Crailsheim "Munich Brass Connection" eröffnet im Spitalpark das Crailsheimer Kulturwochenende

Trompeter Konrad Müller, Posaunist Sebastian Sager, Tubist Fabian Heichele, Hornist Matthias Krön und Trompeter Hannes Oblasser sind die "Munich Brass Connection", die am Donnerstagabend im Spitalpark das Kuwo eröffnete.
Trompeter Konrad Müller, Posaunist Sebastian Sager, Tubist Fabian Heichele, Hornist Matthias Krön und Trompeter Hannes Oblasser sind die "Munich Brass Connection", die am Donnerstagabend im Spitalpark das Kuwo eröffnete. © Foto: Ralf Snurawa
RALF SNURAWA 25.07.2015
Tänzerisches traf auf musikalische Verrücktheiten, als die "Munich Brass Connection" am Donnerstagabend im Spitalpark das Kulturwochenende eröffnete. Manchmal ist es schwierig, den richtigen musikalischen Weg zu seinem Publikum zu finden.

Tänzerisches traf auf musikalische Verrücktheiten, als die "Munich Brass Connection" am Donnerstagabend im Spitalpark das Kulturwochenende eröffnete. Manchmal ist es schwierig, den richtigen musikalischen Weg zu seinem Publikum zu finden. Das hörenswerte Programm der fünf Blechbläser aus der bayerischen Landeshauptstadt und deren Umgebung hätte hinsichtlich einer noch besseren Wirkung entweder mehr Moderation oder eines typisch klassischen Konzertpublikums in einem geschlossenen Raum bedurft, um seine größtmögliche Wirkung zu entfalten.

Die Musiker stellten eingangs Werner Pirchners "Do You Know Emperor Joe?" der Tanzsuite aus "Terpsichore" von Michael Praetorius Satz für Satz gegenüber. Daraus ergaben sich schöne Kontraste, wenn etwa die wunderbar gesanglich intonierte melancholische "Pavane de Spaigne" auf den leicht orientalisch wirkenden "Tanz der Salmonellen" traf; oder wenn stärker tänzelnde Sätze aus Praetorius' Suite wie "La Bourrée", "Three Bransles" oder die espritvolle "Volte" auf die "Schmalspur-Polka", den "Barfuß-Schuh-Plattler" und schließlich "Die Donau ist blau - wer nicht?" trafen.

Die letzten beiden Stücke von Pirchner zeichneten sich dabei durch auskomponiertes verzweifeltes Suchen nach der richtigen Tonart aus, Ausrufe wie "Oh du mein Österreich", die mit "Jo mei" beantwortet wurden, eingeschlossen.

Ob die moderierenden Musiker - Tubist Fabian Heichele und Hornist Matthias Krön - nach dem, so Heichele, "verschrobenen Tiroler" Pirchner unbedingt über den Beethoven- oder den Ländler-Schwerpunkt in Jan Koetsiers "Fünf Unterkagner Ländlern" hätten streiten müssen, sei dahingestellt. Immerhin war's ein netter Hinweis, sodass das Publikum verstand, warum plötzlich Melodien aus Beethovens "Pastorale" genannter sechster Sinfonie in Koetsiers Ländlern auftauchen.

Dabei wurde das Quintett sowohl hier wie auch später zum klangschön, wenn auch elektronisch verstärkt spielenden Ensemble, das nuanciert die Klangfarben auszuleuchten verstand. Dazu gehörten auch die "Foliations" des amerikanischen Komponisten Jan Bach. Zwar erwies es sich wiederum als schwierig, ein mehrsätziges Stück bei solch einem Konzert zu präsentieren. Aber die verschiedenen Variationen über "La Folia", einer barocken, bekannten Melodie, erwiesen sich als ausgesprochen abwechslungsreich: mal unbeholfen, mal tänzerisch, mal dunkel gefärbt nur mit Horn, Posaune und Tuba oder mal blechern geschärft.

Zweimal wollte dann Matthias Krön sein Können als Meditationslehrer zeigen: einmal, um Schwindel für das Stück kraftvoll akzentuiert wie weich timbrierte "Los Mareados" von Juan Carlos Cobián zu erzeugen, ein anderes Mal, um zum Stimmungsstück "Maurischer Kiosk" von Hans Kröll hinzuführen.

Stimmungsvoller blieb allerdings das empfunden intonierte "Quiet Place" von Ralph Carmichael. Tänzerischer, wenn auch stilisiert, erschien am Ende das mazedonische Volkslied "Acano mlada nevesto". Davor packten Posaunist Sebastian Sager und Hornist Matthias Krön noch ihre Alphörner in F und Es aus. Und für die unterschiedlichen Stimmungen hatten sie sich von Leonhard Paul das Stück "FES" schreiben lassen, sanft und gesanglich weich gespielt.

Fürs am Ende begeisterte Publikum gab's noch zwei Zugaben. Bei der ersten, Hans Krölls Galopp "Schlittenfahrt im Graswangtal", waren vor allem die beiden Trompeter Konrad Müller und Hannes Oblasser gefragt. Bei der zweiten versuchte sich Fabian Heichele als Satchmo-Stimmparodie zu "What A Wonderful World".