Jugendhilfe „Familien zu Hause stärken“

Familien können in Belastungssituationen kommen, beispielsweise wenn ein Elternteil durch Trennung alleinerziehend wird. Ein neues Jugendhilfeangebot im Landkreis Schwäbisch Hall setzt im Vorfeld einer Hilfe zur Erziehung an.
Familien können in Belastungssituationen kommen, beispielsweise wenn ein Elternteil durch Trennung alleinerziehend wird. Ein neues Jugendhilfeangebot im Landkreis Schwäbisch Hall setzt im Vorfeld einer Hilfe zur Erziehung an. © Foto: Peter Kneffel/dpa
Landkreis / Marcus Haas 08.12.2018

Es geht um Hilfe für Schulabbrecher, für Schüler mit häufigen Fehlzeiten und darum, „Familien zu Hause zu stärken“ – Ulrike Seip erläutert im Jugendhilfeausschuss ein neues Angebot für Familien in Überforderungs- oder Belastungssituationen. Die können beispielsweise durch die Geburt eines Kindes bei Alleinerziehenden, durch Unerfahrenheit, durch Mehrlingsgeburten oder Krankheit entstehen.

„Es ist ein Angebot für belastete Familien im Vorfeld einer Hilfe zur Erziehung und soll die Lücke zwischen Frühen Hilfen und der sozialpädagogischen Familienhilfe schließen“, macht die Fachbereichsleiterin Allgemeiner Sozialer Dienst im Jugendamt deutlich. Dadurch soll die „Verfestigung von Problemlagen“ vermieden werden, betont Seip den präventiven Charakter des Angebots. Ein weiterer Effekt soll sein, dass die Betreuungszeiten durch die sozialpädagogische Familienhilfe im Landkreis reduziert werden – es gebe trotz Aufstockung eine Warteliste von 16 Familien.

An wen richtet sich das neue Angebot? An Familien mit Kindern bis zum 14. Lebensjahr, die beispielsweise Bedarf an Beratung und Begleitung haben, in Belastungssituationen sind. In den Familien soll unter anderem eine Alltagsstruktur aufgebaut, familiäre Ressourcen erarbeitet, gestärkt und stabilisiert und bei sozialen sowie ökonomischen Rahmenbedingungen entlastet werden. „Familien sollen darin gestärkt werden, ihre Erziehungsverantwortung besser wahrnehmen zu können. Die Hilfe soll auch Wege aufzeigen, wie Konfliktsituationen in der Familie gewaltfrei gelöst werden können“, nennt Seip den rechtlichen Hintergrund, der in Paragraf 16 des Sozialgesetzbuches VIII geregelt ist.

Zwei Fachkräfte

Das Angebot wird an die Jugendhilfeträger Arbeiterwohlfahrt (Altkreis Hall) und Diakonie (Altkreis Crailsheim) angebunden, die sozialpädagogische Familienhilfe anbieten. Eltern können sich direkt bei den Trägern melden oder beispielsweise durch Beratungsstellen oder Anfragen über das Jugendamt vermittelt werden. Es dauert vier bis sechs Monate und in der Regel werde ein Hausbesuch mit zwei Stunden pro Woche von einer sozialpädagogischen Fachkraft des Trägers gemacht. Das Angebot starte 2019, brauche zwei volle Stellen, die an die Träger der sozialpädagogischen Familienhilfe angedockt werden. Kosten nach einer Kalkulation der genannten Träger: maximal 170 000 Euro pro Jahr.

Die Resonanz im Ausschuss ist positiv. „Es ist wichtig, dass diese Lücke geschlossen wird. Das Angebot kommt auch den Erziehungsberechtigten zugute, bevor sie vollends ausfallen und kann Selbstwertgefühl steigern“, sagt Kreisrat Siegfried Trittner (Freie). „Je verästelter die Hilfe, umso besser“, kommentiert Ulrike Römer (Grüne/ÖDP). „Bei der sozialpädagogischen Familienhilfe ist bereits etwas Schwerwiegenderes im Gange. Das neue Angebot setzt eine Stufe davor an. Wir müssen präventiv wirken“, sagt SPD-Kreisrat Rüdiger Schorpp. Jeder Euro sei da gut investiert, und es mache Sinn, das Angebot bei den Trägern Arbeiterwohlfahrt und Diakonie anzudocken. Diese seien gut vernetzt und hätten die fachliche Kenntnis sowie Erfahrung.

Amtsleiter Werny erläutert Eckdaten zum geplanten Jugendhilfehaushalt 2019

„Es wird in die Kinder, in die Zukunft des Landkreises, investiert“, macht Jugendamtsleiter Hartmut Werny zum Jugendhilfehaushalt im Ausschuss im Landratsamt deutlich. Er erläutert das geplante Zahlenwerk fürs Jahr 2019. Die Ausgaben betragen rund 33,6 Millionen Euro, denen stehen Ausgaben von rund 8,6 Millionen Euro gegenüber. Das ergibt unterm Strich einen Zuschussbedarf von rund 27 Millionen Euro. „Gegenüber dem Jahr 2018 bedeutet dies eine Steigerung um 7,5 Prozent“, sagt Amtsleiter Werny und nennt den Anstieg von rund 1,9 Millionen Euro.

Was sind wesentliche Gründe dafür? Ein großer Posten ist der Unterhaltsvorschuss. Den können Alleinerziehende beantragen, wenn der Ex-Partner nicht für sein Kind zahlen will oder kann. Dafür gibt es am Landratsamt eine Kasse – der Kreis geht in Vorleistung und versucht, das Geld wieder zurückzuholen. Das Unterhaltsvorschussgesetz wurde reformiert und seit dem 1. Juli 2017 gelten neue Regelungen, um die Situation der Alleinerziehenden zu verbessern. Unterhaltsvorschuss gab es davor maximal bis zum 12. Geburtstag des Kindes und die Höchstbezugsdauer lag bei 72 Monaten. Nun haben auch Kinder von 12 bis 17 Jahren Anspruch, wenn das Kind nicht auf Hartz IV angewiesen ist. Der Unterhaltsvorschuss beträgt beispielsweise für Kinder von 12 bis 17 Jahren monatlich 268 Euro. „Dadurch sind die Fallzahlen gestiegen“, macht Werny deutlich. Das bedeute, dass mehr Personal gebraucht werde, um die Fälle zu bearbeiten und sich die Leistungen erhöhen. In Zahlen: Die geplanten Ausgaben steigen von rund 942 000 Euro in 2018 auf rund 1,45 Millionen Euro im Jahr 2019. Als weitere Gründe für die Kostenentwicklung nennt er unter anderem eine Zunahme der Fallzahlen bei den Hilfen zur Erziehung und eine Zunahme der Kinder mit einer seelischen Behinderung. cus

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