Bühlertann „Zum richtigen Zeitpunkt aufhören“

Klaus Beißwenger ist seit über 30 Jahren aus Überzeugung bei der Feuerwehr: „Menschen in Not zu helfen, der Umgang mit moderner Technik und die gelebte Kameradschaft sind meine Motivation.“ Als Maschinist ist er oft der Fahrer und bedient die Pumpe.
Klaus Beißwenger ist seit über 30 Jahren aus Überzeugung bei der Feuerwehr: „Menschen in Not zu helfen, der Umgang mit moderner Technik und die gelebte Kameradschaft sind meine Motivation.“ Als Maschinist ist er oft der Fahrer und bedient die Pumpe. © Foto: Michaela Christ
Bühlertann / Michaela Christ 11.10.2018
Klaus Beißwenger ist mit Leib und Seele Feuerwehrmann. Jetzt will er seine Verwaltungsaufgaben in jüngere Hände legen.

Was sind schon 1000 Freunde im Netz gegen einen Kameraden?“, fragt Andreas Schneider (36) aus Kottspiel, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Bühlertann (FFB). Vor ihm stehen ausschließlich Kameraden: 52 aktive Feuerwehrmänner, 18 aus der Jugendfeuerwehr und 12 aus der Altersabteilung. Fünf Frauen, 77 Männer. Einer von ihnen ist Klaus Beißwenger (44) aus Bühlertann-Halden. Ein sympathischer Zwei-Meter-Hüne, von Beruf Maschinenbautechniker, verheiratet und Vater von drei Töchtern.

Wenn Beißwenger die rote Uniform trägt, hat er jedoch selten etwas zum Lachen. Denn ein Feuerwehreinsatz bedeutet: Retten, Bergen, Löschen, Schützen von Leben und Hab und Gut in Not Geratener. Dafür, dass das eigene Leben beim Einsatz nicht auf der Strecke bleibt, sorgt die Kameradschaft unter den freiwilligen Helfern. Und die regelmäßigen Übungen. Die dienen nicht nur der körperlichen Ertüchtigung, sondern bewirken auch, dass im Ernstfall Automatismen ablaufen, egal welchem Szenario sich der Feuerwehrmann gegenübersieht.

„Wir haben jeden zweiten Samstag und vierten Donnerstag im Monat eine Übung“, sagt Beißwenger. Hinzu kommen Sonderübungen wie die Eisrettung im Winter, die Leistungsabzeichen oder die jährliche Hauptübung, die traditionell am Kirchweihsonntag stattfindet. Die Hauptübung ist der Jahreshöhepunkt eines jeden Feuerwehrmannes in Bühlertann, „weil bei dieser Übung die ganze Wehr im Einsatz ist“, umschreibt Beißwenger den Großeinsatz ab 16 Uhr im Kellerbergweg. „Dieses Jahr geht es um eine Technische Hilfeleistung bei einem Verkehrsunfall mit einer landwirtschaftlichen Zugmaschine“.

Seiner Technikbegeisterung hat Beißwenger den Schritt in die Jugendfeuerwehr zu verdanken. Mit 13 Jahren tritt er mit zehn Freunden in die neu gegründete Jugendfeuerwehr in seinem Heimatort Großerlach ein. Die Gruppe war hoch motiviert und mischte die Stadtfeuerwehren in Backnang, Waiblingen oder Schorndorf mit ihren Erfolgen bei den Leistungsprüfungen auf. Mit 18 wechselt Beißwenger in die Hauptfeuerwehr und wird auch Mitglied in der Werksfeuerwehr bei Bosch, wo er als Industriemechaniker arbeitet. Er bildet sich zum Truppmann, Truppführer, Sprechfunker und Atemschutzträger weiter. Die ersten Einsätze waren schwere Verkehrsunfälle auf der B 14 in der Rottalsenke und dem Sulzbacher Wald.

2002 heiratet Beißwenger Renate Bahle aus Bühlertann-Halden und das Ehepaar lässt sich in ihrer Heimatgemeinde nieder. Zwei Jahre später wechselt er in die Wehr nach Bühlertann. „Da war einmal dieses tolle Feuerwehrfest am Kreisfeuerwehrtag anlässlich des 125-jährigen Jubiläums der Bühlertanner Feuerwehr“, erinnert sich Beißwenger an den Juni 2005. „Und dann ist da noch mein feuerwehrbegeisterter Nachbar Helmut Stöcker, der nicht locker ließ, bis ich der Wehr in Bühlertann beitrat.“

Letztlich sei es eine Win-win-
Situation gewesen: Die Feuerwehr in Bühlertann bekam mit ihm einen ausgebildeten Feuerwehrmann und er kam durch die Kameradschaft schnell in seiner neuen Gemeinde an. In der Bühlertanner Wehr arbeitet Beißwenger als Maschinist und Gruppenführer, wird 2008 in den Ausschuss gewählt, er wird Schriftführer und Pressewart. Zu seiner Lieblingsaufgabe gehört fortan die Herausgabe des Feuerwehrblättles. Jahr für Jahr werden die Ausgaben umfangreicher, bunter, unterhaltsamer und gelten als ein heimlicher Höhepunkt in jeder Hauptversammlung.

Jugend Verantwortung zutrauen

Am kommenden Samstag legt Beißwenger seinen Kameraden die letzte Ausgabe aus seiner Feder vor. „Es ist wichtig, zum richtigen Zeitpunkt aufzuhören und die Jugend in die Verantwortung zu nehmen“, sagt der scheidende Pressewart. Die freiwillige Feuerwehr überlebe nur, wenn sie den Zeitgeist der Jugend mit im Fokus habe, ihnen Verantwortung zutraue und überlasse und sie dabei in guter Kameradschaft aus der zweiten Reihe begleite. „Denn was sind schon 1000 Freunde im Netz gegen einen Kameraden?“

Der Liebe wegen nach Halden

Klaus Beißwenger kommt 1974 als zweites von vier Kindern in Hall zur Welt. Bis zu seinem zehnten Lebensjahr wohnt die Familie in Oberrot, dann zieht sie nach Großerlach. Nach der Schule macht er eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei Bosch in Murrhardt und bleibt ausgelernt zehn Jahre im Betrieb. Nebenher studiert er Maschinenbautechnik mit Schwerpunkt Qualitätsmanagement. 2004 wechselt Beißwenger zu SHW Werkzeugmaschinen nach Aalen-Wasseralfingen und arbeitet jetzt weltweit im Qualitätsmanagement. 1999 lernt er seine zukünftige Frau Renate kennen. Vier Jahre später ziehen sie nach Bühlertann-
Halden. Das Paar hat drei Töchter.

50 Marktbeschicker und ein Platzkonzert

Der Kirchweihmarkt in Bühlertann findet am Samstag, 13. Oktober, ab 9 Uhr rund um den Kirchplatz in der Dorfmitte statt. 50 Marktbeschicker bieten ihre Waren an. Die örtlichen Vereine und Gaststätten bewirten. Der Musikverein Bühlertann gibt um 11 Uhr ein Platzkonzert. Die Feuerwehrhauptübung im Kellerbergweg beginnt um 16 Uhr.

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