"Die Ingenieure haben wohl nie mit einem Piloten gesprochen", scherzt der 77-Jährige. Gut gelaunt steht Reinhold Würth vor einer Cessna Citation und erzählt von den Tücken der 2011 gebauten Maschine. Die Anordnung der Knöpfe sei ungeschickt. Aber es sei so, "als würden Sie in ein neues Auto steigen - nach zehn Minuten haben Sie es raus", meint Würth, der seit den 60er-Jahren selbst am Knüppel sitzt.

Die German Business Aviation Association (GBAA), der Verband, der die Interessen der Geschäftsflieger vertritt, hat zu einem Workshop nach Hall eingeladen. Es geht um die Nöte der Firmen, die mit ihren Privatjets nicht überall landen können, und das drohende Chaos auf dem neuen Berliner Großflughafen. Denn die Kapazitäten dort reichten schon vor der Eröffnung nicht, meint Hans-Henning Rimberg, Chef der GBAA.

Es geht an diesem Tag auch um das Image von Unternehmen, die Firmenflugzeuge einsetzen. "Häufig ist die Rede von Champagner-Fliegern", meint Steffen Kurz, Geschäftsführer des Haller Flugplatzes. Tatsächlich seien die Maschinen reine Transportmittel. Managern die Reisezeit enorm zu verkürzen, habe nichts mit Champagner zu tun, ergänzt Würth. "Ich trinke Urbacher Sprudel - aus der Flasche - wenn ich vorne sitze."

"Ohne Flugzeug geht das nicht"

Der Schrauben-Konzern mit 65.000 Mitarbeitern weltweit und einem Umsatz von zehn Milliarden Euro würde ohne Flugbetrieb nicht mehr auskommen. Würth selbst habe tags zuvor Senioren in Lahr besucht, später bei zwei Meetings in Gaisbach mitdiskutiert. "Ohne Flugzeug geht das nicht."

Dem gegenüber stehen lärmgeplagte Anwohner, speziell in Tüngental, in den Kreuzäckern sowie neuerdings in Gailenkirchen und Hessental, die sich im Haller Verein Airpeace zusammengeschlossen haben. "Die Geschäftsflüge haben deutlich zugenommen", weiß Vorsitzende Elke Glasbrenner. Besonders bemerkbar mache sich das morgens. "Zwischen 6.30 und 9 Uhr starten manchmal bis zu zehn Jets und fliegen direkt über die Dächer."

Kein Interesse an Linienflugbetrieb

Die Zahl der Flugbewegungen von Würth haben sich seit 2003 nahezu verdoppelt, von 1.287 auf 2.374. Der Konzern nutzt fünf eigene Jets. Auch Lidl (vier Flugzeuge) und Berner (zwei) starten regelmäßig von Hessental. Die Zahl aller Starts und Landungen (inklusiver kleiner Fluggeräte) betrug vergangenes Jahr 14.734. An eine flächenmäßige Erweiterung denke der Gaisbacher Konzern am Adolf-Würth-Airport nicht. "Die Kapazitäten reichen noch einige Jahre", meint Reinhold Würth. Auch bestehe kein Interesse an einem Linienflugbetrieb.

Die jetzige Größe und Lage kommt auch bei den Verantwortlichen der GBAA an. "Wir schlagen für Berlin den Erhalt des Flughafens Tegel für Business-Flüge vor", sagt Präsident Bernd Gans. Dieser sollte eigentlich mit der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens geschlossen werden. Am südlichen Teil von Tegel ist ein Industriegebiet geplant. Dass der Flugbetrieb parallel funktioniere, sehe man am Beispiel Hall, wo der Solpark angrenzt.