Jeden Montag wird aus der Küche der Kindertagesstätte ein Experimentierraum. Sieben Kinder sitzen verteilt an zwei Tischen. Annette Schmidt, die das Projekt „Haus der kleinen Forscher“ im Raum Heilbronn-Franken koordiniert, hat Material zum Thema Geräusche mitgebracht. Den Impuls dafür gaben Kinder, die wissen wollten, warum der Wind manchmal Geräusche macht. „Unser Konzept ist, dass die Kita-Mitarbeiterinnen Fragen von Kindern aufgreifen und dazu einfache Experimente zusammen mit ihnen machen“, erklärt sie.

Jedes Kind bekommt von ihr zwei Holzspatel, ein Streichholz, einen Papierstreifen in der Breite der Holzspatel und zwei Gummiringe. Daraus basteln sie etwas, um Geräusche zu erzeugen: Die beiden Hölzchen werden aufeinandergelegt, die zwei Hälften des Streichholzes dienen als Abstandhalter. Dazwischen liegt der Papierstreifen. Fixiert wird das Ganze an beiden Seiten mit den Gummis. Aber wie Geräusche damit machen?

Mundharmonika selbst gemacht

Die Kinder klopfen auf den Tisch, doch dazu hätten die Holzspatel allein gereicht. Ein Junge schlägt damit an die Tischkante und hält die Hölzchen dann an sein Ohr. So hat es Annette Schmidt zuvor mit einer Stimmgabel gezeigt. Das hier muss aber irgendwie anders funktionieren. „Kennt ihr eine Mundharmonika? In die muss man reinblasen, dann macht sie Töne“, hilft Schmidt den Kindern auf die Sprünge. Und schon halten sie ihr Miniinstrument an die Lippen und blasen rein.

Tatsächlich: Willi entlockt ihm als Erster einen Ton und freut sich sichtlich darüber. Bald haben die anderen auch den Dreh heraus und es tönt wild durcheinander. Jedes Kind erzeugt einen anderen Ton, je nachdem, wie das kleine Instrument gebaut ist und wie stark es hineinbläst. „Ihr könnt auch eine Kunststofffolie und ein Stück Alufolie zwischen die Hölzchen spannen. Das hört sich wieder anders an“, regt sie die Kinder zum Nachbauen zu Hause an. „Die Kinder erzählen immer wieder, dass sie auch mit ihren Eltern experimentieren“, freut sich Romy Bilic. Denn das ist es, was sie, die Mitarbeiterinnen, erreichen wollen.

Glasgefäße als Versuchsfeld

An diesem Tag gibt es sogar noch ein zweites Experiment. Dafür füllen Romy Bilic und ihre Kollegin Sabrina Walz Wasser in zwei große Glasgefäße und legen Murmeln, Legosteine, halbe Walnussschalen, Papierschnipsel, Korken, leere Plastikbecher und andere kleine Gegenstände bereit. Die Kinder überlegen, was sie damit anstellen könnten. „Aah, wir probieren, was schwimmt!“, fällt Willi dazu ein. „Super!“, meint Sandra Walz – und schon ist die nächste Experimentierrunde eröffnet.

„Warum gehen denn die Murmeln unter?“, fragt Romy Bilic die drei Mädchen. „Weil sie schwer sind“, kommt prompt die Antwort. Eines der Mädchen belädt das Walnussschiffchen mit Murmeln, bis es versinkt. Die Kinder beobachten, wie ein Stück Papier erst schwimmt und dann untergeht. „Wenn es nass ist, geht es unter“, erklärt ein Junge. „Aber warum geht dann die Alufolie nicht unter, wenn sie nass wird?“, will Sabrina Walz wissen. „Das Papier saugt sich voll“, kommt die Antwort.

Ideen formulieren

Neben dem spielerischen Zugang zu natürlichen oder technischen Vorgängen wird gleichzeitig die Sprachentwicklung der Kinder gefördert. „Sie beschreiben und erklären, was sie beobachten, und formulieren ihre Ideen dazu“, sagt Annette Schmidt.

Vorschulkind Lutz hat Gelegenheit zum Erklären, als die Reporterin mit ihm seinen Ordner mit den Versuchsbeschreibungen durchblättert. Lesen kann er noch nicht, aber anhand der Bilder fällt ihm fast immer ein, worum es bei dem Versuch ging. Zum Beispiel, wie sie mit einem leeren Luftballon, der über den Hals einer Flasche gestülpt war, beobachten konnten, dass warme Luft aufsteigt und sich ausdehnt: Der Luftballon füllte sich mit Luft, als die Flasche von unten erwärmt wurde.

Frühe Einblicke in die MINT-Bereiche


Die gemeinnützige Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ engagiert sich für frühe Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Ziel ist es laut Homepage, Mädchen und Jungen stark für die Zukunft zu machen und zu nachhaltigem Handeln zu befähigen. Die Stiftung wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Lokaler Netzwerkpartner ist der Verband der Metall- und Elektroindustrie Baden­-Württemberg, Südwestmetall.

Der Kindergarten Großaltdorf hat sich bereits zum dritten Mal als „Haus der kleinen Forscher“ zertifizieren lassen. Fortbildungen für Kindergartenmitarbeiter bietet die Evangelische Fachschule für Sozialpädagogik in Schwäbisch Hall an. siba