"Vertraut den neuen Wegen"

Wer umzieht, lässt viel zurück, findet in der Fremde oft aber wieder neue Freunde. "Weil Gott Zukunft schenkt", wie Pfarrer Jag schreibt. Foto: Archivfoto: dpa
Wer umzieht, lässt viel zurück, findet in der Fremde oft aber wieder neue Freunde. "Weil Gott Zukunft schenkt", wie Pfarrer Jag schreibt. Foto: Archivfoto: dpa
SWP 05.01.2013
Gedanken zum Sonntag von Pfarrer Michael Jag aus Honhardt.

Die biblische Jahreslosung für 2013 lautet: "Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir." (Hebräerbrief 13,14)

Ich denke dabei an den letzten Umzug meiner Familie. Die vielen Umzugskartons. Gleich muss der Möbeltransporter kommen. Und dann geht es in eine fremde Stadt, an einen fremden Ort.

Die neue Arbeit wartet schon. Nicht nur Hemden, Möbel und Teller machen sich auf den Weg. Im Gepäck sind auch eine Menge an Spannung und ein Teil an Ungewissheit. Zurück bleiben dann Freunde und Bekannte. Und für die Verwandtschaft ist es Zeit, sich neue Adressen und Telefonnummern einzuprägen.

Die Jahreslosung zeigt: Schon immer war das Leben in Bewegung. Die Bibel ist voll von Beispielen.

Noah muss in die Arche flüchten. Wie viele sind dazu heute gezwungen nach Überschwemmungen und Erdbeben. Oder weil Dürrekatastrophen einen zwingen. Ich denke an Abraham, der mit immer neuen Aufgaben auf den Weg geschickt wurde von Gott. Und Mose, der im Auftrag sein Volk in die Freiheit führt und doch mit seinen Landsleuten sehnsüchtig zu den Fleischtöpfen in Ägypten zurückschaut. Hiob, der total krank und kaputt im Staub sitzt, sehnt sich nach Heilung und klagt zweifelnd. Trotzdem bleibt er dabei: Ich weiß, dass mein Erlöser lebt (Hiob 19,25). Und der greise Simeon darf nach langem Suchen endlich das Jesuskind auf den Armen haben und darf das Heil schauen. Schließlich dürfen wir dabei auch an Maria denken. Sie ist unterwegs zum offenen Grab. Der Totgeglaubte ist nicht mehr da, er lebt. Da bricht für alle eine neue Zukunft an.

Auch Jesus ist ein festes Zuhause eher fremd. Er ist auf Wanderschaft.

Verbinden wir mit der Jahreslosung nicht aber auch drückende Gefühle und Gedanken, die oft zu Aufbrüchen gehören? Warum kann es nicht so bleiben, wie es ist? Es ist eine menschliche Erfahrung, dass die Bewegung auch Unsicherheit mit sich bringt. Es schmerzt, Gewohntes aufzugeben. Es ist schwer, etwas loszulassen. Es bleibt gleichzeitig offen, was auf mich wartet. Und vielleicht ist das Ziel noch nicht einmal klar. Wenn alles im Fluss ist, brauche ich Dinge, die feststehen. Wenn alle in Bewegung sind, brauche ich eine Stelle, an der ich bleiben kann.

Die Jahreslosung ermutigt, das Leben im Blick nach vorne zu leben - auf Hoffnung hin: Neues wagen - im eigenen Leben, im Zusammenleben mit anderen, in der Kirche, in der Gesellschaft.

Neues wagen, weil Gott Zukunft schenkt. Das gilt auch dort, wo wir keine Zukunft mehr sehen. Oft werden die Worte der Jahreslosung bei einer Bestattung gesprochen. Sie drücken aus, dass Gott eine Zukunft verheißen hat - auch über den Tod hinaus. Das ist Hoffnung für die Toten und für die Lebenden. Die Zukunft kommt von Gott her, so jedenfalls ist es nach christlichem Verständnis. Wir gehen ihr entgegen. Und das große Hoffnungsbild der Zukunft, die von Gott her kommt, ist eine neue Welt. In ihr werden Tränen getrocknet. In ihr sind Schuld und Gewalt überwunden. In ihr kommen Schmerzen nicht mehr vor. Und in ihr hat sogar der Tod ausgedient. Dieses Hoffnungsbild gibt Kraft - mitten in den Aufbrüchen, die das Leben von uns fordert.

Ein neues Kirchenlied (Evangelisches Gesangbuch 395) von Klaus Peter Hertzsch, aus der Wendezeit, fasst dies in Worte: "Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit."

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