Ilshofen / Andreas Dehne  Uhr
Der Stand-Up-Komiker Chris Tall macht in der Ilshofener Arena Hohenlohe derbe Späße mit dem Publikum. Doch er findet auch sehr ernste Worte.

Euer Dialekt ist echt assi. Willkommen auf dem Dorf. Willkommen in Ilshofen.“ Der Hamburger Chris Tall, Jahrgang 1991, ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. „Darf er das?“ haben die echten Fans bereits auf ihren T-Shirts stehen. „Das ist Mobbing“, brüllt er das Publikum in der Arena an, mit dem er immer im intensiven Kontakt steht. „Ihr sagt irgendwas in eurer Sprache, alle lachen und klatschen, und ich verstehe nichts. Ich bin hier Ausländer. Danke, dass ihr mich reinlasst.“

Er sucht immer wieder den Dialog mit den etwa 1800 Zuschauern. „Du kommst aus Küau?“ (Künzelsau). „Das klingt wie Miau. Wie weit ist das weg von hier?“ Die Pointe kommt aus dem Publikum: „Einen Katzensprung.“

Carolin Kebekus ist mit ihrem Programm „Pussy Nation“ in Ilshofen aufgetreten - die Arena Hohenlohe war ausverkauft.

Der erst 14-jährige Julian aus der ersten Reihe hat es dem Comedian besonders angetan. „Ich nenn dich doch nicht Specki. Ich bin Specki. Du bist Dicki.“

Christopher Nast, wie Chris Tall bürgerlich heißt, macht Witze über alles und alle. „Über Behinderte, über Schwule, über Schwarze.“ Und natürlich sehr ausgiebig über die Zone unterhalb der Gürtellinie. Über „Katzen und Uschis“. Sehr zur Freude des Publikums, aus dem he­raus jemand lautstark „mehr Vulva“ fordert. „Ist das so etwas wie ein Weckle?“, fragt Tall zurück.

Seine Antworten auf die Zurufe aus dem Publikum sind überraschend derb. „Ich will dich ja nicht beleidigen, aber alle denken gerade das Gleiche über dich.“ Zwischendurch greift er auch immer wieder in die Mottenkiste der Comedy. „Seid ihr schon einmal auf einer Ü-30-Party vor Weihnachten gewesen?“, fragt er in die ausgelassene Stimmung des überwiegend jüngeren Publikums hi­nein. „Das ist wie Schrottwichteln.“ Er macht Blondinenwitze, beleidigt das hohenlohische Publikum mit „Ihr seid alle Schoofseggl“ und lässt sich tief in die Abgründe der zwischenmenschlichen Beziehungen fallen. „Keine Sorge – du verhütest mit deinem Gesicht.“

Comedy Comedian Chris Tall in der Arena Hohenlohe

Mehrfach verliert er sich in seinen Dialogen mit dem Publikum. „Wo waren wir gerade?“, fragt er dann und startet die Szene neu. „Hast du schon gebumst?“, will er von Julian überraschend wissen.

Doch dann ändert sich nach über zwei Stunden plötzlich alles. „Was waren die letzten Worte des Rollstuhlfahrers? – Welche Treppe?“ Er geht zu Sandra, die im Rollstuhl sitzt. „Sandra hat Krebs“, erklärt er den berührten Zuschauern. „Hey Leute, ich sterbe bald. Kann ich vor der Show zu Chris kommen?“, hat sie geschrieben. „So eine lebensfrohe und positive Frau habe ich bisher selten erlebt“: Chris Tall scheint wirklich beeindruckt zu sein. Das Publikum auch. Tosender Applaus für Sandra.

Bülent Ceylan räumt in der Ratiopharm-Arena vor 3000 Fans ab und teilt auch gegen rechte Dumpfbacken aus.

Tall redet mit Jenny aus dem Publikum, die sich selbst als „hellschwarz“ bezeichnet. „Ich bin dunkelweiß“, antwortet Tall spontan. Sehr still wird es, als er mit dem 23-jährigen Heiko spricht, der erst im Januar sein Coming-out in Hohenlohe hatte. „Bin ich dein Typ?“, fragt Tall. „Geht schon“ – die Antwort. „Das ist das beste Kompliment, das man von einem Schwulen bekommen kann. Denn Schwule haben Geschmack“, kontert der Comedian. Dann fehlen ihm kurz die Worte, als Heiko seine Geschichte knapp umreißt. „Dass es hier tatsächlich so krass ist, finde ich bemerkenswert scheiße.“

Chris Tall macht auf der Bühne einen gewagten Spagat zwischen platter Comedy und Kabarett mit ernstem Hintergrund. Und nach über zwei Stunden Programm muss man feststellen: Das macht er gut. Sehr gut sogar. „Ich hab dich lieb“, verabschiedet sich der Künstler mit Gesang. „Wir haben alle die gleiche Blutgruppe. Alle Nutella.“ Von dieser Seite hat man das Leben wohl noch nie betrachtet.

Das könnte dich auch interessieren:

Dr. Jörg Jonas hat das Adipositaszentrum in Hall aufgebaut. Der Chirurg und sein Team verkleinern bei 100 Patienten pro Jahr den Magen, um ihnen so zu helfen.

Unwetter im Südwesten: Hagel-Flieger aus dem Rems-Murr-Kreis kommen bei Gewitter zum Einsatz. Wie sie verhindern, dass Regen zu Hagel wird.

Zahl

Anlauf steht hier, hier die Erklärung