Satteldorf Steinbruch: „Höchste Zeit für mehr Fairness“

Der Steinbruch in Neidenfels soll von einem bei Bölgental abgelöst werden.
Der Steinbruch in Neidenfels soll von einem bei Bölgental abgelöst werden. © Foto: Andreas Harthan
Satteldorf / pm 29.06.2018
Gemeinderat Hans Lubinsky ist in Gröningen aufgewachsen, hält es aber dennoch für das Beste, mit „Nein“ zu stimmen. Er spricht von „unerträglichen Anfeindungen“.

In einem offenen Brief wendet sich der in Gröningen aufgewachsene Satteldorfer Gemeinderat Hans Lubinsky an die Bürger. Dieser Brief wird von den Gemeinderäten Brunhilde Klingler, Annemarie Cranz, Manfred Glück, Uli Oldenburg, Matthias Strasser, Wilfried Tertel und Martin Ziegler unterstützt.

„Liebe Gröninger Bürgerinnen und Bürger, ich bin in Gröningen aufgewachsen und engagiere mich seit Jahren als gewähltes Gemeinderatsmitglied für die Gemeinde Satteldorf. Mir ist es wichtig, Ihnen in der laufenden Debatte um den geplanten Steinbruch der Firma Schön & Hippelein meine Position nahezubringen und habe mich deshalb entschlossen, mich mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit zu wenden.

Keine Akzeptanz

Meine Gemeinderatskollegen und ich haben uns in oben genannter Frage dafür entschieden, mit Nein zu stimmen. Das hat einen einfachen Grund: Wir wollen auch weiterhin ein Mitspracherecht in der Steinbruchfrage haben. Denn wenn der Steinbruch kommt, was wird dann? Wenn der Gemeinderat nicht mitsprechen kann, dann wird es fraglich, ob Messstellen errichtet werden oder ob die Nordvariante ausgebaut wird. Dann ist zu befürchten, dass der Abtransport direkt durch Gröningen führt. Doch das wollen wir, die mit Nein gestimmt haben, verhindern. Die Gemeinde und ihr Gemeinderat kann sein Mitspracherecht aber nur erhalten, wenn mit Nein gestimmt wird. Die Vorwürfe, sich nicht genug mit der Materie beschäftigt zu haben, sind schlichtweg falsch.

Genau weil ich mich mit dem Für und Wider des Steinbruchausbaus auseinandergesetzt habe, halte ich es für das Beste für Gröningen, mit Nein zu stimmen.

Leider wird dieser Entschluss von vielen Bürgern nicht als demokratisch legitimierter Entschluss akzeptiert, wir Gemeinderäte sind immer heftigeren Anfeindungen ausgesetzt, die inzwischen unerträglich geworden sind. Wer, wie viele von uns, sich jahrzehntelang ehrenamtlich engagiert, muss sich nun als „unglaubwürdig“, „Arschkriecher“, „Versager“, „Feigling“, „nichts tuender Nicker“ bezeichnen lassen. Hinter vorgehaltener Hand werden wir als bestechlich beschimpft.

Ich kann nicht nachvollziehen, wie derzeit Familien im kleinen Örtchen Bölgental behandelt werden, die ihre Grundstücke verkauft haben. Kinder, die bisher miteinander gespielt haben, dürfen nicht mehr zusammenkommen. Kinder, deren Väter im Steinbruch arbeiten, werden plötzlich nicht mehr zu Geburtstagen eingeladen.

Dem Bürgermeister und dem Gemeinderat wird vorgeworfen, auf ganzer Linie zu versagen. Bis vor Kurzem war die einhellige Meinung, in Satteldorf sei über zwei Jahrzehnte fast alles richtig gemacht worden. Der Zustand unserer Kindergärten, der Schule, des Freibads und der Sportstätten ist auf hohem Niveau, außerdem haben wir ein medizinisches Versorgungszentrum etablieren können. Aktuell läuft der Bau der Mensa an der Grundschule sowie der Neubau des Kunstrasensportplatzes.

Es wird höchste Zeit, wieder etwas mehr Fairness in die Debatte zu bringen. Der Gemeinderat wird als Vertreter aller Bürger gewählt. Unter diesen Bürgern sind auch Angestellte der Firma Schön & Hippelein, deren Anliegen ebenfalls zu beachten sind. Es ist in der heutigen Zeit einfach gesagt, es seien ja nur 80 Arbeitsplätze, die betroffenen Arbeitnehmer sollen sich eben etwas Neues suchen – doch versetzt man sich in die Lage eines Familienvaters oder eines langjährigen Angestellten, ist das gar nicht so einfach. Es stellt sich hier auch die Frage, wer die Kosten für zum Beispiel ein neu gekauftes oder frisch renoviertes Haus übernimmt, wenn die Arbeitnehmer der Firma arbeitslos werden und diese die Kosten deshalb nicht mehr tragen können.

Auf den Plakaten der Bürgerinitiative wird mit kranken Kindern und der Feinstaubbelastung argumentiert. Gleichzeitig werden heutzutage viele Kinder mit dem Auto zum Kindergarten oder zur Schule gefahren – da entsteht kein Feinstaub? Einige Kinder werden so früh wie möglich in die Kinderkrippe gegeben, damit man die eigenen Karrierepläne verfolgen und mehr Geld „scheffeln“ kann (was wiederum auch dem Betreiber des Steinbruchs vorgeworfen wird) – bitte nicht falsch verstehen, betrifft nicht alle Krippenkinder. Und: Auf fast jedem Grundstück und in jedem Haus in unserer Gemeinde ist Muschelkalk aus der Gemeinde sichtbar an der Fassade oder unsichtbar als Schotter oder Beton – verbaut. Viele von uns fahren täglich unter anderem auf Schotter der Firma Schön & Hippelein über die Autobahn.

Man stellt sich auch die Frage, wie die ganze Diskussion und der Umgang mit einem alteingesessenen Unternehmen von den weiteren Betrieben in der Gemeinde wahrgenommen wird und wie man künftig den expandierenden und regional bedeutsamen Gewerbestandort Satteldorf von außen sieht, von dem alle bisher profitiert haben.

Es ist traurig, dass sich eine Gemeinde so spaltet und sich die Bürger gegenseitig anfeinden.“

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