Rot am See Kunstausstellung: Akt der Befreiung

Marta Sipp-Gabriel zeigt ihre Gemälde derzeit in Rot am See.
Marta Sipp-Gabriel zeigt ihre Gemälde derzeit in Rot am See. © Foto: Ralf Snurawa
Rot am See / Ralf Snurawa 08.08.2018
Seit ihrer Kindheit habe das Malen sie gefesselt, erinnert sich Marta Sipp-Gabriel (45) an ihre Zeit in Brasilien. Derzeit sind einige ihrer Bilder in Rot am See zu sehen.

Nach Deutschland kam sie vor 20 Jahren. Heute arbeitet sie in Crailsheim als Erzieherin im Kindergarten. Ihre berufliche Tätigkeit in Brasilien ging noch in andere Richtungen: Grafikdesign und Floristik. Ein wenig von Letzterem findet auch in ihren Bildern Ausdruck.

Doch es ist kein Rausch an Stilllebenbildern geworden. Ihr Umgang mit Blumen auf den Bildern aus den letzten zehn Jahren ist viel subtiler. Blütenblätter wie Blütenkelche erzählen da der Fantasie freien Lauf lassende Geschichten. Variationen wie Farbexplosionen gehören auch zum Umgang mit diesem Motiv.

Oft verschwimmen auch die Grenzen zwischen einem Akt und einer Pflanze. Die Aktmalerei macht jedoch nur einen sehr kleinen Teil der Bilder aus. Porträts gehören ebenso dazu. Dabei hat sie auf einem etwa unbewusst das Gesicht ihrer Schwester gemalt.

Typisch für Marta Sipp-Gabriels Art des Malens ist das Entstehen eines Bildes während des Mal­akts. Nur selten skizziert sie vorher. Manchmal liefert ihr etwa die Maserung einer Holzplatte die Grundlage wie beim unter der Treppe am Brunnen stehenden Bild, einem ihrer neuesten.

Oft bringt sie Acrylfarbe flächig auf und lässt daraus Formen und Linien entstehen. So sieht sie etwa zufällig eine Frauenfigur. Oder es begegnen einem auf den Bildern plötzlich Ansammlungen von Augen, die wie surreale Wesen Teil einer amorphen Masse sind oder im Raum schweben.

Ebenso kann Gestaltloses geformt werden. Der eine oder andere kann darin etwas Bestimmtes entdecken oder lässt es als unbestimmte Form auf sich wirken. Selbst ihre Wasserspiegelungen haben etwas davon in sich. Sie male diese Dinge intuitiv, in einer Art „Flow-Gefühl“. Man kann sich vorstellen, wie sie beim Malen ins Werk und eine ganz eigene Welt versunken ist.

Die zahllosen kleinen Bälle eines Bildes haben dabei etwa eine farbliche Ausrichtung ins Grüne erhalten. Das liege daran, dass sie dabei den Pinsel nie gereinigt habe. So habe sich die farbliche Ausrichtung eher zufällig beim Malen ergeben.

Malerei als Bedürfnis

Und so ist ihre Malerei für sie nicht nur ein Bedürfnis, sondern vor allem ein Akt der Befreiung: „Malen bedeutet für mich Freiheit; beim Malen kann ich einfach ich selbst sein und meine Gefühle, Stimmungen und Gedanken auf die Leinwand übertragen.“

Info

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Rathauses noch bis zum 7. September zu sehen. Das Rathaus ist von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr sowie montags von 14 bis 16.30 Uhr und donnerstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

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