Bartenstein/Ingolstadt "Die Hand des Hutmachers"

Bartenstein/Ingolstadt / PM 07.03.2014
Im Deutschen Medizinhistorischen Museum Ingolstadt läuft die Ausstellung "Die Hand des Hutmachers". Ein Teil beschäftigt sich mit Jakob Hüfner aus Bartenstein, Uhrmacher, Feinmechaniker und Erfinder.

Am Ende des Ersten Weltkrieges entwickelte Hüfner eine mechanische Ersatzhand, die Hüfner-Hand. Damit konnten armamputierte Kriegsteilnehmer über einen Mechanismus ihre Muskelbewegungen auf Daumen und Zeigefinger übertragen. Die Hand konnte aktiv geöffnet und geschlossen werden. 1920 meldete Hüfner seine Erfindung beim Reichspatentamt an. Später verbesserte er die Mechanik. Damit erzielte er eine größere Stabilität und Belastbarkeit. So half Hüfners Erfindung nach 1945 rund 50 000 armamputierten Männern, sich wieder im Berufsleben zurechtzufinden.

Für die Ausstellung erstellte das Klinikum Ingolstadt eine Computertomografie der Prothese. So konnte der komplizierte Mechanismus seiner Erfindung sichtbar gemacht werden. Der Tüftler Jakob Hüfner wohnte und arbeitete von 1930 bis zu seinem Tod 1968 in Bartenstein. 1945 zeigte er große Zivilcourage, als er die kampflose Übergabe des Ortes an die Alliierten in die Wege leitete. Dafür wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen. Hochbetagt starb er mit 94 Jahren. Sein Grabstein im Ortsfriedhof wird von der Gemeinde gepflegt. Eine Straße in Bartenstein trägt seinen Namen.

Anlass der Ausstellung war die Schenkung des Kunstarms eines Hutmachers vom Tegernsee an das Deutsche Medizinhistorische Museum in Ingolstadt. Der Handwerker verlor 1941 seinen linken Unterarm. In München erhielt er einen Sauerbruch-Ersatzarm. Nach chirurgischer Spezialvorbereitung wurden künstlicher Unterarm und mechanische Hand miteinander verbunden. Mit viel Übung und individuellen Veränderungen konnte der Hutmacher so bis zu seinem Tod im Jahr 2007 weitgehend ohne Beeinträchtigung am Alltagsleben teilnehmen und seinen Beruf ausüben.

Professor Dr. Sauerbruch nahm als Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg zahllose Amputationen vor. Er erkannte, wie wichtig es für die Geschädigten wäre, eine willkürlich zu bewegende künstliche Hand als Prothese zu erhalten. Er entwickelte chirurgische Lösungen für die Kraftübertragung von Muskeln auf die Mechanik einer Holzhand. Doch eine künstliche Hand, die nach anatomisch-funktionellen Gesichtspunkten benutzt werden konnte, musste noch erfunden werden. Hier kam Hüfners Hand ins Spiel.

Die Direktorin des Museums, Prof. Dr. Marion Maria Ruisinger, hielt den Einführungsvortrag. Sie hob hervor, wie die Weiterentwicklung von Chirurgie und Technik zu einer gut funktionierenden Ersatzhand führte. So wurde das Leid von Tausenden Kriegsversehrten wesentlich gemildert. Die Tochter des bayrischen Hutmachers vom Tegernsee, der fast 60 Jahre seines Lebens mit einem "Sauerbrucharm mit Hüfner-Hand" arbeitete, erzählte lebhaft aus dem Leben ihres verstorbenen Vaters. Sie schilderte, wie geschickt ihr kriegsinvalider Vater mit der Kunsthand Alltag und Beruf bewältigte.

Die Sonderausstellung zeigt, wie geschickt ein Kriegsversehrter mit der Hüfner-Hand seiner komplizierten handwerklichen Tätigkeit als Hutmacher nachging. An der gut besuchten Ausstellungseröffnung nahmen auch Gäste aus Bartenstein teil. Regionale Presse, Rundfunk und das Fernsehen informierten mit Interviews und Berichten ausführlich über die sehenswerte Ausstellung. Sie ist noch bis 15. Juni im Deutschen Medizinhistorischen Museum Ingolstadt zu sehen.

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