Mehr ist zu würdigen. Mehr als die "Konzertnacht" in der Schrozberger Stadthalle, die mit Beifallstürmen und vier Zugaben endete, mehr als das "Trau dich" der Solisten auf der großen Bühne, mehr als die Tanzeinlagen der Musical-Truppe.

Zu bewundern ist, dass es Roman Harms als musikalischem Leiter gelungen ist, aus dem altehrwürdigen Gesangsverein "Harmonia Crailsheim" eine Truppe zu formen, die begeistert singt. Die "Harmonia Swingers" interpretieren Soul, Pop, Rock, Musicals. Und es ist nicht nur das "Mittelalter", das hier singt, es sind auch Teenies dabei und noch jüngere. Jedenfalls: Das Konzert in Schrozberg lieferte den Beweis, ein Gesangsverein kann ganz schön attraktiv sein. Wenn er denn die richtige Musik im Programm hat.

Roman Harms ist studierter Musikpädagoge und arbeitet an der städtischen Musikschule Crailsheim. Im Jahr 1992 stand der Traditionsverein "Harmonia" vor dem Aus. Roman Harms wurde die "Wiederbelebung" des Chores angetragen. Er nahm die Herausforderung an. Am Samstagabend in der Stadthalle Schrozberg sangen zum Abschluss 45 gestandene Sänger und 20 "Teenies" den Chor "We are the world". Mehrstimmig natürlich und mit Soli. "Mission erfüllt", bleibt da nur zu sagen.

Zuvor hatten die "Harmonia Swingers" ein Programm abgeliefert, das von Soul über Pop, Rock und Musicals alles umfasste, was die aktuelle und die etwas ältere Musik aus den siebziger Jahren an eingängigen Melodien zu bieten hat.

Erwähnenswert ist zudem die geschlossene Stimmigkeit des Chores. Und die Leistung der Solisten, die aus den eigenen Reihen aufgebaut wurden. Auch die launige Moderation von Norbert Ludwig und Katharina Roeschke zählt zu den Pluspunkten des Konzerts.

Ein schöner Moment auch: Da wird ein Jungsänger gefragt, wie er denn Musik hören würde. Selbstverständlich: Mit dem IPod. Walkman, Kassetteoder gar Vinyl-Platte - keine Ahnung davon. Vergangen, vergessen, verstaubt. Es ist das Verdienst der Moderation, dem Publikum diese Brüche im Wahrnehmen von Musik deutlich gemacht zu haben.

Aber die "Harmonia Swingers" lieferten handgemachte Musik. Da trauen sich Annemarie Wagner, Elena Schlosser, Kevin Bork (die "Blues Brothers" lassen grüßen) ans Mikrofon. Da singen Tobias Mehlhorn und Alicia Harms ("All of me"). Da tritt die Musical-Formation auf, da wird geswingt, gerockt, gesungen.

Irgendwer hat irgendwann behauptet, die Gesangsvereine hätten keine Zukunft mehr. Mit ihren Liedern von Silcher oder der "Wacht am Rhein". Das mag stimmen, aber die "Harmonia Swingers" haben mit "Proud Mary" schon ein Türchen in die Zukunft geöffnet. Dank Roman Harms.