sediment ab. Das bedeutet, das Land wird im Jahr um 0,06 Millimeter abgetragen. Minimal also. In einer Million Jahren sind das aber 60 Meter", erläutert Theo Simon den Zuhörern. "Wir sind immer noch in Bewegung."

Der Geologe Theo Simon (66) beginnt seinen Vortrag mit dem Superkontinent, den es vor etwa 700 Millionen Jahren gegeben hat. Alle Kontinente waren miteinander verbunden. Irgendwann fingen sie an auseinander zu triften. Das tun sie heute noch, etwa fünf bis sechs Zentimeter pro Jahr.

"Die Erdoberfläche ist in Schichtstufen aufgebaut. Braunsbach beispielsweise liegt im Muschelkalk", so der Geologe. Orte, die höher liegen, befinden sich dann im Keuper oder Jura. Wo wir heute leben, war vor Jahrmillionen ein Meer - bis die Erdschichten sich gehoben haben und der Meeresgrund zu Land wurde. Indem ein Kontinent auf einen anderen stieß, wurde einer nach unten und der andere nach oben geschoben. Dadurch hat es unsere Landschaft nach oben geschoben. "Auch die Flüsse lagen viel höher als heute", erzählt Theo Simon. Ist ein Fluss aber einmal in seinem Bett, kommt er nicht wieder hinaus.

Vor 20 Millionen Jahren gab es Neckar und Kocher bereits, aber noch keine Donau. Die beiden Flüsse flossen nach Süden, in Richtung der heutigen Donau. Da der Kocher viel Wasser führte, konnte er sich tief eingraben. Heute allerdings fließen die Flüsse in die andere Richtung, nach Norden, in den Rhein. Und in einer Million Jahren wird der Kocher nicht mehr in Schleifen fließen. Er wird also nicht mehr mäandern, sondern zu einem fast geraden Fluss geworden sein, lautet Simons Prognose.