Langenburg „Langenburg Historic“: Mancher hat noch Träume

MANFRED MÜHLENSTEDT 27.04.2015
Wieder mal ein begeisterndes Erlebnis war am Freitag und Samstag die achte Auflage der „Langenburg Historic“ – selbst wenn auf den „Bergtag“ wohl weiter verzichtet werden muss.

In den letzten Jahren war der "Bergtag" ein Zuschauermagnet. Tausende pilgerten zur Bächlinger Steige, um den Automobilen und Motorrädern bei der Gleichmäßigkeitsfahrt hinauf nach Langenburg zuzusehen. Sogar die Rallye-Legende Walter Röhrl war dabei und zirkelte seinen Audi um die Haarnadelkurven. Oder, zu Anfang, gingen sogar noch Formel-Boliden an den Start. Dieses Jahr blieb es still an der Steige. Warum? Die Organisatoren Heiner Großeibl und Klaus Groninger sind um eine Antwort nicht verlegen: "Der Aufwand wird zu groß, die Straße zu schlecht, die Sicherheitsauflagen kaum noch zu bewältigen." Denn, auch das ist verständlich, Gleichmäßigkeitsprüfung bedeutet ja nicht zwingend, langsam zu fahren. Und der Ehrgeiz der Oldtimer-Piloten darf keinesfalls unterschätzt werden. Aber gemach, die umtriebigen Organisatoren planen etwas Neues. Vielleicht wird es bei der nächsten "Langenburg Historic" eine weitere motorsportliche Attraktion geben. Aber sicher nicht mehr auf der Bächlinger Steige.

Crailsheimer Urgestein und mit Sicherheit der älteste begeisterte Teilnehmer der "Langenburg Historic": Von Anfang an, seit zwölf Jahren, ist Ernst Röhm dabei. In den frühen Jahren, als er noch keine 85 war, pilotierte er seine Moto-Guzzi noch selber. In cognac-farbener Lederkombi, Ausweis seiner Sattlerkunst. Am Wochenende saß er auf dem Beifahrersitz seines Audi Coupe S von 1972, natürlich mit Kunstlederdach. . . - Seine Begeisterung für den Motorsport ist Legende. Er soll bei einer der letzten Rallyes einmal bei der Rennleitung angerufen haben: "Unterwegs bin ich, aber ich habe wohl meine Krücken am Start vergessen." Und er hat noch einen Traum: Einmal noch mit dem Motorrad durchs Jagsttal fahren.

Philipp Hohenlohe, Langenburg, so kurz und knapp ist der Fürst im Fahrerverzeichnis aufgeführt. Dabei ist er weit mehr. Ohne das Schloss, ohne das liebevoll gestaltete Automuseum, ohne das Flair rund ums Schloss wäre die "Langenburg Historic" gar nicht denkbar und bei den "Oldtimern" auch nicht so beliebt. Zur Ausfahrt am Samstag hatte er einen Citroen 15 V von 1951 aus der Garage geholt. Ein bei französische Ganoven der fünfziger Jahre sehr beliebtes Modell, zuverlässig und schnell. Am Samstag blieben ihm die Einschusslöcher erspart. . .

Manche meinen, eine gemütliche Ausfahrt durch das frühlingsgrüne Hohenlohe sei kein Sport. Welch ein Irrtum. Eine Frage an Bernd Tiggemann aus Blaufelden - er "kämpft" mit seinem englischen Alvis Special, Baujahr 1939 - klärt auf. Die Organisatoren haben in die Tour etliche Prüfungen eingebaut. Da soll auf Zeit gefahren werden, da muss metergenau abgebogen werden, da ist die Geschwindigkeit zu halten. Alles in der "Bibel", dem Fahrtenbuch genau beschrieben. Und alles auf neuestem Stand, sekundenexakt und millimetergenau definiert. Nur: Die Instrumente seines Alvis zeigen englische Meilen an und außerdem sahen in den vierziger Jahren die englischen Konstrukteure die Tachos und Ähnliches gerade mal als "Hinweisgeber" an. Nicht mal eine Beleuchtung bauten sie ein. Entsprechend ist ihre Präzision. Was hilft: Improvisation und Sportsgeist. Der war den Engländern schließlich schon immer eigen.

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