Landkreis "Das Sterben gehört zum Leben dazu"

In vielen Kirchen werden am Aschermittwoch Aschenkreuze auf die Stirn der Gläubigen gezeichnet - als Symbol der Vergänglichkeit. Foto: Jens Schulze/epd
In vielen Kirchen werden am Aschermittwoch Aschenkreuze auf die Stirn der Gläubigen gezeichnet - als Symbol der Vergänglichkeit. Foto: Jens Schulze/epd
HT 05.03.2014
Gedanken zum Aschermittwoch von Gemeindereferent Frank Schien, Seelsorgeeinheit Oberes Bühlertal.

Die fünfte Jahreszeit ist zu Ende. In den letzten Tagen hörte man überall ein fröhliches "Helau - Narri - Awa" und andere Narrenrufe. Menschen liefen verkleidet herum, viele erkannte man nicht, so gut war ihre Verkleidung. Musik tönte in allen Arten und Lautstärken. Anderssein, sich austoben, ausgelassen feiern, herzhaft lachen können und vieles mehr war an der Tagesordnung.

Eine schöne Zeit, finde ich. Gut, ich bin mit der oberschwäbischen Fasnet (anders für "Fasching") aufgewachsen. Meinen ersten Umzug erlebte ich im Kinderwagen. Der Fasching gehört für mich zum Leben dazu.

Heute beginnt mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit. Haben Sie sich schon Gedanken gemacht wie Sie die Fastenzeit gestalten wollen?

Auf diese Frage gibt es drei Möglichkeiten zu antworten:

- Ja, hab ich!

- Nein, wozu auch!? Die Fastenzeit ist doch überholt, altmodisch und einfach out.

- Bis jetzt noch nicht, aber das möchte ich unbedingt noch tun!

Alle drei Antworten kann ich nachvollziehen. Das "Ja", weil es einem wichtig ist, weil man sich bewusst auf das bevorstehende Osterfest vorbereiten möchte.

Aber auch das "Nein". Viele von uns können mit dem Begriff des Fastens nichts anfangen. Manche feiern Ostern vielleicht auch nicht allzu bewusst, da stehen die Geschenke im Mittelpunkt und nicht die Botschaft. Weshalb soll man sich darauf dann auch vorbereiten? Ein Einkauf genügt, fertig!

Zu den "Noch nicht"-Menschen muss ich mich in diesem Jahr zählen. Ideen gibt es genügend, manche sind schon ziemlich konkret, aber irgendwie bin ich noch nicht ganz zufrieden damit.

Für mich ist die Fastenzeit etwas Besonderes. Ich möchte sie als Vorbereitung auf Ostern nutzen. Heute, an Aschermittwoch, bekommen wir im Gottesdienst das Aschenkreuz auf die Stirn, als Zeichen dafür, dass wir vergänglich sind. "Wir sind nur Gast auf Erden" so heißt eines unserer Kirchenlieder. Und Gast zu sein heißt, dass wir irgendwann auch wieder gehen müssen, dass wir sterben werden. Dieser Gedanke wird aber gerne beiseitegeschoben. Vom Sterben wollen die meisten nichts wissen. Und plötzlich ist er da, der Tod. Ganz unerwartet und er trifft uns mit voller Wucht. Doch das Sterben gehört zum Leben dazu. Und das ist die Botschaft von Ostern. Das Leben ist nicht das Ende, sondern ein Neubeginn, es ist der Beginn eines neuen Lebens.

Es lohnt sich die Fastenzeit bewusst zu leben. Zum einen um in sich hineinzuschauen und sich zu fragen, was ist mir wichtig im Leben? Auf was kann ich auch ganz oder für eine bestimmt Zeit verzichten? Was tut mir gut? Und zum anderen um das Thema Sterben in den Blick zu nehmen.

Beides gehört auch irgendwie zusammen, finde ich: Wie kann ich mein Leben gestalten, damit ich mit mir und meiner Umwelt zufrieden und glücklich bin?