Kreis Hall „Der Landkreis ist eine Traumfabrik“

Der Hangar in Crailsheim bewährt sich als Veranstaltungsort, Vertreter aus Wirtschaft und Politik treffen hier aufeinander. 
Der Hangar in Crailsheim bewährt sich als Veranstaltungsort, Vertreter aus Wirtschaft und Politik treffen hier aufeinander.  © Foto: Birgit Trinkle
Kreis Hall / Von Birgit Trinkle 18.05.2018
Der 20. Empfang der Wirtschaft zeigte einmal mehr den wirtschaftlichen Ideenreichtum des Kreises auf.

Darf ich ihn mal anfassen?“ Da ist ein Jongleur, der mit viel LED-Licht Feuerschwingen und Kaleidoskope an die Wand malt. Da ist einer, der Fortschritt erklärt in einer Welt, die sich rasend schnell verändert: Was aber bleibt vom Empfang der Wirtschaft, ist die Freude, die gestandene Männer und Frauen daran haben, mit dem Oscarpreisträger Gerd Nefzer samt seiner legendären Trophäe zu posieren. Dann die Medienpreise, die heuer mehr denn je mit wahr werdenden Träumen zu tun haben. Und das Traumfabrik-Bild des Landrats, das eine Region zeichnet, in der zu leben sich lohnt.

Landrat Gerhard Bauer war anzumerken, wie gern er sich von internationalen Wirrungen ab- und seinem Landkreis zuwandte. Dieser sei seine Traumfabrik, in der Träume wie die des Unternehmers Siegfried Bullinger, des Tüftlers Nefzer und des Energie-Pioniers Alexander Schechner Realität werden.

Als Filmemacher nannte Bauer die Unternehmer und Führungskräfte; qualifizierte Mitarbeiter und Ehrenamtliche stellten die Crew. Statt der Produzenten gebe es Sparkasse und VR-Banken, die ihr Geld in der Region arbeiten ließen. Und das Wichtigste: „Statisten gibt es nicht; bei uns packen alle nach ihren Möglichkeiten mit an.“ In seiner Liebeserklärung an den Landkreis zählte Bauer all die Dinge auf, mit denen ganz bewusst geworben werden müsse, um die dringend benötigten Fachkräfte mit ihren Familien zu gewinnen.

Besser als Hollywood

Hinter jedem verwirklichten Traum steckt harte Arbeit und so manches Problem, das gelöst sein will. Das Diakonie-Klinikum in Hall und das Landkreisklinikum Crailsheim wurden von Bauer in ihren Stärken, aber auch in der Absurdität ihrer Finanzierungsprobleme vorgestellt. Dass das Land seine Traumfabrik beim Thema Studienplätze versauern lasse, war ebenso Thema wie die Landesstraßen und die Notwendigkeit des schnellen Internets.

Die Produktionsbedingungen für Träume sind hier freilich insgesamt erstklassig; das zeigen die Konjunktur, die besser kaum sein könnte, die Preisträger der Medienpreise und die beim Empfang versammelten Unternehmen, die in so vielen Fällen Vorträumer-, Vordenker- und Vorreiterrollen übernehmen.

Wenn er das mit dem Oscar-Film gewusst hätte, scherzte der Referent des Abends, hätte er zumindest seinen realtiv unspektakulären Film zur „Smart Factory“ nicht mitgebracht. Thomas Schneider, Geschäftsführer Entwicklung für den Bereich Werkzeugmaschinen der Firma Trumpf, stellte das „Familienunternehmen“ mit knapp 12.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz in Höhe von rund 3,1 Milliarden Euro vor, das es vor allem aus einem Grund in zwei Geschäftsbereichen zum Technologieführer gebracht habe: Bereitschaft zur Innovation, die immer schneller bereitgestellt werden müsse. In seinem Vortrag ging es ihm darum zu erklären, wie sich die Welt derzeit verändert.

Um auf 50 Millionen Benutzer  zu kommen, hat das Telefon 75 Jahre gebraucht; beim Internet waren es 13 Jahre, Whatsapp war nach zweieinhalb Jahren so weit, das knallbunte, buchstäblich zuckersüße Spiel Candy Crush brauchte gerade mal 35 Tage.  Innovationen setzen sich immer schneller durch auf dem Markt. Das Smartphone ist längst so allgegenwärtig, dass den wenigsten bewusst ist, wie sehr es den Alltag der Menschen bestimmt.  „Früher haben wir vier, fünf Jahre entwickelt und gingen dann auf Messen; heute wird, nicht zuletzt im Landkreis Schwäbisch Hall, zum Teil direkt bei den Kunden mit Prototypen gearbeitet.“

Direkt in die Zukunft

Für die Industrie gab es vier große Sprünge: Dampfkraft, Elektrifizierung, Automatisierung und jetzt die „Industrie 4.0“ – so nennt Schneider die digitale Vernetzung, deren Grundlagen er für die so zahlreich vertretenen Fachleute im Publikum erläuterte. Die Blechbearbeitung seiner Firma verändert sich ständig; die Komplexität der Fertigung steigt, der Konkurrenzdruck, insbesondere durch China und die USA, sowieso. Sicherlich interessant für Hohenlohes Wirtschaft: Trumpf hat das Einsparpotenzial in verschiedenen Bereichen ermittelt: Bis zu 75 Prozent ließen sich mitunter in der Planung und Verwaltung einsparen, indem etwa ein Angebot automatisch erstellt und der Versand automatisch abgewickelt werde.

Und nicht nur die Produktion  selbst ist entscheidend: auch die Infrastruktur – wenn diese nicht wie benötigt bereitgestellt werde, sei das ein signifikanter Wettbewerbsnachteil –, oder gute Konzepte für lebenslanges Lernen etwa durch Online-Kurse. 10.000 Aufzüge pro Jahr bauen oder 30 Öfen täglich vom Band laufen lassen? Im Einzelnen führte Schneider aus, wie Kundenwünsche Schritt für Schritt mithilfe von Servicemitarbeitern  umgesetzt werden, die immer mehr zu Beratern und Begleitern der Kunden werden. Die automatisierte, vernetzte Smart Factory  ist Schneiders Traum, an dessen Verwirklichung er tagtäglich arbeitet.

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