Gerabronn Abkochen ließ Emotionen hochkochen

Gerabronn / Sebastian Unbehauen 20.11.2018
Die Hohenloher Wasserversorgungsgruppe (HWG) hat ein bewegtes Jahr hinter sich: Im Sommer war nicht nur das Wetter heiß, sondern auch die Lage in Gerabronn und Umgebung.

Verbandsversammlungen sind – auch wenn es um Wasserversorgung geht – gemeinhin eher trockene Veranstaltungen. Beim HWG-Treffen in Michelbach/Heide versuchte der gastgebende Bürgermeister Christian Mauch gleich zu Beginn, diesem Umstand mit Poesie entgegenzuwirken. Er zitierte Goethe: „Alles ist aus dem Wasser entsprungen, alles wird durch das Wasser erhalten.“ Und Mauch ergänzte: „Wie groß unsere Abhängigkeit vom Wasser ist, merkt man erst, wenn es mal nicht mehr fließt.“

Geflossen ist das HWG-Wasser zwar immer, aber im Sommer musste es in Gerabronn und Umgebung sowie in Raboldshausen wegen erhöhter Keim-Werte abgekocht werden. Mauch: „Dass dann auch mal die Wellen hochschlagen können, haben wir zur Genüge erfahren.“

Die Blaufeldener Bürgermeisterin und HWG-Verbandsvorsitzende Petra Weber formulierte es später drastischer. Mit dem Thema sei in der Öffentlichkeit „absolut hysterisch“ umgegangen worden, auch die Presseberichterstattung kritisierte sie. Denn: Es habe „zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung unserer Kunden“ bestanden. Das hiesige Gesundheitsamt habe eben vorsichtig und umsichtig agiert. Weber berichtete von persönlichen Anfeindungen gegen ihre Person: „Mir wurde angedroht, dass man nicht nur die Dreckbrühe entsorgen sollte, sondern mich gleich mit.“

Ursache weiter unklar

Mittlerweile freilich ist das Wasser sowieso wieder absolut keimfrei. Alle Kontrollproben seit der Aufhebung des Abkochgebots blieben ohne Befund. Eine Ursache für die Probleme wurde bis heute nicht gefunden, wie Holger Gersten, der technische Betriebsführer der HWG, in seinem Bau- und Betriebsbericht sagte. Ein weiteres großes Thema 2018 war die Trockenheit seit dem Frühjahr. Dr. Jochen Damm, Geschäftsführer der Wasserversorgung Nordostwürttemberg (NOW) – dem Lieferanten des allergrößten Teils des HWG-Wassers –, konnte zwar insofern leichte Entwarnung geben, als er von bisher nicht eingebrochenen Quellschüttungen berichtete. Der Mechanismus, der im Untergrund ablaufe, sei eben langsam und träge. „Das alles Entscheidende ist die Grundwassernachbildung“, so Damm. Bleibe der Regen auch zu Beginn des kommenden Jahres aus, habe das einen Effekt. Die NOW werde die Situation genau im Auge behalten.

Damm betonte, dass man im Hitzesommer nie an Kapazitätsgrenzen gekommen sei, sondern auch zusätzliches Wasser hätte liefern können – und zwar in einem Umfang von 152 Litern pro Sekunde am Tag mit dem meisten Verbrauch. Der Versorgungssicherheit diene auch der Umstand, dass innerhalb der NOW heuer gezielt das Krisenmanagement geprobt worden sei. „Für Szenarien, die hoffentlich nie passieren werden, haben wir jetzt mehrere Ordner im Schrank. Wir sind vorbereitet.“

Auch die HWG-Geschäftsführerin Isolde Ansorge betonte die Wichtigkeit der Versorgungssicherheit: „Durch unsere Kooperation mit der NOW sind wir auf der sicheren Seite. Ich bin da auch zuversichtlich für die nächsten Jahrzehnte.“

Was das Jahr 2017 angeht, steigt der Wasserzins, den die Mitgliedskommunen an den Verband zahlen, um zwei Cent auf 1,94 Euro pro Kubikmeter. Die Versammlung segnete dies einstimmig ab. Im Jahr 2019 wird voraussichtlich die Zwei-Euro-Marke geknackt (2,05), 2022 könnte der Preis nach derzeitiger Annahme bei 2,13 Euro liegen. Die Steigerung hängt auch mit vielfältigen Investitionen zusammen: Zuletzt wurden etwa in Ettenhausen ein neuer Hochbehälter samt Zuleitung gebaut und der erste Bauabschnitt bei der Erneuerung der Leitung zum Wasserturm Seibotenberg umgesetzt. 2019 stehen unter anderem der Neubau des Pumpwerks Schön bei Creglingen, die Sanierung des Hochbehälters Bügenstegen und diverse Ortsnetzerneuerungen, etwa in Brettheim (Kirchgasse), Reubach (Rotbergstraße), Dünsbach (Roßgasse) und Schrozberg (Blaufelder Straße), an.

Weber bleibt Vorsitzende

Petra Weber wird dann weiterhin als Verbandsvorsitzende Verantwortung tragen. Die Versammlung wählte sie ebenso wie ihren Stellvertreter, den Creglinger Bürgermeister Uwe Hehn, einstimmig für weitere fünf Jahre. Einstimmig in den Verwaltungsrat gewählt wurde die Niederstettener Bürgermeisterin Heike Naber, die auf ihren Amtsvorgänger Rüdiger Zibold folgt. Weber verabschiedete Zibold, der seit 2002 Mitglied des Verwaltungsrats gewesen war, mit Worten des Dankes und unter anderem mit guten Tropfen – nein, nicht etwa mit HWG-Wasser, sondern mit Wein.

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Aufgabe und Mitglieder der HWG

Der Zweckverband Hohenloher Wasserversorgungsgruppe mit Sitz in Gerabronn hat die Aufgabe, seine elf Verbandsmitglieder mit trinkbarem Wasser zu versorgen. Hierzu betreibt er Wassertürme, Hochbehälter, Überlandleitungen und Ortsnetze. Der HWG gehören die Kommunen Gerabronn, Schrozberg, Blaufelden, Kirchberg, Rot am See, Wallhausen, Satteldorf, Creglingen, Niederstetten, Weikersheim und Mulfingen an.

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