Landkreis Ärzte, Polizei und Suchtberater im Landkreis warnen vor dem Komasaufen

Solche Bilder gibt es auch bei Sommerfesten im Landkreis Hall immer wieder. Gerade Jugendliche, die sich überschätzen, landen nach einem fröhlichen Abend im Krankenhaus. Archivfoto
Solche Bilder gibt es auch bei Sommerfesten im Landkreis Hall immer wieder. Gerade Jugendliche, die sich überschätzen, landen nach einem fröhlichen Abend im Krankenhaus. Archivfoto © Foto:  
JOHANNA HORLACHER 25.07.2015
In den Sommermonaten mit ihren vielen Festen in der Region häufen sich wieder die Alkoholvergiftungen. "Komatrinken" ist noch immer eine "Mode", die häufig durch Gruppenzwang verstärkt wird.

In den Krankenhäusern des Landkreises Schwäbisch Hall wurden laut einer AOK-Pressemitteilung im Jahr 2014 insgesamt 166 Personen (120 Männer und 46 Frauen) wegen Alkoholmissbrauchs behandelt. 2013 waren es noch 55 Frauen und 129 Männer, 2012 insgesamt 204 Personen (62 Frauen und 142 Männer).

Wenn auch leicht rückläufig, stelle Alkoholmissbrauch nach wie vor eines der gravierendsten Gesundheitsprobleme unserer Gesellschaft dar. Die Behandlungskosten durch Komatrinken beliefen sich bei der AOK im Jahr 2014 landesweit immer noch auf mehr als 6,4 Millionen Euro.

"Was die Anzahl der Fälle angeht, zu denen die Polizei hinzugerufen wird, spüren wir eher einen gleichbleibenden Trend", erklärt Holger Bienert, Pressesprecher beim Polizeipräsidium Aalen. Es bestehe jedoch der Eindruck, dass im Verhältnis die Anzahl von jugendlichen Komatrinkern zunehme, so Bienert weiter. Er weist darauf hin, dass der übermäßige Genuss von Alkohol, insbesondere für Kinder und Jugendliche, große Gesundheitsrisiken birgt.

"Rauschtrinken führt bei Jugend-lichen schneller zu massiven Alko-holvergiftungen als bei Erwachsenen. Bereits geringe Mengen steigern das Unfallrisiko sowie die Tendenz zu unkontrolliertem, agressivem oder auch depressivem Verhalten deutlich", warnt der Polizeisprecher.

Entwarnung, dass die Häufigkeit der Fälle mit Alkoholmissbrauch rückläufig sind, kann auch Constantin Goethe vom Haller DRK-Rettungsdienst nicht geben. Zudem würden nicht alle Fälle mit dem Rettungswagen transportiert, sondern auch privat. "Ein Problem stellt allerdings dar, wenn Personen unter 18 Jahren betroffen sind. Diese müssen in die Kinder- und Jugendklinik im Diak gebracht werden", erklärt Goethe. Ist das dann vom Raum Crailsheim aus, fehle dort für längere Zeit ein Rettungswagen, wo rund um die Uhr zwei zur Verfügung stehen sollten.

Dass Feiern aber nicht zwangsläufig im Vollrausch enden müssen, dessen sind sich viele Jugendliche bewusst.

"Viel Aufklärungsarbeit muss noch geleistet werden", sind sich alle Beteiligten einig. Hilfsangebote und Projekte wie "Halt" tragen dazu bei. Herbert Obermann, Suchtbeauftragter des Landkreises, sieht einen "entscheidenden Punkt am Krankenbett - hier müssen die Maßnahmen eingeleitet werden, damit die Jugendlichen zur Beratungsstelle kommen". Bei Betroffenen und Eltern löse die Auswirkung eines Besäufnisses in den meisten Fällen zuerst mal einen Schock aus. Ärzte und Fachpersonal vermitteln in solchen Fällen dann zu den Ansprechpartnern in den Beratungsstellen. Zusätzlich zu den Einzelberatungen erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem riskanten Konsumverhalten im Rahmen eines Gruppenangebotes.

"Ich erlebe aber dann häufig, dass die Eltern bei mir anrufen und sagen, es sei wieder alles in Ordnung", erzählt Herbert Obermann aus seiner langjährigen Erfahrung. Er appelliert immer wieder an die Verantwortung und das Vorbildverhalten von Erwachsenen im Umgang mit Alkohol, die konsequente Einhaltung des Jugendschutzgesetzes an Festen, in der Gastronomie und im Einzelhandel sowie eine breite Sensibilisierung der Bevölkerung.

Unterstützung für Hilfesuchende

Hilfe HaLT ist ein Alkoholpräventionsprojekt, das aus mehreren Bausteinen besteht. Einerseits geht es darum, das Jugendschutzgesetz einzuhalten, die Abgabe von Alkohol an junge Menschen zu verhindern und Regeln für einen geordneten Ablauf von Festen und Parties aufzustellen. Junge Menschen sollen direkt angesprochen und für Motive und Gefahren des Alkoholkonsums sensibilisiert werden. Weitere Informationen zu "HaLT" gibt es im Internet unter www.halt-projekt.de.

Rat Informationen gibt es beim Suchtbeauftragten und der Jugend-Suchtberatungsstelle des Landratsamtes in Schwäbisch Hall unter Tel. 0791/8565730.

Folgen Mittelfristig können Abhängigkeit, Depression, Angstzustände und später neurologische bzw. psychiatrische Probleme als Folgen eines allzu regelmäßigen Alkoholkonsums und zu häufigen Besäufnissen in der Jugend auftreten.

SWP