Landkreis AfD-Politiker Stein schafft sich schwer Gehör

"Ohne Lucke sind wir stabiler", so sagen es AfD-Pressesprecher Willy Schmitz (links) und Udo Stein, der Vorsitzende des Kreisverbandes Hohenlohe/Schwäbisch Hall.
"Ohne Lucke sind wir stabiler", so sagen es AfD-Pressesprecher Willy Schmitz (links) und Udo Stein, der Vorsitzende des Kreisverbandes Hohenlohe/Schwäbisch Hall. © Foto: Jens Sitarek
Landkreis / JENS SITAREK 06.08.2015
Beim politischen Frühschoppen in Spielbach gab es mit Innenminister Reinhold Gall (SPD) und Udo Stein (AfD) zwei Redner. Wenn es nach dem Veranstalter gegangen wäre, dann hätte einer gar nicht reden sollen.

Termine wie diese sind es, von denen wünschte sich Udo Stein manchmal mehr. Vor zwei Wochen lud ihn, den Kreis-Vorsitzenden der AfD für Hohenlohe/Schwäbisch Hall, das Gymnasium bei St. Michael in Schwäbisch Hall zusammen mit Politikern anderer Parteien zu einem Schülerplanspiel ein. Es ging unter anderem um einen möglichen Militäreinsatz in Syrien. Stein würde einen von der Arabischen Liga befürworten, das wurde schnell klar, aber keinen der Nato. Irgendwann ging es auch um deutsche Waffenexporte. Der Abgesandte der CDU habe ihm vorgeworfen, so sagt es Stein, dass er linke Ansichten vertrete. Für Stein ein weiteres Beispiel dafür, dass mehr über Inhalte geredet werden sollte.

Wenn der 32-Jährige nicht gerade als Handlungsreisender in Sachen Politik unterwegs ist, arbeitet er als Einzelhandelskaufmann und erfreut sich an seinem Nachwuchs. An diesem Morgen in Bühlertann beim Kaffee hat Stein sich Verstärkung mitgebracht. Willy Schmitz (63) war früher Soldat in Ellwangen und bei der CDU in der Gemeinde Kreßberg aktiv. Bei der AfD kümmert er sich heute um die Pressearbeit. Beide fühlen sich und ihre Partei "in eine Ecke gestellt, wo wir nicht hingehören". Beispiel Flüchtlinge: Die müsse man aufnehmen, betont Schmitz, aber damit sei die Aufgabe noch nicht erledigt. Mit der Forderung, Wirtschaftsflüchtlinge abzuschieben, stünden sie nicht alleine da. Dies sei auch CSU-Kurs. Die Streitigkeiten um den Bundesparteivorsitz zwischen Bernd Lucke und Frauke Petry hätten sich nicht negativ auf die Mitgliederzahl im Kreisverband ausgewirkt, heißt es. Im Gegenteil: Sie nahm nach der Entmachtung Luckes sogar etwas zu und liegt bei rund 80. "Ohne Lucke sind wir stabiler", finden Stein und Schmitz. Das Ziel sei jetzt die Landtagswahl 2016 und sich kommunalpolitisch mehr einzubringen. "Wir wollen eine Alternative sein, der Name verpflichtet", sagt Stein. Dieser Satz funktioniert wahrscheinlich immer und überall.

Daran, dass man in einigen Lokalen in der Region keinen Platz bekomme, um eine Parteiveranstaltung abzuhalten, hat Stein sich schon gewöhnt. Aber das, was ihm Anfang Juli beim politischen Frühschoppen der Feuerwehr in Spielbach passierte, war schon ungewöhnlich. Er sprach über politische Korrektheit, demografischen Wandel, Familienpolitik, Finanzsystem, Einwanderung und das griechische Referendum zum Rettungspaket der Eurogruppe. "Von den Bürgern im Publikum erhielt ich Zuspruch bei der Kritik am neuen Bildungsplan und der Frühsexualisierung der Kinder", ist später im internen Pressebericht der Partei zu lesen.

Stein, muss man dazu wissen, war nicht der einzige Redner und eigentlich gar nicht mehr erwünscht. Mitte Februar dieses Jahres lud ihn die Feuerwehr Schrozberg, Abteilung Spielbach, ein, um ihn vier Monate später wieder auszuladen. Laut Abteilungskommandant Timo Ströbel war die Zusage von SPD-Innenminister Reinhold Gall der Grund für die Absage, in einer E-Mail an Stein wird der unsichere Kurs der Partei angeführt.

Warum Stein trotzdem auftauchte? Weil die Feuerwehr ihn schon 2014 erst ein- und dann wieder ausgeladen hatte. Damals redete statt seiner der FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Friedrich Bullinger. Aber zweimal hintereinander wollte sich der AfD-Mann das nicht gefallen lassen. "Herr Stein war da und zu Recht auch ein bisschen sauer. Das war so ja nicht geplant", sagt Feuerwehrmann Ströbel. Was er vermeiden will: dass man ihn und die Abteilung "in irgendeine Ecke" stellt. Ecke? Das kennt man irgendwie von der AfD. Es sei schwierig, Politiker für einen Frühschoppen zu gewinnen, sagt Ströbel noch, und: "Wir hatten schon von allen Parteien jemanden da." Ihm ginge es nicht um die Partei, "alle dürfen ihre Meinung äußern".

Eventuell ergebe sich "für die Zukunft doch noch die Möglichkeit, einen AfD-Politiker bei uns begrüßen zu dürfen", so steht es in der Mail-Absage, die Stein anno 2015 ereilte. Aber so wie es aussieht, wird es auch im nächsten Jahr nichts mit einem Soloauftritt. 2016 kommt einer von der CDU, sagt Ströbel, das sei "so gut wie fix".

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