Kirchberg / Sebastian Unbehauen

Gemeine Frage: „What is your action plan?“ – also: „Wie sieht Ihr Aktionsplan aus? – will Khorlo Bhutia aus dem 100-Prozent-Bio-Bundesstaat Sikkim in Indien bei der Abschluss-Podiumsdiskussion im Rittersaal wissen. „Die peinliche Antwort ist: Wir haben keinen“, sagt Renate Künast. Sie bezieht das natürlich nicht auf sich, schließlich gehört sie der Bundesregierung schon seit 2005 nicht mehr an, aber auf Deutschland. Künast findet: „Wir stehen vor der Tür und müssen sie eintreten.“

Das World Organic Forum sollte dazu einen kleinen Beitrag leisten. Zahlreiche unterschiedliche Aspekte der Agrarwende wurden seit Mittwoch diskutiert – viele von ihnen kamen gestern noch einmal zur Sprache: von den EU-Agrarsubventionen über die Chancen und Risiken der Digitalisierung in der Landwirtschaft und die Zulassungsverfahren für Pestizide bis hin zur Förderung genetischer Vielfalt. Klar wurde: Vieles liegt im Argen, der Weg zu 100 Prozent Bio ist weit.

„Wir sind schuldig“

„Die Initiative muss von den Bauern Deutschlands kommen“, sagte Dr. Vijaya Kumar aus der indischen Provinz Andhra Pradesh, der am Mittwochabend die „Keynote Speech“ über die dortige Agrarwende gehalten hatte. Rudolf Bühler, Spiritus Rector hinter der Konferenz, sieht das naturgemäß genauso. Solange seine Familie Landwirtschaft betrieben habe – also seit 1378 – und bis in die Nachkriegszeit hinein sei auch in Deutschland immer biologisch gearbeitet worden. Dann kamen die Pestizide. Die Europäer seien in den 1960er-Jahren nach Indien gegangen und hätten die intensive Landwirtschaft gepredigt. „Wir sind natürlich schuldig“, so Bühler. Glücklicherweise hätten die Inder widerstanden. „Jetzt müssen wir von euch lernen.“ Prof. Dr. Hartmut Vogtmann betonte in seinem Gipfel-Fazit die positiven Auswirkungen ökologischer Landwirtschaft auf die Biodiversität und die Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raums. Auch er sagte, es bedürfe einer Bewegung von unten – Bauern müssten als Entscheidungsträger gestärkt werden, gemeinsam mit Verbrauchern könnten sie eine machtvolle Allianz bilden, die Mythen der Agrarindustrie gelte es offenzulegen.

Ein ganzheitlicher Ansatz sei notwendig – und ehrliche, enthusiastische, hart arbeitende Führungspersönlichkeiten, die mit Nachdruck für die Agrarwende eintreten. Vogtmann ist sicher: „Solche Leute haben wir hier getroffen.“