Satteldorf „Wir passen diesmal auf“

Tagebau ist mit viel Erdbewegungen verbunden. Hier der nördliche Teil der alten Abbaufläche, von der Straße nach Bronnholzheim aus gesehen.
Tagebau ist mit viel Erdbewegungen verbunden. Hier der nördliche Teil der alten Abbaufläche, von der Straße nach Bronnholzheim aus gesehen. © Foto: Ute Schäfer
Satteldorf / Ute Schäfer 05.12.2018
Die Firma Knauf Integral KG in Satteldorf will ihre Abbaufläche vergrößern und stellt die Pläne im Gemeinderat vor.

Helle Platte“ heißt das Gewann nordöstlich von Satteldorf, und der Name verrät es: Hier liegt heller Gips, aus dem die Firma Knauf in Satteldorf Gipsfaserplatten herstellt. Elf Hektar hat die Firma schon abgebaut, jetzt sollen noch einmal so viele dazukommen. Das Projekt stand vorgestern auf der Tagesordnung des Gemeinderats. Und deshalb saßen auch gut zwei Dutzend Besucher im Ratssaal.

Das betreffende Flurstück ist etwa dreieckig und reicht von der südlichen Abbaukante bis kurz vor die Straße nach Ellrichshausen, teilte Uwe Schirmer von der Firma Knauf mit. Rund eine Million Tonnen Gestein sollen hier gewonnen werden, wie bisher per Lockerungssprengung. Dann wird das Material sortiert. Reichen wird es es für etwa zehn Jahre. „Aber wie lange genau, weiß man nicht. Das hängt von der Baukonjunktur ab“, so Schirmer.

Wiesen, Äcker und Wald

Die Fläche besteht vor allem aus Wiesen und Äckern, ein bisschen Wald ist auch dabei. Allerdings haben die dortigen Biotope höchstens „geringe bis mittlere Wertigkeit“, bescheinigte Ulrich Fränkle vom Büro für Landschaftsplanung und Naturschutzmanagement AGLN.

Er ist im Antragsverfahren für die ökologischen Belange zuständig und berichtete von den entsprechenden ausführlichen Gutachten. Nach der Haselmaus etwa habe man in dem Wald gleich zweimal, nämlich 2015 und 2018, vergeblich gesucht. Auch der Hirschkäfer zeigte sich nicht. „Nur mit der Feldlerche muss man aufpassen.“

Hinterher soll dort alles wieder so aussehen wie vorher. Nur dass der Tierbach, der in der Nähe entspringt und derzeit zum Teil verdolt ist, wieder frei fließen soll. „Das ist ein Gewinn für die Natur“, sagte Fränkle. „Wird der Bach nicht versickern?“, wollte Bürgermeister Kurt Wackler wissen. Der Untergrund sei schließlich nur verfüllt und möglicherweise durchlässig. „Man muss natürlich verdichten“, so Fränkle. „Aber genau können wir das noch nicht sagen. Wir wissen ja noch nicht einmal, wie viel Wasser wirklich kommt. Wir warten noch auf ein hydrologisches Gutachten.“

Wackler betonte, dass Steinbruch und Firma über innerbetriebliche Wege verbunden seien. Nur an einer Stelle müssten die Laster, wie jetzt schon, die öffentliche Straße nach Bronnholzheim queren. Der Bürgermeister sprach auch den Staub an, der vor allem beim Wiederverfüllen entstehe. Schirmer berichtete von einer neuen Förderschnecke mit Wasseranschluss, die das Material befeuchte, sodass es nicht mehr so staube. Außerdem können Reste neuerdings weiterverwertet werden, sodass weniger anfalle. Hier habe man einen Abnehmer gefunden.

Gemeinderätin Stefanie Rein- Häberlen bat darum, das Thema Feinstaub nicht außer Acht zu lassen und regte an, Messstellen einzurichten. Allerdings, betonte Fränkle, sei die Feinstaubbelastung in den Städten grundsätzlich anders als die Staubbelastung eines Gipsabbaus. „In den Städte ist es Ruß aus Motoren, also organisches Material.“ Gips hingegen sei anorganisch und führe zu keinerlei physiologischer Veränderung.

Topografie diesmal im Blick

Im Zuge der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit durften auch Bürger Fragen stellen. Selbst bei einer Gemeinderatssitzung, außerhalb der Bürgerfragestunde. Dies nutzten die Satteldorfer und bedauerten, dass die Rekultivierung des alten Abbaugeländes die ursprüngliche Topografie außer Acht lasse. „Da hat man damals bei den Anträgen nicht so stark Wert drauf gelegt“, antwortete Bürgermeister Wackler. Bei den neuen Anträgen, die derzeit erarbeitet und dann öffentlich ausgelegt werden, sei das anders. „Da stehen die Höhen genau drin.“ Diese werden auch Inhalt des Genehmigungsantrags sein, der schließlich beim Landratsamt eingereicht wird. „Wir passen diesmal auf“, kündigte ein Satteldorfer Bürger an.

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