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Kommunalwahl
Kirchheimbolanden/Blaufelden / epd  Uhr
Als Hundertjährige gerade erst in den Gemeinderat gewählt, setzt sich die alte Dame für ihr Freibad ein.

Die Hundertjährige, die auszog, um für ihre nordpfälzische Heimatstadt ein Freibad zurückzubekommen, geht in die Politik: Lisel Heise wurde bei der Kommunalwahl am Sonntag mit deutlichem Stimmenvorsprung in den Stadtrat von Kirchheimbolanden gewählt, teilte die Wählergruppe „Wir für Kibo“ mit. Lisel Heise nehme das Mandat an, hieß es.

Die ehemalige Lehrerin, die in Hohenlohe zwischen 1940 und 1945 an der Landwirtschaftsschule Künzelsau und danach bis 1949 in Blaufelden Nahrungslehre, Ackerbau, Viehzucht und Sport unterrichtete, zieht in den Rat der 8000-Einwohner-Stadt ein. Sie ist damit die weltweit wohl älteste Kandidatin, die jemals in ein öffentliches Gremium eingezogen ist, wird vermutet.

Die konstituierende Sitzung des neuen Stadtrats ist am Dienstag, 25. Juni. Nach ihrer Verpflichtung wird Lisel Heise Fraktionssprecherin der „Wir für Kibo“-­Stadtratsfraktion.

Die Kandidatur der rüstigen, hochbetagten Rentnerin hatte weltweit großes Medienecho erzeugt. Nach der Schließung des Freibads vor acht Jahren hatte sich die begeisterte Schwimmerin für ein neues Bad als Ort der Ertüchtigung und als Treffpunkt der Generationen starkgemacht. Die „Power-Oma“, wie sie die Bild-Zeitung nannte, setzte sich überzeugend gegen alle Mitbewerber durch.

100 Jahre alte Gemeinderatskandidatin Lisel Heise war einst Lehrerin in Hohenlohe

Lisel Heise kandidiert für den Gemeinderat von Kirchheimbolanden – mit 100 Jahren.

Brexit-Vertreter auf den Mond

Die Protestantin Heise ist seit Jahrzehnten in der Kirchengemeinde von Kirchheimbolanden aktiv. Noch immer geht die geistig und körperlich außerordentlich fitte Seniorin regelmäßig in den Gottesdienst. Im Vorfeld der Wahl betonte sie, dass es keine Frage des Alters sei, politisch etwas zu verändern und die Gesellschaft mitzugestalten. Der neu erwachende Nationalismus in Europa „ist Irrsinn“, sagte die Zeitzeugin, die den letzten Krieg und den Wiederaufbau miterlebte, dem Evangelischen Pressedienst. Auch unterstützt die frischgebackene Stadträtin den Kurs von Frankreichs Präsident Macron für ein Zusammengehen der europäischen Länder. „Und die Brexit-­Vertreter sollte man auf den Mond schießen“, meint sie.

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