Politik „Rückgrat der Bildungslandschaft“

Kirchberg / Hartmut Volk 12.04.2017
Der FDP-Abgeordnete Dr. Timm Kern hält in Kirchberg ein flammendes Plädoyer für das dreigliedrige Schulsystem im Land.

Als bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Stuttgarter Landtag gilt Dr. Timm Kern als einer der profiliertesten Kritiker der Bildungspolitik der Landesregierung. Heftig monierte der 45-Jährige bei einer Dis­kussionsrunde des FDP-Kreisverbandes im Landhotel in Kirchberg die „von Grün-Rot überstürzt und unvorbereitet abgeschaffte Verbindlichkeit der Grundschulempfehlung“. Das habe eine rapide Zunahme der Sitzenbleiber-Quote vor allem an Gymnasien bewirkt und dort eine Heterogenität der Schülerschaft geschaffen, die die Lehrerkollegien vor zunehmende Herausforderungen stelle.

Wenn ein Kind an der falschen Schule sei, an der es sich ständig überfordert fühle, schwäche das das Selbstvertrauen des Kindes enorm, weiß der frühere Gymnasiallehrer aus eigener Erfahrung. Es gelte, für jedes Kind die passende Schule zu finden, an der es seinen Kompetenzen gemäß gefördert werden könne, plädierte Dr. Timm Kern.

Sein bildungspolitisches Konzept hat er in seinem neuen Buch „Friede den Schulen“ dargelegt, in dem er ein „Schulsystem der Vielfalt nach Maß“ fordert. Eine zentrale Rolle im dreigliedrigen Regelschulsystem nimmt für Kern dabei die Realschule ein. Sie sei „das Rückgrat der gegliederten Bildungslandschaft in Baden-­Württemberg“, die die Basis für die wirtschaftliche Stärke des Landes bilde. Die Realschule ermögliche erst die Durchlässigkeit des Bildungssystems mit seiner Vielfalt an qualifizierten Abschlüssen an beruflichen und weiterführenden Schulen.

Ausländische Besucherdelegationen würden das „Ländle“ oft um sein Bildungswesen beneiden, sagte der FDP-Abgeordnete. Dass es hier sowohl gut ausgebildete Praktiker an der Werkbank wie auch gut ausgebildete Ingenieure gebe, sei die Grundlage des Wohlstandes in Baden-Württemberg. Länder wie Indien hingegen brächten jährlich rund zehn Millionen ausgebildete Ingenieure auf den Arbeitsmarkt, große Schwierigkeiten aber gebe es bei der Umsetzung an der Werkbank, weil ein berufliches Bildungswesen dort komplett fehle.

Eine Stärkung der Realschulen ist für Dr. Timm Kern deshalb unerlässlich. „Sie können von der Ausstattung der Gesamtschulen nur träumen“, kritisierte er. Er sei kein grundsätzlicher Gegner des Gesamtschulsystems, das in der Palette der Bildungsangebote auch seinen Platz habe.

Entschieden tritt er jedoch dafür ein, dass alle Schultypen in einem fairen und gleichberechtigten Wettbewerb miteinander bestehen können, um ein viel­fältiges und differenziertes Bildungsangebot zu gewährleisten, das den unterschiedlichen Talenten und Interessen der Menschen Rechnung trage.