Blaufelden Dorfladen: „Nicht das Wasser abgraben“

Derzeit entsteht in Wiesenbach ein neues Dorfzentrum – ein Domizil für Feuerwehr, Kindergarten, Ortsverwaltung, Jugend und Dorfgemeinschaft. Der Kindergarten soll jetzt um eine Nutzfläche von rund 110 Quadratmetern erweitert werden, um für stark steigende Kinderzahlen gerüstet zu sein. Das bedeutet ein Plus von 269 000 Euro bei bisherigen Kosten von 2,8 Millionen Euro. Direkt hinter dem Dorfzentrum in der Brettheimer Straße möchte eine Bürgerinitiative einen Dorfladen bauen.
Derzeit entsteht in Wiesenbach ein neues Dorfzentrum – ein Domizil für Feuerwehr, Kindergarten, Ortsverwaltung, Jugend und Dorfgemeinschaft. Der Kindergarten soll jetzt um eine Nutzfläche von rund 110 Quadratmetern erweitert werden, um für stark steigende Kinderzahlen gerüstet zu sein. Das bedeutet ein Plus von 269 000 Euro bei bisherigen Kosten von 2,8 Millionen Euro. Direkt hinter dem Dorfzentrum in der Brettheimer Straße möchte eine Bürgerinitiative einen Dorfladen bauen. © Foto: Zigan
Blaufelden / Harald Zigan 20.06.2018
Für den geplanten Neubau eines Dorfladens in Wiesenbach will der Gemeinderat Blaufelden einer Bürgerinitiative aus rechtlichen Gründen keinen Freundschaftspreis für ein Grundstück einräumen.

Sichtlich enttäuscht verließen rund 70 Bürger nach der jüngsten Sitzung des Gemeinderates Blaufelden die Lötholzhalle in Wiesenbach: Die Kommune will einer Bürgerinitiative für den Neubau eines Dorfladens in Wiesenbach keinen Freundschaftspreis für ein Grundstück beim neuen Dorfzentrum einräumen, sondern bietet das acht Ar große Areal zum regulären Preis von 58 Euro pro Quadratmeter an. Bürgermeisterin Petra Weber gab diesen Beschluss bekannt, der einstimmig in einer nichtöffentlichen Sitzung des Gemeinderates einen Monat zuvor gefällt worden war.

Seit einigen Monaten macht sich eine Gruppe von Bürgern aus Wiesenbach und umliegenden Dörfern intensive Gedanken zu einer Einkaufsmöglichkeit, die es in dem größten Teilort von Blaufelden mit immerhin über 1000 Einwohnern schon lange nicht mehr gibt.

„Kein Marktversagen“

Die Initiative nahm als Standort die alte Schule und die Volksbank-Filiale unter die Lupe, favorisiert mittlerweile aber den Neubau eines Dorfladens und hoffte eigentlich darauf, das besagte Grundstück an der Brettheimer Straße zu einem „symbolischen Preis“ von der Gemeinde erwerben zu können. Der Wunsch nach kommunaler Hilfestellung ging aber nicht in Erfüllung: „Wir haben uns vom Gemeindetag juristisch beraten lassen“, sagte Bürgermeisterin Petra Weber.

Demnach seien der Kommune derlei „Subventionen“ nicht gestattet, denn sonst „könnte jeder Einzelhandelsbetrieb auf uns zukommen und einen Zuschuss verlangen.“ Nur wenn ein „Marktversagen“ vorliege (und die Bevölkerung in einem bestimmten Radius nicht mehr ausreichend versorgt wird), könne eine Gemeinde tätig werden. Das sei in Blaufelden aber nicht der Fall.

Viele Fürsprecher

Schon die Bürgerfragestunde drehte sich ausschließlich um den Dorfladen. Das Projekt fand viele Fürsprecher und es fehlte auch nicht der Hinweis, dass schon etliche Dorfläden von Kommunen stark unterstützt worden sind und eine solche Einkaufsmöglichkeit durchaus förderlich für den Verkauf von Bauplätzen in Wiesenbach sei.

Ein leidenschaftliches Plädoyer für den Dorfladen als „zentrale Entwicklungschance für Wiesenbach“ hielt der Ortsvorsteher Manfred Glemser. Er bemängelte zudem, dass in der nichtöffentlichen Sitzung über den eigentlichen Antrag der Initiative und des Ortschaftsrates in Sachen Grundstück nicht abgestimmt worden sei. Glemser brachte auch zwei Alternativen ins Spiel: Bei einem günstigen Preis für das Areal würde die Initiative die Erschließungskosten übernehmen, denkbar sei auch eine auf 25 Jahre vereinbarte Erbpacht. Dann bliebe das Grundstück im Besitz der Gemeinde. Auf jeden Fall „sollte dem bürgerschaftlichen Engagement für den Dorfladen nicht das Wasser abgegraben und Steine in den Weg gelegt werden, obwohl das Projekt der Gemeinde in keiner Weise schadet“, sagte Manfred Glemser.

Eine kommunale Unterstützung hätten zum Beispiel die Dorfläden in Wettringen und in Jagsthausen erhalten „und ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Gemeinden illegal gehandelt haben“, sagte der Wiesenbacher Ortsvorsteher, der letztlich den Gemeinderat bat, seinen Beschluss nochmals zu überdenken.

„Wir prüfen die Möglichkeit einer Erbpacht – mehr kann ich derzeit aber nicht tun“, sagte Bürgermeisterin Petra Weber. Das Thema „Dorfladen“ soll im Juli erneut auf der Tagesordnung des Gemeinderates stehen – diesmal aber in öffentlicher Sitzung

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