Serie „Wir sind nicht aus Zucker“

Andreas Pressler liebt die Wärme – im Urlaub und zu Hause in Rot am See. Hier heizt er mit einem italienischen Kaminofen.
Andreas Pressler liebt die Wärme – im Urlaub und zu Hause in Rot am See. Hier heizt er mit einem italienischen Kaminofen. © Foto: Erwin Zoll
Erwin Zoll 04.01.2018
Andreas Pressler, Schornsteinfegermeister aus Rot am See, steigt seiner Kundschaft natürlich auch im Winter auf das Dach. Aber in der kalten Jahreszeit hat seine Arbeit so seine eigenen Gesetze.

Eigentlich ist Andreas Pressler gar kein Wintermensch. „Der Winter ist nicht mein Ding“, sagt der 40-Jährige, der seit knapp einem Jahr als selbstständiger Bezirksschornsteinfeger für einen eigenen Kehrbezirk zuständig ist. Pressler liebt die Wärme, geht mit seiner Frau Anna, die er vor einem halben Jahr geheiratet hat, gerne in südlichen Gefilden auf Kreuzfahrt. Seinen Jahresurlaub legt er in den Winter, um der Kälte für einige Zeit zu entrinnen.

Und doch: Zwischen Ilshofen und Rot am See, zwischen Blaufelden und Kirchberg gibt es viele Kamine zu kehren und Heizanlagen zu kontrollieren, so dass sich Pressler und sein Geselle Florian Humbold auch im Winter ranhalten müssen. Mit glatten Straßen und mit der Dunkelheit müssen auch andere Handwerker fertig werden, die Kaminkehrer müssen aber auf die Dächer steigen, und das ist immerhin bei rund 40 Prozent der Häuser so. „Im Normalfall kann man die Dacharbeiten auch im Winter erledigen“, sagt Pressler. Dafür sorgen schon die Unfallverhütungsvorschriften – wenn die eingehalten seien, meint Pressler, dann seien Dachtritte auch bei Schnee begehbar. „Wir sind nicht aus Zucker“, lautet Presslers Devise.

Bei seiner Kleidung muss Pressler, der in Musdorf aufgewachsen ist, einen Balanceakt vollbringen – sie darf weder zu leicht noch zu schwer sein. Thermounterwäsche mit langen Unterhosen, zwei Paar Socken, Kappe, Schal und Handschuhe gehören zur Grundausstattung. Und bei den Handschuhen beginnen die Probleme bereits. Denn die dürfen nicht zu dick sein, weil sie sonst bei der Arbeit hindern. Und überhaupt darf sich so ein Schlotfeger nicht zu warm anziehen, denn zwischen den Ausflügen auf die Dächer arbeitet er immer wieder in warmen Räumen, in Heizungskellern, Wohnzimmern und Küchen.

Andreas Pressler, der bei Anton Joas in Langenburg in die Lehre gegangen ist und 2001 die Meisterprüfung abgelegt hat, kann bestimmte Arbeiten nur im Winter erledigen. Die Betriebswerte von Holzheizungen zum Beispiel können nur im Winter gemessen werden. Dafür ist nämlich eine bestimmte Wärmemenge erforderlich, die nur im Dauerbetrieb erzeugt wird. Kamine können nur im Winter ausgebrannt werden – dies ist eine besonders wichtige Arbeit, denn beim Ausbrennen werden Rußablagerungen beseitigt, die sich sonst entzünden könnten. „Das macht man am besten, wenn Schnee liegt, dann ist der Funkenflug nicht so gefährlich“, berichtet der geprüfte Energieberater Pressler. Wenn er vom Ausbrennen erzählt, zeigt er sich von seinem Beruf besonders angetan: „Das ist schön, wenn das Feuer zum Kamin hinausfährt und das ganze Dorf bemerkt, dass der Schlotfeger da ist.“

An seinem Beruf schätzt Pressler nicht die Technik allein. Es geht ihm auch um die Begegnung mit den unterschiedlichsten Menschen – vom Bettler bis zum Fürsten, wie er sagt. „Der Umgang mit den Leuten hat mich von Anfang an begeistert“, erzählt er. Außerdem könne man als Schlotfeger etwas für die Umwelt tun: „Diese Arbeit ist mehr als einen Pinsel in den Kamin zu schieben.“