Hochwasser „Müssen die Infrastruktur schützen“

Ilshofen / Ute Schäfer 01.09.2018
Ilshofen lässt die Klinge zwischen Leofels und Hessenau sanieren. Im Oktober sollen die Baufahrzeuge anrücken.

Immer schon hat es unterhalb des steilen Hangs von Leofels Hochwasser gegeben. Immer schon wurde Geröll nach Hessenau geschwemmt. „Wie sonst sollte die Klinge überhaupt entstanden sein?“, fragt Ortsvorsteher Martin Heynold aus Hessenau. Befestigt wurde die Leofelser Klinge vor ungefähr 100 Jahren, in den 1950er- oder 1960er-­Jahren wurde sie einmal saniert, weiß Heynold. Und sie sah auch 50 Jahre später noch stabil und gut aus.

Doch dann kam das große Hochwasser vor zwei Jahren und mit der Befestigung war es vorbei. Die Wassermassen untergruben die befestigte Klingensohle, schoben Schlamm, Geröll und die gemauerte Brücke mit sich ins Tal. „Am Tag nach dem Hochwasser lag der Dreck auf der Straße eineinhalb Meter hoch“, erinnert sich Heynold mit Grausen.

Nur zu Fuß zum eigenen Haus

Der ist mittlerweile natürlich weggeräumt. Doch die Schäden in der Klinge sind noch immer unübersehbar. An einem Baum fehlt die Rinde, die Schlammmassen haben sie abgeschält. Der Schaden reicht bis auf Brusthöhe. So hoch reichten Wasser, Schlamm und Geröll. Der Baum hat das nicht überlebt. Er muss nun gefällt werden. An einer anderen Stelle ist ein Weg so unterspült, dass ein Anwohner sein Haus nicht mehr mit dem Auto anfahren kann. „Er muss jetzt unten parken und hochlaufen“, sagt Ortsvorsteher Heynold. Damit das nächste Hochwasser nicht noch mehr Unheil anrichtet, soll die Klinge jetzt saniert werden. „Wir müssen die Infrastruktur schützen“, sagt Bürgermeister Martin Blessing dazu. Endlich, meint man, denn das Hochwasser ist schon mehr als zwei Jahre her. „Aber vorher sind die Förderungen nicht freigegeben worden“, erklärt Blessing. „Da waren uns die Hände gebunden.“ Doch jetzt ist das Geld genehmigt. Danach belaufen sich die Kosten der Sanierung auf fast eine Million Euro.

Zum Ortstermin in Hessenau treffen sich nun Bürgermeister Blessing, Ortsvorsteher Heynold und Revierförster Alexander Klooz sowie Stefan Schwarzfischer und Marcus Eissing von IPE Ingenieur Plan Eissing aus Schwäbisch Hall. Eines ihrer Themen heute: Welche Bäume müssen weg, um den Hang zu sichern, um die Sohle zu befestigen und nicht zuletzt um Geröllfänge und eine neue Brücke zu bauen? Das Sanierungsgebiet ist 170 Meter lang und beginnt oben im Wald an der jetzt fortgeschwemmten Brücke. Dort wird wieder eine Brücke und ein erster Geröllfang gebaut. Er ist stabil und gilt den großen Steinen. Ein zweiter folgt etwas weiter unten für kleine Steine, Sand und Erde. Unten an der Straße endet das Gebiet.

Erde und Steine müssen weg

Wichtig ist in Zukunft die, wenn man so will, „Pflege“ der Geröllfänge. Denn sobald sich nach einem Regen Erde und Steine abgesetzt haben, müssen sie weggebaggert werden. „Sonst verlieren die Fänge ihre Wirkung.“ Deshalb müssen auch die Wege zu den Geröllfängen so befestigt werden, dass ein Bagger auf ihnen fahren kann. Den Platz dafür zu finden, ist in einer schmalen Klinge nicht immer leicht. Vor allem bei einer hohen Esche nicht, die unten an der Klinge zwischen zwei Schuppen steht und gefällt werden muss. „Sie hat bestimmt 30 Meter“, sagt der studierte Forstingenieur Blessing mit geübtem Blick.

Sind die Bäume gefällt – das wird im Lauf des Monats geschehen –, rücken im Oktober die Baufahrzeuge an. Doch die Arbeiten werden vor dem nächsten Jahr wohl nicht abgeschlossen sein, sagt Ingenieur Eissing. Dann gibt es die Brücke wieder. Und auch die Sohle der Klinge wird wieder mit Natursteinen ausgelegt sein, die in einem Betonbett fest eingelassen sind. „Das ist stabil. Und sieht gut aus“, sagt Ingenieur Marcus Eissing.

Ein wenig Extra-Höhe für den Klimawandel

Ein Geröllfang ist nichts anderes als eine Mauer, die die Steinbrocken auffängt, aber das Wasser passieren lässt. Deshalb gibt es Durchlässe in der Mauer. Im oberen Fang sind sie größer, unten sind sie kleiner. Die Geröllfänge schließen die Klinge der Breite nach ab. Rechts und links der Mauer kann also kein Wasser fließen. Die Mauer ist so hoch berechnet, dass sie einem Jahrhunderthochwasser standhalten kann. Und noch mehr: „Wir haben noch etwas Höhe für den Klimawandel und einen Sicherheitszuschlag dazugegeben“, erklärt der zuständige Planer des Ingenieurbüros IPE Ingenieur Plan Eissing Stefan Schwarzfischer.

Ob die Fänge dem vergangenen Hochwasser standgehalten hätten? „Wir wissen nicht, ob das Hochwasser ein Jahrhundert- oder sogar ein Jahrtausendhochwasser war“, also eines, das statistisch gesehen nur alle 1000 Jahre vorkommt. „Hier gibt es keine Wetterstation. Wir wissen nicht, wie viel Wasser damals wirklich den Hang heruntergekommen ist.“

Doch das habe für die jetzigen Bauten auch keine Konsequenzen: „Gefördert werden Sicherungen für Jahrhunderthochwasser“, sagt Schwarzfischer, mehr nicht. Doch selbst damit die Geröllfänge „nur“ für ein Jahrhunderthochwasser halten, müssen sie gut in den steilen Klingenwänden verankert sein, erklärt Ingenieur Schwarzfischer. Damit da nichts schiefgeht, hat es bereits im Vorfeld Bodenuntersuchungen gegeben. „Wir haben acht bis zwölf Meter in den Boden gebohrt.“ uts

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