Braunsbach / Oliver Färber

Polizisten stehen am vergangenen Sonntagnachmittag vor dem Döttinger Schloss. Udo Stein, einer der Sprecher des AfD-Kreisverbands Hohenlohe-Schwäbisch Hall, schließt sie bei der Begrüßung im voll besetzten Saal des Döttinger Schlosshotels in seine Dankesworte ein: „Sie sorgen dafür, dass alles ruhig abgeht.“ Dieser Neujahrsempfang der Partei ist eine Veranstaltung, die ganz nach dem Gusto des Hauptredners ist: „Sie ist öffentlich, es wurde Werbung gemacht und die Presse ist eingeladen“, erklärt Guido Reil. Der 47-jährige Bergarbeiter aus Essen ist bei jedem Wahlkampf eines der Zugpferde der AfD. Er gehört dem AfD-Bundesvorstand an, hat aber selbst noch kein Parlamentsmandat errungen.

Was er sagt, kommt bei seinem Publikum auch in Döttingen an. Ein „Wir schaffen das“ aus den Reihen der Gäste kassiert er, als er meint, dass die AfD „den größten Fehler Deutschlands, die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen“, korrigieren müsse. „Ich bin in einer Partei, der unterstellt wird, frauenfeindlich und rassistisch zu sein“, sagt er. Doch die Menschen, „die wir empfangen haben“, seien die gewalttätigsten und frauenfeindlichsten der ganzen Welt, stellt er unbelegt in den Raum. In zehn arabischen Ländern stehe auf Homosexualität die Todesstrafe. Frauen, die vergewaltigt wurden, würden gesteinigt, weil sie Männer so provoziert hätten, dass diese sie vergewaltigen mussten, behauptet Reil. „Aber wenn wir das sagen, sind wir Volksverhetzer“, so Reil. Offiziellen Statistiken, dass Asylbewerber kriminell nicht auffälliger seien als Einheimische, glaube er nicht. Er zitiert aus einer weiter nicht verifizierten Statistik.

„In unserem Land hat sich massiv etwas geändert“, meint der Politiker. Applaus erhält er, als er fordert, weitere Zuwanderung zu unterbinden. „Ziel ist nicht, künftig nur noch 200 000 im Jahr zuwandern zu lassen, sondern 200 000 Flüchtlinge pro Jahr weniger im Land zu haben.“

Viele Seitenhiebe erhält die SPD, der er 26 Jahre angehört hat – und dank der er die soziale Gerechtigkeit „mit der Muttermilch“ aufgesogen habe. „Die war bei der SPD in den letzten Jahren aber nur Thema, wenn’s um Wahlen ging. Dann haben sie das auf ihre Plakate geschrieben“, ulkt er. Die Parteifunktionäre hätten die Arbeiterschaft belogen und verraten. „Sie haben keinen Bezug zum Menschen. Alle, die da was zu sagen haben, haben noch nie etwas gearbeitet“, ist Reils Einschätzung. Als Beispiel nennt er unter anderem die SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende Andrea Nahles.

Aufs Maul schauen

„Wir schauen dem Volk aufs Maul. Es ist nicht doof“, mit diesen Worten wirbt er für die AfD. Er kritisiert die wachsenden Energiepreise, die Forderung nach Elektroautos, die deutsche Arbeitsplätze vernichteten, und dass sich niemand um die Obdachlosen kümmere, während bei Flüchtlingen nicht einmal das Alter und Herkunft genau geprüft werde.

Deshalb bekomme die AfD immer mehr Anhänger – gerade unter den 40- bis 60-Jährigen, die das Leben kennen und die meiste Last tragen würden. „Wir sind auf einem guten Weg“, prognostiziert er seiner Partei.

Da ist sich auch Kreissprecher Udo Stein sicher, er will an vergangene Wahlerfolge anknüpfen: „Für die Kommunal- und Europawahlen brauchen wir Leute für die Listen der AfD.“ Anton Baron, ebenfalls Sprecher des Kreisverbands, will sich dafür einsetzen, dass sich Familien wieder ein Eigenheim leisten können. Auch die Schülerbeförderung müsse mehr subventioniert werden. Stein dankt den Besuchern: „Es ist keine Selbstverständlichkeit, zu unseren Veranstaltungen zu kommen.“