Schrozberg „Der natürliche Trieb bleibt erhalten“

Schrozberg / Johannes Ihle 15.06.2018

Die Nutztierhaltung wird für viele Verbraucher in Deutschland immer wichtiger. Sie legen immer stärkeren Wert auf regionale Produkte und achten darauf, wie die Tiere aufwachsen. Die Familie Baureis aus Schrozberg-­Standorf hat daraus die Konsequenzen gezogen, einen neuen Weg eingeschlagen und sich für den Bau eines Strohmaststalls für Schweine entschieden.

Mit einem Hoffest wird der Stall am Sonntag, 17. Juni, von 9 Uhr an eingeweiht. Bis 17 Uhr können Besucher den Stall anschauen und sich über die besondere Tierhaltung informieren. Handelspartner sowie am Neubau beteiligte Firmen präsentieren sich zudem mit Infoständen. Die Bewirtung übernimmt die Feuerwehr Leuzendorf, die Gemeinschaftsschule Rot am See kümmert sich mit der Familie um das Kuchenbuffet. Und auch ein Programm für Kinder gibt es.

Mehr Platz und besserer Schlaf

Der Stall ist in zehn Buchten unterteilt, für die es jeweils drei Klimazonen gibt: ein Abteil zum Liegen, ein weiteres zum Fressen mehr im Inneren des Stalls und – wenn es das Wetter zulässt – einen Auslauf unter freiem Himmel. „Wenn es mehr als 25 Grad hat, läuft in einem Stallteil Wasser ein, in dem sich die Schweine suhlen können“, erklärt Peter Baureis, Vater der Familie.

Auf dem Betonboden des Stalls ist überall Stroh verteilt. „Dadurch können die Schweine besser liegen, sich bewegen und schlafen“, begründet Baureis die Entscheidung für einen Strohmaststall. „Der natürliche Trieb der Tiere bleibt erhalten.“ Ein Stroheinstreuroboter sorgt regelmäßig für frisches Stroh in den Buchten. Bis zu 1000 Ballen Stroh im Jahr, die in einer Halle neben dem Stall gelagert werden, sind zunächst geplant. „Die genauen Mengen können wir noch nicht sagen, weil es noch keine Erfahrungswerte gibt“, sagt Baureis.

Auch Spielsachen, die von der Decke hängen und regelmäßig gewechselt werden, werden den Schweinen angeboten. „Die Tiere haben doppelt so viel Platz wie in einem normalen Stall“, sagt Baureis. Mehr als zwei Quadratmeter pro Tier stehen ihnen zur Verfügung. Durch die guten Be-
dingungen sei das Kupieren, also das Abschneiden des Schwanzes, nicht nötig, so der Landwirt.

Aktuell hält die Familie Baureis, zu der neben Vater Peter auch Mutter Tanja, die Kinder Lena, Nadine, Tobias und Nils sowie die Großeltern Irmgard und Wilfried gehören, rund 150 Schweine im neuen Stall. Noch ist der Bau nicht komplett abgeschlossen, erst einen Bereich haben die Schweine bezogen. Acht Wochen wird es noch dauern, bis alles fertig ist, dann werden künftig bis zu 1500 Schweine im Stall leben. „Das hört sich vielleicht viel an, aber in Norddeutschland fangen die Ställe bei 3000 Schweinen an“, weiß Peter Baureis.

EU, Bund und Land fördern

Ende 2015 hat sich der Betrieb mit rund 250 Muttersauen entschieden, einen Maststall mit Außenbereich zu bauen, in dem ein Großteil der Ferkel gemästet werden soll. Allein konnte die Familie das Projekt nicht stemmen. Zusammen mit einer Gruppe von Schweinehaltern aus Baden-­Württemberg wurde 2016 eine Interessengemeinschaft zur Fort­entwicklung des tier- und umweltgerechten Bauens gegründet. Gefördert wird der Bau mit all seinen Innovationen von der EU, dem Bund und dem Land Baden-Württemberg.

Wer am Sonntag keine Zeit hat, das Hoffest zu besuchen, kann mit der Familie in Kontakt treten und sich zu einem anderen Zeitpunkt vor Ort ein Bild machen. Beim Blick über den ganzen Stall aus dem balkonartigen Besucherraum informiert die Familie Baureis über die Haltung und zeigt den Besuchern, wie ihre Schweine leben. Und: Eine Kooperation mit Schulen ist ebenfalls geplant.

Info Das Hoffest läuft in Kooperation mit dem Landwirtschaftsamt Ilshofen im Zuge der „Gläsernen Produktion“. ­
Die „Gläserne Produktion“ ist eine Aktion des Landes, die besonderen Wert auf die Nachhaltigkeit der heimischen Landwirtschaft und der Ernährungswissenschaft legt.

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