Als „Akzeptanzbeschaffer mit dem Ohr am Bürger“ sieht sich Frank Ulmer. Der 43-jährige Soziologe und Geograf betreibt seit 2001 die „Kommunikationsbüro Ulmer GmbH“ in Stuttgart und hat seitdem diverse Projekte angeschoben, die als durchaus problematisch angesehen werden mussten. Sein Credo und das seines Mitarbeiters Tim Sippel im Fall Steinbruch in Bölgental: „Die Bürger frühzeitig befragen, wo sie der Schuh drückt und sie mitnehmen auf einem Weg, der der Nachhaltigkeit verpflichtet ist.“

Hört sich kompliziert an – und ist es in diesem Fall sicher auch. Denn: Schon ohne dass auch nur ein Antrag gestellt oder eine Genehmigung erteilt worden wäre, läuft ein Dorf Sturm gegen Pläne, die bislang nicht mal ansatzweise publik sind. Was auch daran liegt, dass sie noch gar nicht so weit gediehen seien, verdeutlicht Frank Hippelein, in dieser Sache Partner und Auftraggeber des Büros Ulmer. Hippelein ist einer von zwei Geschäftsführern des Unternehmens Schön + Hippelein Naturstein GmbH + Co. KG, ansässig in Satteldorf seit 1903 und seitdem auch Betreiber verschiedener Steinbrüche in der Region.

Frühzeitig Ressourcen sichern

Für einen Rohstoff-Lieferanten wie Schön + Hippelein ist es nicht damit getan, einen Steinbruch auszubeuten bis zum letzten Brocken. Es sollte frühzeitig dafür gesorgt sein, dass weitere Ressourcen gesichert werden. Und anders als bei einem Standort für eine Windkraftanlage oder bei der Trasse einer neuen Stromleitung gibt es zu einmal ausgemachten Plätzen keine Alternative. „Entweder wir finden hier das Material, das wir brauchen oder eben nicht“, sagt Frank Hippelein beim Pressetermin in seinem Betrieb, dem als externer Berater auch der frühere CDU-Landtagsabgeordnete Helmut W. Rüeck beiwohnt. Er absolviert derzeit bei S + H ein Praktikum.

Schon lange im Regionalplan

Das Satteldorfer Unternehmen hat sich um diese Ressourcen beizeiten gekümmert. Schon sein Vater Ernst Hippelein habe sich darum bemüht und vor 30 Jahren die ersten Grundstücke zwischen Bölgental und Gröningen gekauft, lässt Frank Hippelein wissen. Die Planer des Regionalverbands Heilbronn-Franken befassen sich ebenfalls seit Ende der 70er-Jahre mit dem infrage kommenden Muschelkalk-Abbaugebiet. Seit 1996 ist das rund 30 Hektar große Areal als Rohstoffsicherungsfläche ausgewiesen. Seit vergangenem Jahr indes äußern Anlieger und Bürger aus Bölgental und Gröningen ihre Befürchtungen, der neue Steinbruch könnte sich nachteilig auf ihre Lebensqualität auswirken.

Damit besteht also eindeutig ein Interessenskonflikt zwischen unternehmerischem Zukunftserfolg einerseits und Ängsten der Bevölkerung vor Lärm, Dreck, Verkehrsbelastung und Naturzerstörung andererseits. Diesen ­Dissens soll das Stuttgarter Kommunikationsbüro möglichst geräuscharm, frei von Ideologie und nachhaltig aus der Welt schaffen. „Wir wissen oder ahnen zumindest, was da auf uns zukommen könnte“, beschreibt Frank Ulmer die Sachlage. „Aber wir sollten hier doch zwischen Betroffenheit und Angst unterscheiden – es geht ja nicht um Leib und Leben der Anwohner.“ Die indes sollen ausführlich zu Wort kommen.

Frank Hippelein weiß um die Ängste der Bevölkerung und nimmt sie ernst. Er weiß aber auch, dass die Darstellung im Regionalplan das Maximum an Ressourcenerschließung präsentiert und stellt klar: „Das ist nicht die Fläche, mit der wir unsere Anträge stellen wollen – die fällt deutlich geringer aus.“ Gleichzeitig gibt er zu bedenken, dass der inzwischen nahezu erschlossene Steinbruch Kernmühle über viele Jahrzehnte abgebaut wurde.

„Schön + Hippelein weiß erst seit Kurzem, in welche Richtung es gehen könnte“, ergänzt Helmut W. Rüeck. „Jetzt ist also der richtige Zeitpunkt, mit den Bürger in Dialog zu treten. Deshalb hat der Betrieb auch die Stuttgarter Experten eingeschaltet.“ Rüeck kündigt einen „sehr offenen Dialog“ an. Vieles sei im Fluss.

Manche Zahlen sind zu hoch

Frank Ulmer betonte, sein Büro schaffe sich aktuell in die Faktenlage ein und werde zweifellos klarstellen müssen, mit welchen tatsächlichen Belastungen in den Nachbargemeinden zu rechnen sei. Zumindest habe er schon bemerkt, dass die Bürgerinitiative manche Zahlen eindeutig zu hoch angesetzt habe. „Das soll nicht auf Besserwisserei hinauslaufen, sondern einfach nur für Klarheit sorgen“, sagt er. Und: „Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem es heißt, die Befindlichkeiten von Bürgern, Landwirten, Naturschützern und Behörden können abgefragt werden – und das haben wir auch vor.“ Zunächst sollen dazu Schlüsselpersonen befragt werden. Wer Interesse hat, kann sich jetzt schon ans Stuttgarter Büro wenden per E-Mail an post@kommunikationsbuero.com oder unter Telefon 07 11 / 25 97 17 20.

Nicht mehr „Ob“, sondern „Wie“

Eines dagegen sei klar, betont Frank Hippelein: „Es geht für uns bei der weiteren Planung nicht mehr um das ,Ob’, sondern nur noch um das ,Wie’.“ Das Verfahren auf dem Weg dorthin, so Hippelein weiter, solle eng mit den Betroffenen abgestimmt werden, um die Belastungen aller so gering wie möglich zu halten.

Steinbrüche, ob in Betrieb oder rekultiviert, gelten laut Hippelein heute als ökologisch wertvoll und dienten oft als „Sprungsteine für Biotopvernetzungen“. Obwohl viele Bedenken der Bölgentaler berechtigt seien, müsse die Frage erlaubt sein, ob die Antwort darauf der Verzicht aufs Projekt sein müsse. Konfrontation jedenfalls wünscht er sich als Satteldorfer Unternehmer, der sich im Ort seit Langem für Nachhaltigkeit einsetzt, keinesfalls. Und für Ulmer steht fest, dass er demnächst einigen Irrationalitäten begegnen könnte. „Wenn jemand sagt, er will das partout nicht, kann man das schlecht moderieren.“ Versuchen will er’s trotzdem.

Büro Ulmer erwartet ein „irre komplexes und anspruchsvolles Verfahren“


Frank Ulmer leitet das Stuttgarter „Kommunikationsbüro“, das er selber 2001 gegründet hat und heute sieben Mitarbeiter zählt. Der Diplom-Geograf, Soziologe und Volkswirtschaftler widmet sich nach dem Studium in Köln und Stuttgart seit 2010 schwerpunktmäßig den Themen Energie(wende), nachhaltige Entwicklung und Stakeholder-Beteiligung (Stakeholder sind Personen oder Gruppen, die ein starkes Interesse an Wohl und Wehe ihres Einsatzes haben). Speziell betreuten Ulmer und sein Team zuletzt Akteure in Verwaltung und Politik, aber auch Forschungsprojekte wurden begleitet. Mehrere Lehraufträge an Hochschulen des Landes befassen sich mit Technikfolgenabschätzung und Prozessbegleitung.

Der 43-jährige Ulmer ist verheiratet und hat zwei Kinder. Partner und Mitarbeiter beim Projekt in Satteldorf ist der 30-jährige Sozialwissenschaftler Tim Sippel, der dem Büro seit 2014 angehört. Beide verfolgen vorrangig sozialwissenschaftliche Ansätze nach neuesten Methoden und Techniken der empirischen Sozialforschung. Eng kooperiert das Büro mit „Dialogik“, einer gemeinnützigen Gesellschaft für Kommunikations- und Kooperationsforschung, die wiederum mit dem Institut für Sozialforschung der Uni Stuttgart vernetzt ist. In Bölgental und Gröningen setzen die Experten auf eine „offene Tür für die Anliegen der Betroffenen“. Ulmer erwartet hier ein „irre komplexes und anspruchsvolles Verfahren“. els