Zum Kommentar "Falsche Anreize" (HT vom 2. April): "Nur eine Wahlfreiheit ist frauenfreundlich"

Das Thema "Betreuungsgeld" beschäftigt auch die HT-Leser. Foto: dpa
Das Thema "Betreuungsgeld" beschäftigt auch die HT-Leser. Foto: dpa
SWP 11.04.2012

Warum, bitte schön, ist ein Betreuungsgeld frauenfeindlich? Einst bestimmten Ehemänner, ob ihre Ehefrauen/die Mütter erwerbstätig sein durften, heute bestimmen Politiker, Wirtschaftsvertreter oder selbsternannte Emanzipationswächterinnen, dass Mütter erwerbstätig sein müssen - trotz kleiner Kinder und deren Grundrechten!

Nur eine wirkliche Wahlfreiheit ist frauenfreundlich und eine Wahrung ihrer Grundrechte (Grundgesetz Artikel 6). Die wäre gegeben, wenn alle Mütter direkt die 1000 Euro (und mehr) bekommen würden, mit denen die öffentliche Hand einen Krippenplatz subventioniert, und sie dann frei entscheiden könnten, ob sie damit den Krippenplatz (oder hochwertigere Betreuung) finanzieren oder ihr Kleinkind selber betreuen.

Warum ist ein Betreuungsgeld kinderfeindlich? Die Lage ist genau umgedreht: Man setzt sein Baby und Kleinkind mit Krippenbetreuung hohen Risiken aus! Mir ist keine Studie bekannt, die Vorteile von normaler Krippenerziehung belegt - auch nicht "hilfreiche Anregungen für benachteiligte Kinder". Derartige Behauptungen gehen von völlig falschen entwicklungspsychologischen und neurobiologischen Vorstellungen aus. Ich gebe gerne jeder und jedem meine Zusammenstellung über Forschungsergebnisse von Fremdbetreuung oder empfehle wärmstens Steve Biddulphs Übersicht ("Das Geheimnis glücklicher Babys"). Warum setzt ein Betreuungsgeld "falsche Anreize"? Das verrät uns der 8. Familienbericht: Dort wird vor familienpolitischen Maßnahmen gewarnt, die zu volkswirtschaftlichen Nachteilen führen. Oder dachte da jemand ernsthaft, es ginge in der Familienpolitik um Wohl und Rechte von Familien, Frauen und Kindern?

Beri Fahrbach-Gansky, Crailsheim