Das Heilbronner Schwurgericht hat einen 42-jährigen Türken wegen versuchten Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der Mann hat im März dieses Jahres seine damalige Ehefrau in Heilbronn mit einer stählernen Anreißnadel schwer verletzt. Die 34-jährige, aus Russland stammende Frau lebte nach Streitereien in der Ehe eine Zeit lang allein in Untermünkheim. Ursprünglich lautete die Anklage zusätzlich auf Vergewaltigung, begangen in der Untermünkheimer Wohnung. Dieser Anklagepunkt wurde aber im Laufe des Prozesses fallengelassen.

Nachdem er zunächst Ausflüchte gesucht hatte, gab der Angeklagte am fünften Verhandlungstag den versuchten Totschlag zu: Nach einem Scheidungsgespräch bei dem Anwalt der Frau hat er in ohnmächtiger Wut mit der – einem Schraubenzieher ähnlichen – Anreißnadel auf seine Ehefrau eingestochen. Sie saß auf dem Fahrersitz ihres Autos ohne Fluchtmöglichkeit. Ihr Heilbronner Anwalt, der zum Schutz der Frau auf die Straße gelaufen war, konnte den Mann wegreißen. Passanten eilten zu Hilfe. Neben schweren Einstichen erlitt die Frau eine tiefe Bisswunde an einer Hand.

Der Vorsitzende Richter Roland Kleinschroth sprach in der Urteilsbegründung von einer „unheimlich brutalen Tat“. Die Kammer blieb mit ihrem Urteil etwas unter dem Strafmaß von acht Jahren, das vom Staatsanwalt gefordert worden war. Eine Pflichtverteidigerin und ein Wahlverteidiger hatten dagegen auf ein Strafmaß nicht über sechs Jahren plädiert. Sie hatten darauf hingewiesen, dass die Frau dem Angeklagten auch nach ihrem Umzug nach Untermünkheim immer wieder Hoffnung gemacht hätte. Richter Kleinschroth sprach dementsprechend auch die als Nebenklägerin anwesende Frau an: „Sie haben beide in der Zeit vor der Tat ganz große Fehler gemacht!“ Die 34-Jährige sah während der Urteilsbegründung fast regungslos vor sich hin. Sie leidet seit dem Totschlagsversuch unter Ängsten.

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Schwäbisch Hall

Was vor dem Vorfall in Heilbronn bei Besuchen des Angeklagten in Untermünkheim passiert ist, bleibt unaufgeklärt. Bei ihrer nicht öffentlichen Vernehmung soll sich die 34-Jährige in Widersprüche verwickelt haben. Die Ehe ist inzwischen geschieden.