Lesung "Max und Moritz": Lesung in drei Mundarten amüsiert in der Kunsthalle Würth

Schwäbisch Hall / URSULA RICHTER 05.04.2016
"Max und Moritz" auf Hohenlohisch, Schwäbisch und Pfälzerisch: Im Begleitprogramm zur Ausstellung "Wilhelm Busch" hat die Haller Kunsthalle Würth am Donnerstag eine höchst unterhaltsame Lesung geboten

Der Ansturm ist wieder gewaltig. In den vergangenen acht Wochen, so führt Kunsthallen-Direktorin Sylvia Weber aus, haben schon mehr als 48.000 Gäste die Wilhelm-Busch-Ausstellung besucht. Sie freut sich, dass am Donnerstagabend so viele "die Streiche dieser Saububen" hören wollen.

Das Vergnügen ist vielfältig. Walter Sauer als Herausgeber der Edition Tintenfass erläutert das Konzept. Der Verlag vertreibt unter anderem Mundartfassungen der in mehr als 200 Sprachen und Dialekte übersetzten Bildergeschichte. Er selbst liest aus seiner "ins Pälzische iwwersetzten" Version. "Max und Moritz im Oberland" stammt von Hugo Brotzer. Ein lokales Highlight bietet Sebastian Unbehauen. Er ist der Verfasser von "Dr Hohaloher Max und Moritz".

Zunächst jedoch erfährt das Publikum etwas über die Kunst der Mundartübersetzung. "Ganz geschwinde, eins, zwei, drei/Schneiden sie das Brot entzwei,/in vier Teile jedes Stück/Wie ein kleiner Finger dick." Wie überträgt man diesen Ausschnitt aus der Bubengeschichte "Erster Streich" mit der Witwe Bolte in einen Dialekt?

Die Reime müssen stimmen

Walter Sauer beginnt mit dem Grundsätzlichen: "Es ist ein vierhebiger Trochäus." Das Versmaß mit abwechselnd einer betonten und einer unbetonten Silbe ist konsequent einzuhalten. Die Reime müssen stimmen. Es sollte zeilengetreu sein. Nicht nur die Aussprache wird angepasst, sondern Wortschatz, Grammatik, Satzbau und Idiomatik der Mundart sollen stimmig sein.

Und dann wird gelesen. Fast den ganzen Abend tragen die drei Autoren Dialektversionen einer Passage jeweils nacheinander, zum Vergleichen, vor. "Schneide Brot in gleische Stick/Vier insgsamt, so fingersdick", reimt Walter Sauer. "Binne jedes gar net schlescht/Iwwerkreiz an Bändel fescht." Das "Pälzisch" klingt weich, etwas singend. Konrektorin Ursula Schneider-Szutta aus Bühlertann ist begeistert. "Ich habe mir das gleich gekauft." Sie ist aus Heidelberg. "Kurpfälzisch!", erklärt sie strahlend.

Der Oberschwabe Hugo Brotzer ist ein erfahrener Mundartdichter: "So wiene gschwätzt hau/hau e gschriebe." Das in den jüngsten Jahren nahezu staatstragende, aus dem Munde des Landesvaters zu hörende Oberschwäbische geht auch ins Deftige: Affa, faule Briadr, Lombapack nennt er die beiden Helden. "Ond drom schneidet se au glei/ Brot en Stickla - ois, zwoe, drei./En vier Doil a jedes Stick,/ wia en kleina Fengr dick./Ibrs Kreiz solled dia Brogga/zsammabonda d' Henna logga."

Der 31-jährige Journalist Sebastian Unbehauen stammt aus Reubach. Seinem Hohenlohisch, das dem ostfränkischen Dialekt zugeordnet wird, hört man die Nähe zu Crailsheim an. "Dr Hohaloher Max und Moritz" gibt es schon in der zweiten Auflage.

Leicht, flüssig, mit einem kleinen Augenzwinkern hier und da trägt er vor: "Waali schneide se an Knerfl/ in vier klaani Knerfl-Werfl,/um se ou zwaa Feede z' knoode,/iwwerkreiz mit Fraad am Schoode,/in denn Houf dr Muader z'leiche/und dernoach schnell hamm zu schleiche." Der zweisilbige Endreim wird bei der Wortneuschöpfung "Knerfl-Werfl" durch einen überraschenden Schlagreim erweitert. Die Fabulier- und Formulierfreude von Sebastian Unbehauen ist unverkennbar. Die Oma Unbehauen hat zwar wohl manchmal fachlich beraten. Aber altbacken kommen die "Gribbl", die "Gestalde" auf Hohalohisch mitnichten daher.

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