Eigentlich ist ein selbst geschriebener Song erst in den höheren Altersgruppen Pflicht. Doch  auch die erst 13-jährige Antonia Rodrigues aus Möckmühl stellt bei ihrem ersten Auftritt bei „Jugend musiziert“ unter Beweis, dass sie das Zeug zur kreativen Songwriterin hat. Mit langen dunkelblonden Haaren, großer Brille, weißem Nike-T-Shirt, kurzem schwarzen Rock und auffälligen Turnschuhen steht die Schülerin am Samstagvormittag in der Haller Musikschule vor der strengen Fachjury.

„Bevor ich mich verseh, wird’s ganz weich in meinen Knien“, beschreibt sie ihr Gefühl, vor Publikum zu singen. „Alle Blicke ruh’n auf mir, Ihr seid wieder Zoo und ich das Tier“, singt Antonia weiter und lächelt dabei ihre Zuhörer an. Mit Sarah Connors „Wie schön du bist“ rührt sie danach eine mitgereiste Freundin zu Tränen. „Ich hätte fast selber angefangen zu heulen als ich zu dir geschaut habe“, gesteht sie später.

„Cute but psycho“ (Süß, aber verrückt) steht auf dem Sweatshirt von Emma Geiger, die direkt nach Antonia Rodrigues an der Reihe ist. Das zierliche Mädchen verblüfft Jury und Publikum mit einer leicht rauchigen, vollen Frauenstimme, jeder Ton sitzt. Vor allem bei Leonard Cohens „Halleluja“ halten Emmas Zuhörer den Atem an. Ein erster Preis und die Qualifikation für den Landeswettbewerb sind der Lohn für ihren starken Auftritt.

Teilnehmerzahl ist konstant hoch

Neben Antonia Rodrigues und Emma Geiger treten noch 19 weitere Schülerinnen sowie ein Schüler in der Kategorie Pop-Gesang an. Damit ist diese, nur alle drei Jahre stattfindende Kategorie die teilnehmerstärkste überhaupt beim Schwäbisch Haller Regionalwettbewerb.  „Womöglich liegt das an den vielen Castingshows“, vermutet Musikschulleiter Florian Schellhaas, gemeinsam mit Susanne Kolb und Lisa Sohm der Hauptorganisator. Rund 120 Teilnehmer aus den Landkreisen Schwäbisch Hall, Hohenlohe und Main-Tauber kamen am Samstag und gestrigen Sonntag in die Musikschulräume im Haus der Bildung – in etwa so viele wie in den vergangenen Jahren auch.

„Damit können wir zufrieden sein. Bei anderen Regionalwettbewerben gehen die Teilnehmerzahlen zurück“, sagt Schellhaas. Der Hauptgrund sei das G8-Abitur. Viele Schüler möchten sich den Stress einer „Jugend-musiziert“-Vorbereitung nicht mehr zumuten, wenn sie den Lernstoff von einstmals 13 Schuljahren nun in 12 bewältigen müssen.

Damit auch jene Teilnehmer mit einem guten Gefühl nach Hause fahren können, die mit ihrem Auftritt nicht ganz zufrieden waren, bieten die Jury-Mitglieder erstmals individuelle Gespräche nach den Auftritten an. Für die Verpflegung sorgen während des gesamten Wochenendes Mitglieder von Elternbeirat und Förderverein der Haller Musikschule.

In insgesamt elf Kategorien zeigen die Nachwuchsmusiker ihr Können. Während sich stark besetzte Wettbewerbe wie Violine oder Klavier mit Holzblasinstrument über mehr als fünf Stunden hinziehen, gibt es bei anderen nur wenige Teilnehmer. Beim Akkordeon zum Beispiel treten lediglich Elisa Vajuso aus Öhringen und Alexander Ortius aus Hessental an. In vielen Regionen Bayerns, etwa im Allgäu, ist das Akkordeon anders als in Hohenlohe überaus populär und an Musikschulen und bei Wettbewerben nicht wegzudenken.

Akkordeon-Lehrer Rajkovic hat zwölf Schüler

Für den 14-jährigen Alexander Ortius springt schließlich ein erster Preis heraus – anders als bei Elisa Vajuso zwar ohne Weiterleitung, aber immerhin. „Wir sind zufrieden“, sagen er und sein Lehrer Mihajlo Rajkovic. Rajkovic leitet nicht nur den Ilshofener Harmonikaverein, sondern ist auch seit knapp einem Jahr an der Musikschule Schwäbisch Hall tätig. Zwölf Musikschüler lernen bei dem gebürtigen Belgrader derzeit das Akkordeonspielen.

Info Einen Überblick über die Preisträger wird demnächst im HT veröffentlicht. Das Preisträgerkonzert findet am Sonntag, 3. Februar, in der Haller Hospitalkirche statt.

Zahl der Musikschüler steigt weiter


Die städtische Musikschule Schwäbisch Hall konnte sich zuletzt über großen Zuspruch freuen. Innerhalb eines Jahres sei die Zahl der Musikschüler von 1148 auf aktuell etwa 1280 gestiegen, so Florian Schellhaas. Einer der Gründe sei die Kooperation mit zahlreichen Kindergärten und Grundschulen, wo viele der derzeit 35 Musikschullehrer Unterricht direkt vor Ort anbieten. Das Klavier erfreue sich nach wie vor sehr großer Beliebtheit – wer sich für das Tasteninstrument neu anmelden möchte, müsse derzeit bis zu einem halben Jahr warten. Sehr oft werde nach wie vor auch die Geige gewählt, zudem liege das Saxophon im Trend.

Weitere Informationen zur Musikschule unter www.schwaebischhall.de/bildungsstadt.