Gerabronn Alexa will leben und ganz viele wollen helfen

Die Eltern Maria Gelrod und Denis Heckmann wünschen sich nichts sehnlicher, als einen Stammzellenspender für ihre kleine Tochter Alexa zu finden.
Die Eltern Maria Gelrod und Denis Heckmann wünschen sich nichts sehnlicher, als einen Stammzellenspender für ihre kleine Tochter Alexa zu finden. © Foto: Sebastian Unbehauen
Gerabronn / Sebastian Unbehauen 21.06.2018
Die fünf Monate alte Alexa aus Gerabronn braucht dringend eine Stammzellenspende. Am Sonntag gibt es deshalb eine große Typisierung in der Stadthalle – ganz ohne Pieks.

Es ist der Albtraum aller Eltern: Die kleine Alexa Heckmann hatte am 29. Januar gerade in Bad Mergentheim das Licht der Welt erblickt, der Kaiserschnitt war gut verlaufen, dem Familienglück schien nichts im Wege zu stehen – da hatte ein kleiner Stich in den Finger, der obligatorische Bluttest nämlich, ungeahnte Folgen: „Ihr Fingerchen hörte einfach nicht mehr auf zu bluten“, erinnert sich Mutter Maria Gelrod. „Es wurde immer schlimmer, dann lief sie blau an.“ Das Baby kam auf die Intensivstation, die Eltern blieben ratlos zurück.

Es begannen Wochen der Ungewissheit. Im April schließlich kam die niederschmetternde Diag­nose: Alexa leidet an Thrombozytopenie, einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten). Diese sind für die Blutgerinnung von entscheidender Bedeutung. Die Ärzte stellten fest, dass die Kleine bereits eine Hirnblutung erlitten hatte. Weil ihr Knochenmark keine Thrombozyten bilden kann, braucht sie dringend eine Transplantation, denn immer wieder kann es zu äußeren und inneren Blutungen kommen

Alexa trägt mittlerweile einen sogenannten Hickman-Katheter. Über ihn werden ihr einmal in der Woche Thrombozyten zugeführt. Allerdings hat sie schon einmal eine allergische Reaktion darauf gezeigt. „Es kann sein, dass sie es irgendwann gar nicht mehr annimmt“, sagt die 25-jährige Mutter. „Du siehst dein kleines Mäuschen: verkabelt, geschwächt, mit Infusionen. Ich habe sehr viel geweint. Es tut einfach nur weh, sie leiden zu sehen.“

Typisierung geht schnell

Aufgeben ist für die junge Familie keine Option. Stattdessen setzten Maria Gelrod und ihr Verlobter Denis Heckmann alle Hebel in Bewegung, um ihrer Tochter zu helfen. Schnell fanden sie Unterstützung bei der Stadt Gerabronn, beim TSV und der Firma Bürkert. Dieses Dreiergespann hat die Organisation für eine Typisierungsaktion übernommen, die am kommenden Sonntag von 11 bis 18 Uhr in der Stadthalle Gerabronn stattfindet. Hier kann sich jeder, der zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, als möglicher Stammzellen­spender registrieren lassen. Das tut kein bisschen weh: Eine Blutabnahme ist dafür nicht notwendig, es reichen drei durch den Mund gestrichene Wattestäbchen. „In zehn Minuten ist alles passiert“, erklärt Volker Beck vom TSV. „Man muss sich da nicht stundenlang anstellen.“ Das liegt auch daran, dass die Helferliste schon mehr als 100 Namen umfasst. Schirmherr der Aktion ist Bürgermeister Christian Mauch.

Die Daten werden in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei eingespeist. Diese wird bereits jetzt nach potenziellen Lebensrettern für Alexa durchforstet – bisher leider ohne Erfolg. Je mehr Menschen darin registriert sind, umso größer ist die Chance für Alexa und für andere Menschen in Not, dass ihnen geholfen werden kann.

Schon im Vorfeld der Typisierungsaktion ist die Hilfsbereitschaft riesig. Die Werbung auf Facebook, per Mundpropaganda, mit Flugblättern und Plakaten hat volle Wirkung entfaltet. Bei den Heckmanns steht das Telefon kaum still. Sie freuen sich über die große Anteilnahme. Volker Beck vom Sportverein hat Hunderte neuer Handykontakte, Wolfgang Welk von der Firma Bürkert berichtet, dass viele seiner Kollegen bereits typisiert waren – jetzt aber noch einmal 250 dazugekommen sind. Es gibt schon 110 freiwillige Kuchenspenden für Sonntag, Bäckereien steuern Weckle bei, nahezu 1000 Saitenwürstle sind zugesagt, es gibt eine Kaffeebar, Freigetränke direkt von den Herstellern, und, und, und. Die Firma Hakro sponsert rote T-Shirts mit der Aufschrift „Alexa sucht Helden“.

Außerdem sind 60 Spendendosen im Umlauf, Beck und Welk haben Klinken bei den großen Unternehmen der Region geputzt – und samt und sonders Unterstützung zugesagt bekommen. Typisierungen sind nicht billig, weshalb Geldgaben unerlässlich sind. Welk ist begeistert von der Welle der Hilfsbereitschaft: „Wir leben in schwierigen Zeiten. Aber der Zusammenhalt, der sich hier zeigt, ist einfach Weltklasse.“

Alexas Eltern rufen derweil dazu auf, sich registrieren zu lassen. „Unsere Tochter ist eine echte Kämpferin, aber jetzt braucht sie die Unterstützung der ganzen Bevölkerung“, sagen sie. „Bitte lasst uns ein Zeichen setzen und alle Kräfte bündeln.“ Auf dass schon bald der erlösende Anruf kommen möge: „Wir haben einen passenden Spender!“

Über die DKMS und Spendenkonto

Die Vision der Deutschen Knochenmarkspenderdatei lautet: „Wir besiegen Blutkrebs.“ Seit ihrer Gründung im Jahr 1991 wurden bereits mehr als acht Millionen potenzielle Lebensspender registriert.
Wer am Sonntag, 24. Juni, zwischen 11 und 18 Uhr nicht zur Typisierung in der Gerabronner Stadthalle kommen kann, hat die Möglichkeit, sich ein Registrierungsset zuschicken zu lassen. Mehr Infos gibt’s unter www.dkms.de.
35 Euro kostet die Registrierung jedes neuen Spenders. Deshalb bittet die Organisation um finanzielle Unterstützung: DKMS-Spendenkonto, IBAN: DE39 6415 0020 0005 5552 13, Verwendungszweck: Alexa.

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