Obersontheim / Sonja Alexa Schmitz

Vor der Start- und Ziellinie stehen vier Rennautos. Die Ampel zeigt viermal ein rotes Ampelpärchen. Spätestens beim dritten Mal klopft das Fahrerherz. Wenn die roten Lichterpaare ausgehen, wird gestartet. Der Zeigefinger am Gaspedal. Nur darauf kommt es bei diesem Rennen an.

„Der Finger macht einen guten Fahrer aus“, sagt Jürgen Abel. Der Mann aus Ilshofen hat vor elf Jahren einige Rennbahnfahrer zusammengetrommelt. Er hatte, wie viele andere Jungs, eine Carrera-­Bahn. Und wenn man dann erwachsen wird, holt einen der Spaß daran wieder ein. Jörg Bornhäuser zum Beispiel hat eine
Carrera-Bahn von seiner Frau geschenkt bekommen.

Abel hat über ein Forum Gleichgesinnte gefunden, die sich im Speicher einer Wirtschaft in Geifertshofen eine Bahn aufgebaut haben. „Im Winter war der wärmste Ort darin der Kühlschrank“, erzählt er. Seit 2010 sind sie zur Miete im Erdgeschoss einer ehemaligen Wirtschaft in Oberfischach. Und genau hierhin kamen am vergangenen Wochenende zwölf Teams, um gegeneinander anzutreten. Man kennt sich, man mag sich, man plaudert – nicht nur über das Hobby.

Noch kein echtes Heimspiel

Am Freitagabend trainieren sie. Die Fahrer von außerhalb dürfen sich auf die fremde Bahn einstellen. Auch für die Hiesigen ist die Strecke noch kein echtes Heimspiel. Die Holzbahn haben die Clubmitglieder erst kürzlich gebaut. Zuvor fuhren sie auf einer Carrera-Bahn aus Plastik.

Die Teams kommen beispielsweise aus Heilbronn, Abstatt und Westhausen, aber auch aus Österreich und der Schweiz. Sie besuchen sich reihum zu Wettrennen, alle selbst organisiert, ohne Verband. Slotducks nennen sich die Oberfischacher. Slot ist der Schlitz in der Rennbahn, in dem die Autos über die Strecke geführt werden. Ducks sind eben Enten – aber wohl keine lahmen.

Immer vier Fahrer stehen auf dem Podest, den pistolenartigen Griff in der Hand, den Blick konzentriert auf ihrem Fahrzeug. 15 Minuten, so lange dauert ein Rennen, folgen sie den schnellen Kreisen, die das Miniatur-Renn­auto zieht. Irgendwann, wenn die Konzentration hoch ist, gehen ihre Körper bei den Bewegungen mit, wie ein Skifahrer legen sie sich in die Kurven. Auf einem Monitor verfolgen die anderen die Zeit jedes Fahrers.

Die Slotducks vermieten ihre Bahn auch für Kindergeburtstage und Firmenevents. Und wer seine Kindheitserinnerungen aufleben lassen will, darf gerne freitags ab 19 Uhr vorbeischauen. Mit dem Gaspedal in der Hand geht die Reise zurück in Kindertage los, begleitet von metallischem Summen.