Noch längst ist nicht entschieden, auf welchem Weg eine neue Hochspannungsleitung quer durch Hohenlohe gezogen wird. Ginge es allein nach dem Regionalverband Heilbronn-Franken, wäre der Fall klar: Einstimmig haben sich jetzt die Mitglieder der Verbandsversammlung für eine Trasse ausgesprochen, die nicht über Langenburg und Gerabronn, sondern über Kirchberg führt. Von weithin sichtbaren, neuen Freileitungen in der Landschaft hält das 72-köpfige Gremium nichts: Der Strom sollte am besten durch ein unsichtbares Erdkabel fließen.

Berge an Aktenordnern werden derzeit im Regierungspräsidium in Stuttgart für ein Projekt der ENBW in Hohenlohe gewälzt. Die Behörde zeichnet für das sogenannte „Raumordnungsverfahren“ zuständig, mit dessen Hilfe die am besten geeignete Trasse für eine neue 110-Kilovolt-Stromleitung von Kupferzell nach Rot am See gefunden werden soll.

Die endgültige Linienführung wird dann in einem anschließenden „Planfeststellungsverfahren“ festgezurrt – mitsamt einer Entscheidung über die für viele Bürger zentrale Frage, ob die Stromleitung mit Masten oder per Erdkabel realisiert wird. Die ENBW rechnet mit Kosten von rund 10 Millionen Euro für eine Freileitung, eine Erdverkabelung dürfte vermutlich das Vierfache kosten.

Die ENBW selbst hat unter zahlreichen Varianten zwei Favoriten für die Trasse auserkoren, die beide unweit von Orlach von der bestehenden 380-Kilovolt-­Leitung abzweigen, das Jagsttal zwischen Bächlingen und Hürden überqueren und dann entweder nördlich oder südlich von Gerabronn weiter in Richtung Lenkerstetten zu einem dort geplanten Umspannwerk führen – wobei hier beide Varianten auch das dort noch völlig unberührte Tal der Brettach queren müssten.

Alternative weiter südlich

Der Regionalverband Heilbronn-Franken hat wie andere Behörden und Institutionen auch ein Wörtchen bei dem Millionen-Projekt mitzureden – und bringt jetzt eine Trasse ins Spiel, die von der ENBW erst auf Wunsch des Regierungspräsidiums Stuttgart in die Unterlagen und Pläne für das Raumordnungsverfahren aufgenommen wurde.

Bei ihrer Verbandsversammlung in Gaildorf votierten die Mitglieder des Regionalparlaments einstimmig dafür, dass bei dem Strom-Projekt eine weiter südlich gelegene Alternative genutzt wird: Der Korridor mit der Bezeichnung E 4 zweigt erst unweit von Ruppertshofen von der bestehenden 380-Kilovolt-Leitung von Kupferzell über Frankenhardt nach Goldshöfe ab und führt dann zwischen Dörrmenz und Lendsiedel in Richtung Jagst, deren Tal in diesem Fall zwischen Diembot und Eichenau überquert werden müsste. Die Trasse verläuft dann weiter nach Weckelweiler und von dort zum Endpunkt bei Lenkerstetten.

Auf dem kürzesten Weg

Der Regionalverband argumentiert damit, dass bei diesem Trassenverlauf die vorhandene Stromleitung bis nach Ruppertshofen weitestmöglich mitgenutzt werden kann und von dort aus auf der „Neubaustrecke“ der kürzeste (und damit schonendste) Weg zum Umspannwerk nach Lenker­stetten besteht.

Das wäre nach Ansicht des Regionalverbandes die „konflikt­ärmste Lösung“. Bei diesem „Kirchberger Korridor“ plädiert der Regionalverband zudem auf eine durchgehende Erdverkabelung – erst recht für die Durchquerung des Jagsttales.

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