Breitband, Gewerbegebiet, Feuerwehrmagazin, Ärztehaus, Radweg, Kläranlage, die Schulen, nicht zu vergessen die ganzen Baumaßnahmen – die Gemeinde Fichtenau bewegt gerade Millionen. Vieles davon gehört eigentlich nicht zu den Pflichtaufgaben. Natürlich geht das nicht spurlos am Haushalt vorüber: Die Verschuldung steigt Ende des Jahres von 2,2 auf 4,1 Millionen Euro. Ein Ende ist in den nächsten Jahren nicht in Sicht, im Gegenteil. Und deshalb gilt: immer schön die Finanzen im Blick behalten. Es ist ein Spagat zwischen „Was müssen wir uns leisten?“ und „Was können wir uns nicht leisten?“.

Über die Antworten auf diese Fragen zerbrechen sich künftig weniger Gemeinderäte als bisher den Kopf. Weil Fichtenau die unechte Teilortswahl abgeschafft hat, gibt es nur noch 14 statt 20 Sitze. Eine Liste, Frauen für Fichtenau, fällt ganz weg. Ihr gehörte nach der Wahl von Anja Wagemann zur Bürgermeisterin ohnehin nur noch Anja Schäfer an, und die kandidiert nicht mehr. Auch auf den beiden anderen Listen, Alle für Einen (AfE) und Freie Wählervereinigung (FWV), mit jeweils 14 Kandidaten – darunter jeweils zwei Frauen – sucht man einige bekannte Namen vergeblich: André Linder (AfE) sowie Manfred Kraus und Peter Leidig (beide FWV).

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Satteldorf

Es habe im Vorfeld die Überlegung gegeben, lediglich eine Liste aufzustellen, berichten Herbert Kaspar und Gerald Ilg, die beide seit 25 Jahren im Gemeinderat sitzen und im Hintergrund die Strippen zogen. Doch davon sei man schnell wieder abgekommen, als sich andeutete, dass 15 Gemeinderäte weitermachen wollten. Kaspar fühlt sich damit im Nachhinein viel wohler: „Die Bürger sollen eine Wahl haben, das wäre ja sonst keine Wahl mehr.“ Er findet, dass seine Liste „sehr, sehr gut besetzt“ sei, „auch von den Berufen her“. Ilg gibt sich da etwas bescheidener: „Gute Auswahl.“ Das Ziel der beiden ist klar: stärkste Liste werden. Bisher war das die FWV.

Die alten Hasen bleiben dabei

Kaspar dachte sogar kurz ans Aufhören, das gibt er zu. Aber dann überwog der Gedanke, dass es Gemeinderäte geben müsse, die sich daran erinnern, was einmal vor vielen Jahren entschieden wurde, sonst wüsste es keiner mehr. Jetzt will er der Verwaltung „mit Rat und Tat zur Seite stehen“. Ilg sieht sich in der Verantwortung, die alten Hasen dürften nicht auf einmal alle wegbrechen. „Die Mischung sollte vorhanden sein“, betont er. Seine Motivation: „Man lernt nie aus, das ist das Schöne an der Gemeindepolitik.“

Wallhausen

Sowohl Ilg als auch Kaspar bereitet die finanzielle Situation der Gemeinde Sorgen, daraus machen sie keinen Hehl. „Wir waren auf dem richtigen Weg“, sagt Ilg. Schulden machen sei kein Problem, aber hallo, jetzt sei es ihm zu viel. „Da bin ich etwas konservativ.“ Im Nachhinein tue der Radweg von Wildenstein nach Matzenbach, der immer teurer wurde, weh. Und, das sagt Ilg als Feuerwehrmann: „Vielleicht hätte man mit dem neuen zentralen Feuerwehrmagazin noch zwei, drei Jahre warten sollen.“

Es gibt auch neidvolle Blicke

Über das Ärztehaus, das in Unterdeufstetten entstehen soll, denkt Ilg anders. Es ist für ihn „ein richtiger Segen“. Das sehen übrigens andere Gemeinden ähnlich. Sie blicken neidvoll nach Fichtenau, weil sich dort drei Ärzte zusammentun. „Wir müssen unseren Bürgern was bieten“, findet Kaspar. „Wir sind am äußersten Zipfel, wir müssen überall hinfahren.“ Das Ärztehaus gehört für ihn zur Nah- und Grundversorgung: „Das müssen wir stemmen, das Geld ist es wert.“

Wer weiß, vielleicht gibt es demnächst ja noch jemanden, der mit einem wachsamen Auge auf die Finanzen schaut. Mit Joachim Koch bewirbt sich bei AfE nämlich Ellwangens Stadtkämmerer um einen Sitz im Fichtenauer Gemeinderat. Er war zuletzt in vielen Sitzungen als Zuhörer anwesend, diese haben ihn jedenfalls nicht abgeschreckt.

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