Die „Alternative für Deutschland“ (AfD) hat eindeutig Politiker mit rechtsextremen Weltbildern in ihren Reihen. Jüngstes Beispiel sind die Auslassungen des Thüringer Fraktionsvorsitzenden Björn Hocke über das Holocaust-Mahnmal in Berlin. In den Ruch, zumindest noch im September 2013 Sympathie für die NPD gehegt zu haben, geriet jetzt auch der AfD-Landtagsabgeordnete Udo Stein aus Bühlertann: Er soll seinerzeit im Vorfeld der Bundestagswahl mit Plakaten und Flugblättern Wahlkampf für die NPD betrieben haben.

Die Vorwürfe gegen Udo Stein gehen auf Facebook-Einträge vom Februar 2016 zurück, die zuerst von der Gruppe „Autonome Antifa Freiburg“ über die Webseite „Indymedia“ und jetzt auch von der Online-Wochenzeitung „Kontext“ veröffentlicht wurden. Auslöser für die Debatte auf Facebook war offenbar ein HT-Bericht über die politischen Positionen von Udo Stein, in dem sich der damalige AfD-Kandidat gegen Rechtsextreme und Gewalt aus den eigenen Reihen deutlich abgegrenzt hatte: „Solche Leute haben bei uns nichts zu suchen.“

„Leider hab ich keine Fotos“

Einen Tag nach dem HT-Bericht tauchte auf Facebook ein Beitrag („Post“) unter dem Namen und mit dem Profilbild von Alexander Neidlein auf. Der gebürtige Crailsheimer steht seit 2013 als Landesvorsitzender an der Spitze der NPD. In dem Post heißt es: „Unglaublich – dieser Penner hat bei der Bundestagswahl noch Plakate von uns aufgehängt und Flugis verteilt. Der war extra mit seinem Kind noch bei mir und hat die Plakate geholt. Leider hab ich keine Fotos oder so – ansonsten würde ich die online stellen.“

Das HT fragte bei Alexander Neidlein nach, ob dieser Post tatsächlich aus seiner Feder stammt. Denn es ist durchaus möglich, bei Facebook unter falscher Flagge zu segeln. Der NPD-Funktionär wollte den unter seinem Namen veröffentlichten Beitrag allerdings weder bestätigen noch dementieren: „Ich will mich zu dieser Sache nicht äußern“, sagte Neidlein. Eine frühere NPD-Mitgliedschaft von Udo Stein verneinte der Landesvorsitzende.

Um eine Stellungnahme zu dem Vorwurf, vor seiner AfD-Mitgliedschaft kräftig für die NPD geworben zu haben, wurde auch Udo Stein gebeten. Er ließ seinen Pressesprecher Markus Frohnmaier auf die HT-Fragen antworten: „Die Behauptung des vom Verfassungsschutz als strafbar eingestuften linksextremistischen Online-Portals Indymedia, dass Herr Stein für die NPD plakatiert habe, trifft nicht zu.“

Udo Stein sei auch kein Mitglied der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ (IB) – was ebenfalls in einem Facebook-Post behauptet wurde.  „Nachdem die Jugendorganisation der Grünen das Andenken und die Lebensleistung der Trümmerfrauen in Deutschland verspottet und herabgewürdigt hatte, wurde von Herrn Stein ein Beitrag der IB mit ,Gefällt mir’ markiert“, teilte Markus Frohnmaier hierzu mit.

Neonazi im Landtag?

Fraktionskollegen von Udo Stein haben offenbar keine Probleme damit, rechtsextreme Mitarbeiter zu rekrutieren. So ist der aus Mainhardt stammende Marcel Grauf als Mitarbeiter der AfD-Abgeordneten Heiner Merz (Wahlkreis Heidenheim) und Christina Baum (Wahlkreis Main-Tauber) im Landtag tätig. Grauf soll laut Freiburger Antifa-Gruppe seit 2008 bei der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ aktiv gewesen sein und ab 2009 als deren „Landesorganisationsleiter“ fungiert haben.