Rosengarten / BETTINA LOBER Kroatien wird ab Montag Mitglied der EU. Für Zlatko Baumgärtner aus Westheim, Vorsitzender des Haller Vereins Croatia, ein Grund zum Feiern. Er ist Optimist und sieht in dem Beitritt vor allem Chancen.

Vielen Deutschen ist Kroatien mit seinen Küsten und Inseln vor allem als Urlaubsland ein Begriff. Dass dort vor gar nicht allzu langer Zeit Krieg herrschte, gerät zusehends in Vergessenheit. Und das, obwohl dessen Deutung noch immer die politische Diskussion im Land prägt. In die Zeit des Krieges fällt auch die Entstehung des Haller Vereins Croatia im Jahr 1991 - "wir haben uns damals mit humanitärer Ausrichtung gegründet", erklärt Zlatko Baumgärtner aus Westheim. Eng wurde mit Organisationen wie Caritas und dem Roten Kreuz zusammengearbeitet. Der 55-Jährige ist von Anfang an dabei und seit 2007 Vorsitzender des Kulturvereins.

Man pflegt Bräuche und Kultur, der Verein Croatia ist stets beim Haller Freundschaftstag mit von der Partie, und das Fußballteam des Vereins beteiligt sich gerne an diversen Gerümpelturnieren. Zwischen 40 und 50 Mitglieder hat der Verein, freitags und samstags trifft man sich abends gerne in den Räumen in Hall, Am Schuppach. Und am Sonntagvormittag wird auf dem Fußballplatz gekickt: "Eine total bunt gemischte Truppe, vom 12- bis zum 71-Jährigen, das ist toll", erzählt Baumgärtner. Man spürt genau, darauf ist er durchaus stolz.

Als Elfjähriger kam Baumgärtner mit seinen Eltern nach Deutschland. Er wuchs in Ingelfingen auf, ging in Künzelsau zur Schule, machte eine Ausbildung, absolvierte seinen Wehrdienst bei der früheren jugoslawischen Armee. Zurück in Deutschland wurde er in Westheim sesshaft, gründete eine Familie und arbeitet bei BEW Umformtechnik. Inzwischen hat er eine neue Lebenspartnerin, Baumgärtners Kinder sind erwachsen, 30 und 27 Jahre alt, "und im vergangenen Jahr bin ich Großvater geworden". So wie er selbst mit zwei Sprachen aufwuchs, haben auch seine Kinder kroatisch gelernt. Dass die kleine Enkeltochter auch bereits auf das kroatische Worte reagiert, freut ihn sehr. "Jede Sprache ist ein Zugewinn", das habe schon sein Vater gesagt. Und es sei wichtig, sich der Wurzeln bewusst zu sein.

Drei- bis viermal im Jahr fährt Zlatko Baumgärtner in die alte Heimatstadt nach Poega in der Region Slawonien. Er pflegt den Kontakt zu alten Schulfreunden, grillt oder angelt mit ihnen. "Kroatien ist ein wunderschönes Land, die Gastfreundschaft ist riesig", sagt der Westheimer. Und die Freude über den EU-Beitritt sei vor Ort enorm.

Freilich wisse er auch um viele Bedenken und Fragen. Manche Menschen hätten vielleicht Angst, dass die erkämpfte Unabhängigkeit nun wieder aufgegeben werde. Die Korruption sei ein schlimmes Problem, doch die kroatische Regierung mache ihre Hausaufgaben, habe bereits viele mächtige Verdächtige vor Gericht gestellt. Auch hinsichtlich der Aufarbeitung der jüngsten Vergangenheit sei die EU für das Land sehr wichtig. Mit Verschuldung und Arbeitslosigkeit haben viele Staaten zu kämpfen. "Aber es geht voran", sagt Baumgärtner, und die Anstrengungen Kroatiens würden mit dem Beitritt auch honoriert. "Es war ein schwieriger Weg", und die Zukunft berge viele Herausforderungen. Doch Kroatien habe viele Möglichkeiten. Mit dem EU-Beitritt "geht eine große Tür auf", sagt Baumgärtner, der von einem Europa ganz ohne Grenzen träumt: "Ich bin schon immer Optimist." Das hat ihm auch beim Verein Croatia in Hall schon sehr geholfen: Vor vier Jahren wurden die eben renovierten Räume des Vereins bei einem Brand im Haus am Schuppach zerstört. "Ein schlimmer Tiefpunkt", erzählt Baumgärtner. Doch die Vereinsmitglieder ließen sich nicht entmutigen und packten an: "Das hat uns auch zusammengeschweißt", sagt Baumgärtner. Und wie er das sagt, wird klar, diese Haltung wünscht er sich auch für Kroatien und für Europa.