Brettheim "Den ganzen Hass abgeladen"

Brettheim / HARALD ZIGAN 05.05.2012
Ein Zeitzeuge ersten Ranges kommt am Dienstag, 8. Mai, um 18 Uhr nach Brettheim: Zum 20-jährigen Bestehen der Erinnerungsstätte hält Berthold Schenk Graf von Stauffenberg einen Vortrag in der Festhalle.

Drei Männer aus Brettheim bezahlten am Kriegsende ihren Mut mit dem Leben: Der Bauer Friedrich Hanselmann hatte "Hitler-Jungen" entwaffnet, Bürgermeister Leonhard Gackstatter und der Lehrer und NSDAP-Ortsgruppenleiter Leonhard Wolfmeyer verweigerten die Unterschrift unter das Todesurteil. Die drei Männer wurden am 10. April 1945 an den Linden vor dem Brettheimer Friedhof erhängt.

Seit 20 Jahren dokumentiert eine Erinnerungsstätte im Brettheimer Rathaus das Schicksal dieser Männer und des zerstörten Dorfes, wo noch weitere 18 Menschen starben. Rund 45 000 Besucher zählte die Erinnerungsstätte in den letzten 20 Jahren.

Wäre es nach Heinrich Himmler gegangen, hätte auch Berthold Schenk Graf von Stauffenberg das "Dritte Reich" nicht überlebt: Nach dem gescheiterten Bomben-Attentat seines Vaters Claus am 20. Juli 1944 im "Führerhauptquartier Wolfsschanze" wollte der SS-Chef die gesamte Familie Stauffenberg auslöschen - darunter die Ehefrau Nina und ihre fünf Kinder.

Die NS-Führung rückte aber von ihren blutigen Racheplänen wieder ab - und verhängte dafür die "Sippenhaft": Der damals zehnjährige Stauffenberg-Sohn Berthold wurde von seiner Mutter Nina getrennt, am 17. August 1944 mitsamt seinen Geschwistern von der Gestapo in ein Kinderheim nach Bad Sachsa im Harz verschleppt, dort unter dem Namen "Meister" registriert und strikt von der Außenwelt isoliert: "Wir hatten keine Schule, keine Kirche, kein Radio und keine Zeitung", wie Stauffenberg das Leben in dem Kinderheim beschreibt.

Erst im Juni 1945 kamen die Stauffenberg-Kinder zurück ins Schloss Lautlingen auf der Schwäbischen Alb, dem Stammsitz der Familie und sahen ihre Mutter wieder, die im KZ Ravensbrück inhaftiert war.

Bei seinem Vortrag in der Brettheimer Festhalle wird der älteste Sohn des Hitler-Attentäters auch über seine Erfahrungen berichten, wie es sich anfühlte, über Nacht als "Verräterkind" zu gelten.

In einem Interview mit dem WDR aus dem Jahr 2004 beschrieb es Berthold von Stauffenberg so: "In den Zeitungen wurde der ganze Hass auf die Feinde des Volkes abgeladen: Das war mit das Schlimmste, sich plötzlich als Paria, als Ausgestoßener zu fühlen".