Obersontheim/Bühlertann "Sie ist wie ein Engel"

Ursula Wild (Zweite von rechts) bringt der Zirkusfamilie Quaiser Sachspenden vorbei. Sie hat ihr Winterquartier im Benzenhof bei Fronrot eingerichtet. Foto: Ufuk Arslan
Ursula Wild (Zweite von rechts) bringt der Zirkusfamilie Quaiser Sachspenden vorbei. Sie hat ihr Winterquartier im Benzenhof bei Fronrot eingerichtet. Foto: Ufuk Arslan
Obersontheim/Bühlertann / LYDIA-KATHRIN KNIRSCH 01.03.2014
Unzählige Anrufe haben Ursula Wild aus Obersontheim erreicht, seitdem ihre Hilfe für eine Zirkusfamilie bekannt wurde. Viele Sachspenden sind eingegangen. Dennoch hat die Familie weiterhin Bedarf.

"Das hat noch nie jemand für uns getan. Ursula Wild ist für uns wie ein Engel", sagt die 22-jährige Ronja der Familie Quaiser vom Zirkus Brasil. Der kleine Zirkus hat derzeit sein Winterquartier im Benzenhof nahe Fronrot aufgeschlagen. Seit November des vergangenen Jahres unterstützt Wild aus Obersontheim die elfköpfige Zirkusfamilie mit Sachspenden (wir berichteten). Jetzt helfen auch andere Menschen.

"Seitdem im Haller Tagblatt der Bericht über den Zirkus und mich erschien, stand mein Telefon nicht mehr still", erzählt Wild. Wie viele Anrufe es tatsächlich waren, weiß sie gar nicht mehr. Den ersten habe sie am gleichen Morgen erhalten als der Artikel erschien. "Ich hatte ihn selbst noch nicht gelesen, da rief schon eine ältere Dame aus Westheim an", erinnert sich Wild. Die Rentnerin meinte, sie hätte eine Waschmaschine abzugeben - und zwar eine neue. "Im Prospekt eines Elektrofachgeschäfts war ein Angebot einer Waschmaschine für knapp 350 Euro", schildert die Obersontheimerin, "diese sollten wir kaufen und im Anschluss das Geld bei der Frau abholen".

Ob sie sich bewusst sei, was sie eben angeboten hätte, habe Wild die Westheimerin gefragt. Wild schlug vor, die neue Maschine zu kaufen, in Westheim zu lassen und stattdessen die gebrauchte der Rentnerin mitzunehmen. "Sie meinte vehement, die ältere würde ihr reichen."

Auch ein ehemaliger Landwirt aus Obersontheim meldete sich. "Er musste krankheitsbedingt seine Tiere aufgeben, hat aber noch immer eine ganze Scheune voll Heu und Stroh. Das sind insgesamt rund 500 Ballen", sagt Wild. Diese bekommt die Familie Quaiser für die Zirkustiere, ein Lama und drei Pferde, geschenkt und kann die Ballen nach und nach abholen.

"Die Spendenbereitschaft der Menschen hat mich wirklich überwältigt", erzählt die Obersontheimerin berührt. Fast täglich habe sie Sachspenden bekommen. "Eines Tages kam ich nach Hause, und vor der Haustür stand eine Kaffeemaschine sowie nagelneue Bettwäsche." Auch die Kunden der medizinischen Fußpflegerin hätten stets Tüten voller Kleidung, Handtücher und Bettwäsche mitgebracht.

"Den Menschen ist es vor allem wichtig, dass sie wissen, wo ihre Spenden hinkommen", weiß Wild. Knapp 600 Kilometer ist sie deshalb in der Zwischenzeit im Namen der Familie Quaiser gefahren, um die Spenden abzuholen. "Es ist manchmal schon sehr anstrengend, aber es macht auch sehr viel Spaß. Die Leute sind sehr sympathisch, offen und neugierig."

Vergangene Woche wurde der Bericht aus dem Haller Tagblatt auch im Hohenloher Tagblatt veröffentlicht. "Davon wusste ich nichts. Plötzlich rief mich eine junge Crailsheimerin an", erzählt Wild. Diese sei nur zu Besuch bei ihrer Familie, eigentlich wohne sie in Wien. Auch sie habe eine neue Waschmaschine verschenken wollen. "Ich fragte sie, ob wir einen Kühlschrank daraus machen könnten, der ging dem Zirkus nämlich kürzlich auch kaputt."

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