Kommunen „Feindbilder sind nicht zielführend“

Einen Dorfladen mit Lebensmitteln und anderen Artikeln des täglichen Bedarfs, wie es ihn schon seit Jahren zum Beispiel auch in Gailenkirchen bei Schwäbisch Hall gibt (Bild), hat sich einen Bürgerinitiative in Wiesenbach auf die Fahne geschrieben.
Einen Dorfladen mit Lebensmitteln und anderen Artikeln des täglichen Bedarfs, wie es ihn schon seit Jahren zum Beispiel auch in Gailenkirchen bei Schwäbisch Hall gibt (Bild), hat sich einen Bürgerinitiative in Wiesenbach auf die Fahne geschrieben. © Foto: Maya Peters
Blaufelden / Harald Zigan 27.07.2018
Gemeinderat Blaufelden und Bürgermeisterin Weber bleiben bei ihrer Auffassung, dass der geplante Dorfladen in Wiesenbach von der Kommune in finanzieller Form nicht gefördert wer

In der Diskussion um den Dorfladen in Wiesenbach verschärft sich der Ton – und die Bürgerinitiative kann für ihr Projekt wohl endgültig die Hoffnung begraben, dass die Gemeinde Blaufelden ein acht Ar großes Grundstück beim neuen Dorfzentrum zu einem günstigen „Sonderpreis“ zur Verfügung stellt. Immerhin wird jetzt für das Areal ein Bebauungsplan aufgestellt und das Rathaus entwirft einen Vertrag für eine Erbbaupacht.

In einer persönlichen Erklärung ging Bürgermeisterin Petra Weber nicht nur auf die Bürgerfragestunde bei der Juni-Sitzung des Gemeinderates in Wiesenbach  ein, die viele Bürger entgegen den Regeln als Diskussionsrunde über den Dorfladen betrachtet hätten: „Es gab danach ein extremes Frustrationspotenzial und Vorwürfe gegen mich, die ich so nicht stehen lassen kann“, sagte die Rathaus-Chefin. Es sei nämlich „nicht zielführend, Feindbilder aufzubauen“. Stattdessen sollte „mit kühlem Kopf und ohne Emotionen“ über den Dorfladen diskutiert werden – am besten bei einer Versammlung in Wiesenbach, zu der sie gerne komme. Petra Weber versicherte, dass sie zu 100 Prozent auch hinter dem Teilort Wiesenbach und seinen Bürgern stehe und ihr eine gute Versorgung  ein großes Anliegen sei.

Für eine Förderung des Dorfladens in jedweder finanzieller Form fehle aber die rechtliche Voraussetzung. Diese Auffassung vertrete auch der Gemeindetag als kommunaler Dachverband, der in solchen Zuschüssen „unzweifelhaft eine Betätigung außer­halb der kommunalen Daseinsvorsorge“ sieht. „Und daran werden wir uns halten“, sagte Petra Weber.

Allerdings gibt es landauf landab zahlreiche Beispiele für Dorfläden, die von der jeweiligen Kommune gezielt unterstützt werden. Offenbar gab es hier von der Konkurrenz im Einzelhandel aber noch keine Klagen oder den Wunsch, ebenfalls in den Genuss von öffentlichen Mitteln für einen Wirtschaftsbetrieb zu kommen, wie Petra Weber befürchtet. Gemeinderat Hermann Kießecker bewertete ebenfalls die hitzige Debatte in der Juni-Sitzung. Das leidenschaftliche Plädoyer von Manfred Glemser für einen Dorfladen bezeichnete er als „verbale Entgleisungen“, für die sich Glemser entschuldigen solle.

„Keine Nahversorgung“

Der Wiesenbacher Ortsvorsteher und Gemeinderat sah aber keinen Grund dafür: „Ich war schon mehrfach gezwungen, im Gremium von einem Marktversagen in Wiesenbach zu berichten – ein Geschäft nach dem anderen schließt.“ Eine Nahversorgung mit Lebensmitteln sei in Wiesenbach schon längst nicht mehr vorhanden  – erst recht, wenn man eine Richtlinie zugrunde lege, wonach ein Geschäft möglichst in acht bis zehn Minuten zu Fuß erreichbar sein soll.

Manfred Glemser zitierte zudem Bundes- und Landesministerien, die Dorfläden eine wichtige Rolle bescheinigen. Und er gab zu bedenken, dass der Gemeinde durch eine frühere DSL-Initiative in Wiesenbach rund 150 000 Euro beim Breitband-Ausbau mit bereits vorhandenen Leerrohren erspart bleiben.

„Niemand missgönnt den Wiesenbachern einen Dorfladen“, sagte Gemeinderat Roland Sacher, der sich intensiv mit dem Konzept beschäftigt hat. Das Geschäft müsse sich dem Markt stellen – es sei aber nicht in Ordnung, wenn die Kommune in den Markt eingreife.

Allein vom Einkaufsverhalten der Bürger hänge letztlich ab, ob der Dorfladen in Wiesenbach ein Erfolg wird. „Für Gedeih oder Verderb des Dorfladens spielt es keine Rolle, ob die Gemeinde das Projekt mit 0, 20 000 oder auch 40 000 Euro fördert“, sagte Roland Sacher.

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