Kommunalpolitik „Gemeinsam fit für die Zukunft“

Jens Sitarek 12.01.2018
Schrozbergs Bürgermeisterin Jacqueline Förderer wirbt beim Neujahrsempfang für eine neue Stadtbibliothek und bereitet schon mal auf ein Mammutprojekt vor.

Das neue Jahr sieht mich freundlich an, und ich lasse das alte mit seinem Sonnenschein und Wolken ruhig hinter mir“ – mit diesem Zitat von Johann Wolfgang Goethe steigt Schrozbergs Bürgermeisterin Jacqueline Förderer in ihre Rede zum Neujahrsempfang am Mittwoch in der Stadthalle ein. Für sie bringen diese Worte „schön das Spannungsverhältnis eines Jahreswechsels zum Ausdruck“. Für die Musik sorgt der Gospelchor Spielbach.

Förderer freut sich bei ihrem zweiten Neujahrsempfang über „einen großen Zuspruch“ von rund 350 Gästen und liefert, wie es bei solchen Ereignissen üblich ist, einen Rückblick und einen Ausblick. „Gemeinsam machen wir uns fit für die Zukunft“, ist so ein Satz, der hängen bleibt, als es um die Teilnahme am Landesprogramm „Familienfreundliche, bürgeraktive und demografiesensible Kommune“ geht. Dabei sind die Bürger gefragt, sie sollen sich und ihre Ideen einbringen. Los geht es am 3. März mit einem ganztägigen Workshop.

Doch bevor Jacqueline Förderer sich der Kommunalpolitik widmet, ist die große Politik dran. „Wenn wir in die Welt schauen, scheint so manches im Argen zu liegen“, findet sie. Die Briten verabschiedeten sich aus der EU. Russland und Türkei hätten es nicht so mit der Meinungsfreiheit. Und die USA verfolgten unter Trump „einen eigenwilligen egoistischen Stil, wenn es um Verantwortung für die Welt geht“. In dieser Gemengelage präsentiere sich Deutschland, das sollte man laut Förderer nicht vergessen, als „wirtschaftsstärkste und solideste Kraft in Europa“. Aber an den sozialen Konflikten und enormen Herausforderungen hierzulande dürfe man nichts beschönigen, so die Bürgermeisterin weiter: „Die Bürger erwarten, dass eine stabile neue Bundesregierung nun bald das Ruder übernimmt.“

Mehrere Fliegen mit einer Klappe

Themen, die die Schrozberger Bürger vielleicht sogar noch mehr interessieren: „Wollen Sie, dass in Schrozberg eine neue Stadtbibliothek gebaut wird?“ – über die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens entscheidet der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung am 22. ­Januar.

Jacqueline Förderer sieht die neue Bibliothek als sinnvolle Investition. „Mit diesem Projekt schlagen wir gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe“, sagt sie. Es gebe eine belastbare Kostenrechnung und feste Förderzusagen. Für sie ist eine Bibliothek mehr als ein Ort für Bücher. „Vielleicht sollten wir das Gebäude in Generationentreffpunkt umbenennen?“, fragt sie sich.

„Für das Jahr 2018 wünsche ich mir“, sagt Förderer noch, „dass die viel diskutierten Themen ­Bibliothek und Freibad die Be­völkerung nicht weiter spalten, sondern wieder mehr Zusammenhalt entsteht.“ Apropos Freibad, die Verwaltung hofft weiter auf eine Förderung aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum, spätestens im April weiß man mehr.

Eigenanteil von 3,5 Millionen

Als eines der wichtigsten Projekte für die Zukunft sieht Förderer das „Mammutprojekt“ Breitbandausbau mit einem Volumen von 9,8 Millionen Euro an. Der Eigenanteil liegt bei 3,5 Millionen Euro – das ist die größte Investition, die in der Geschichte der Stadt bisher getätigt wurde. Mit den Bauarbeiten soll im Mai begonnen werden.

Die „Piratenbucht“ kommt

Des Weiteren auf der Schrozberger Agenda 2018: Bauhoferweiterung, Mensa, Sanierungen der Blaufeldener Straße, Vorbachstraße und Nonnenwaldstraße, 242 neue Fenster fürs Schloss, Aufzug und Behindertentoilette fürs Rathaus, Entwicklung der Feuerwehr sowie Brückensanierungen im Wurzgarten und in Heuchlingen, Eltern-Kind-Nachmittag zur Begrüßung der Neugeborenen und ein Neubürgerempfang.

Im Gebiet Brühl-Nord wird gerade eifrig gebaut, von 26 Bauplätzen sind lediglich noch vier zu haben. Zudem entsteht in der Nähe demnächst ein großer Spielplatz, die „Piratenbucht“. Und wer eine Ganztagesbetreuung für Drei- bis Sechsjährige sucht, wird seit Anfang des Jahres im Kindergarten „Haus am See“ fündig.

Das war die Rede. Aber: „Das eigentlich Interessante sind die anregenden Gespräche miteinander“, sagt Jacqueline Förderer anschließend im Gespräch mit dem HT, und „das gesellschaftliche Zusammenkommen in ungezwungener Atmosphäre“. Sie hat viele Gespräche, das kann man sich gut vorstellen. Am Anfang seien diese erfahrungsgemäß immer etwas kürzer, doch der Abend sei ja schließlich lang. „Ich denke nicht, dass ich heute noch heimgehe“, sagt sie am Mittwochabend. Da war es kurz nach 20 Uhr.