Der nervige Anblick eines ganz speziellen, durchgehend nachtaktiven „Rotlichtmilieus“ bleibt den Bürgern aus Langenburg und den umliegenden Dörfern demnächst erspart: Mittlerweile liegen alle Genehmigungen für eine sogenannte „bedarfsgerechte Nachtkennzeichnung“ der Windräder im Brüchlinger Wald vor. Die weithin sichtbaren roten Warnlampen an den über 200 Meter hohen Windmühlen schalten sich künftig nur noch ein, wenn ein Flugzeug, ein Helikopter oder ein anderes Flugobjekt in die Nähe der Rotoren kommt.

Die ENBW als Betreiber des Windparks im Fürsten-Forst hat sich die radargestützte Technik, die erstmals bei einem Windpark in Baden-Württemberg zum Einsatz kommt, eine Stange Geld kosten lassen: In einer Pressemitteilung des Energiekonzerns ist die Rede von einem „oberen sechsstelligen Betrag“ für die Anlagen, die den Luftraum in einem Radius von rund 16 Kilometern rings um den Brüchlinger Wald mit seinen zwölf Windrädern permanent überwachen.

An- und Ausschalten des Rotlichts als Kompromiss

Die Radartechnik ist schon längst auf den himmelhoch aufragenden Türmen installiert. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) gab bereits im November 2018 per Zertifikat ihren grundsätzlichen Segen dazu. Das System namens „InteliLight“ der Firma Vestas, die auch die Windräder für das Projekt im Brüchlinger Wald lieferte, musste zuvor allerdings auch noch mit Testflügen auf seine Zuverlässigkeit hin überprüft werden. Dazu gehörten auch Flüge bei Regen, die in dem knochentrockenen Sommer des letzten Jahres kaum möglich waren.

Nach umfangreichen Prüfungen erteilte jetzt auch das zuständige Regierungspräsidium in Stuttgart seinen Segen. Die ENBW rechnet damit, dass das Radarsystem „noch bis Ende des Monats in Betrieb genommen werden kann“, wie Michael Soukup, ENBW-Teamleiter für die „Projektentwicklung Windenergie“ in einer Pressemitteilung des Unternehmens zitiert wird.Nach den Worten des Langenburger Bürgermeisters Wolfgang Class ist damit „die letzte Hürde genommen, um die Forderung des Gemeinderates zu erfüllen.“ Denn die ENBW wäre nicht verpflichtet gewesen, eine solche An- und Abschaltautomatik für die Nachtstunden zu installieren, die nach einer aktuellen Änderung des ­Erneuerbare-Energien-Gesetzes erst ab 1. Juli 2020 bundesweit für alle größeren Windparks vorgeschrieben ist und für die sich übrigens auch der hiesige CDU-Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten mit Unterstützung seines Kollegen Harald Ebner (Grüne) stark gemacht hatte.

„Akzeptanz deutlich erhöht“

Vielmehr handelte es sich um einen Kompromiss, den die Stadt Langenburg, das Fürstenhaus als Eigentümer der Flächen und die ENBW bereits im November 2016 ausgehandelt hatten – mitsamt einer Beschränkung auf zwölf Windräder (ursprünglich war von über 20 Anlagen im Brüchlinger Wald die Rede) und einem Verzicht auf eine spätere Verdichtung mit weiteren Rotoren in dem Waldgebiet.

Der Einsatz dieser modernen Befeuerungstechnik für den Windpark im Brüchlinger Wald hat auch nach Ansicht von Philipp Fürst zu Hohenlohe-Langenburg „die Akzeptanz für das Projekt deutlich erhöht“.

Die temporäre Befeuerung kann künftig auch mit einer weitaus kostengünstigeren Methode realisiert werden: In diesem Fall reagieren die Positionslichter der Windmühlen auf ein Transpondersignal, das von jedem Luftfahrzeug gesendet wird. Diese Technik ist bislang aber noch nicht zugelassen.

Die Bundesnetzagentur kann übrigens im Einzelfall Ausnahmen zulassen, wenn insbesondere für kleine Windparks ein solches Befeuerungssystem „wirtschaftlich unzumutbar ist“, wie es im Gesetz heißt.

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