Region "Ich bin vorurteilsfrei erzogen"

Christian von Stetten schneidet Gras. Er macht derzeit Urlaub auf Schloss Stetten. Im Sommerinterview gehts um Bushido und einen Energydrink. Foto: Arslan
Christian von Stetten schneidet Gras. Er macht derzeit Urlaub auf Schloss Stetten. Im Sommerinterview gehts um Bushido und einen Energydrink. Foto: Arslan
Region / MARCUS HAAS 11.08.2012
Der 42-jährige Christian Freiherr von Stetten ist bundesweit in den Schlagzeilen. Zunächst durch seinen Praktikanten Bu-shido, dann durch geschäftliche Kontakte bei der Markteinführung eines Energydrinks.

Fragen an Christian von Stetten lauten unter anderem: Was war das für ein Geschäft? Warum Bushido? Im Urlaub auf Schloss Stetten gibt der CDU-Bundestagsabgeordnete Antworten.

Welche Idee verfolgten Sie bei der Markteinführung eines Energy-

drinks?

CHRISTIAN VON STETTEN: Ich habe keine Idee verfolgt, aber ich bin als Unternehmer im Konzertveranstaltungsbereich tätig. Konzerte und alkoholfreie Energydrinks passen zueinander. Durch ein Konzert lässt sich viel Aufmerksamkeit für einen neuen Energydrink gewinnen. So war die mir gehörende Event-Firma von 2008 bis 2011 auch an der Markteinführung eines Energy-drinks beteiligt.

Was war das für ein Energydrink?

Ein normaler, alkoholfreier Energydrink. Das Getränk ist noch auf dem Markt, und wir haben Schutzrechte Dritter zu beachten.

Beteiligt war ein gewisser Adnan C., wie kam es zu diesem Kontakt?

Ich kenne ihn durch meine Veranstaltungsfirma schon seit mehreren Jahren. Er kennt die Berliner Gastronomie und wollte sich bei der Markteinführung des Energydrinks in Berlin engagieren - ein ganz normaler, geschäftlicher Vorgang.

Wie lief das genau ab?

Im Jahr 2009 gab es einen Auftrag für eine Getränkelieferung inklusive Pfand im Wert von rund 37 000 Euro. Er hat dafür Vorauskasse geleistet. Später wurde der Auftrag wieder storniert. Die Vorauskasse wurde per Scheck zurückgezahlt.

Warum hat Adnan C. storniert?

Es gab Veränderungen am Berliner Energiegetränkemarkt.

Hat Adnan C. Kontakte zum kriminellen Abou-Chaker-Clan in Berlin?

Nach den Presseberichten hat sich mein Anwalt polizeiliche Führungszeugnisse aus den Jahren 2009 und 2011 vorlegen lassen. Es gibt keine negativen Eintragungen. Er ist auch nicht vorbestraft. Zudem hat er eine eidesstattliche Versicherung abgegeben, wonach er weder zu Bushido noch zu dem genannten Familienclan eine geschäftliche Beziehung unterhält.

Was haben Sie daraus gelernt?

Ich weiß jetzt, warum nahezu keine selbstständigen Unternehmer mehr im Bundestag sitzen. Man ist immer angreifbar. Streng genommen muss man sich im Vorfeld jeder geschäftlichen Beziehung polizeiliche Führungszeugnisse zeigen und eidesstattliche Versicherungen geben lassen.

Würden Sie den Rapper Bushido noch einmal als Praktikanten zu sich einladen?

Darauf habe ich noch keine Antwort gefunden. Grundsätzlich muss ein Politiker mit allen reden, den Dialog suchen. Ich habe jedes Jahr etwa 40 Kurzzeitpraktikanten aus allen Berufsgruppen. Auf der anderen Seite möchte ich solch einen Medienrummel nicht jedes Jahr haben.

Passen gewaltverherrlichende Songtexte von Bushido zu christlichen und konservativen Werten ihrer Partei?

Nein, passen sie nicht, und ich verstehe auch, wenn Bürger meinen Dialog mit ihm kritisieren. Ich bin aber auch vorurteilsfrei erzogen worden und hatte interessante Gespräche mit dem Musiker Bushido. Als er im meinem Büro war, haben ich und meine Kollegen gerade die Reformvorschläge für das Musikurheberrecht und die Erhöhung der Gema-Gebühren diskutiert. Wir haben wechselseitig voneinander gelernt.

Was haben sie voneinander gelernt?

Er hat Respekt vor der Arbeit im Bundestag bekommen. Ich habe Einblicke in andere Kulturkreise, Parallelgesellschaften erhalten, zu Kindern und Jugendlichen, die ohne Perspektive in der dritten Generation von Hartz IV leben, Demokratie und den Staat schlecht finden. Wenn er es wirklich ernst meint, könnte jemand wie Bushido helfen, einen Dialog zu starten. 2011 hat er den Bambi für Integration verliehen bekommen. Er hat 900 000 Fans auf Facebook und 250 000 Follower auf Twitter. Es gibt jetzt Anfragen von 400 Jugendlichen, die auch ein Praktikum machen wollen.

Wer wird ihr nächster Praktikant?

Frank Winkler von der Hohenloher Mundartband Annâweech, der durch die Berichterstattung über das Praktikum von Bushido darauf aufmerksam wurde, dass es diese Möglichkeit bei mir gibt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel