Bringen Sie Gummistiefel mit“ – bis vor ein paar Tagen war das ein guter Rat. Wochenlang war die ­Baustelle am Ortsende Wallhausens in Richtung Rot am See zum einen von einem Säulenwald geprägt, zum anderen nach Schneeschmelze, Regenfällen und dem Einsatz schwerer Maschinen ein einziges Matschloch. Mittlerweile ist der Boden bereitet, buchstäblich, für den Hochbau. Noch in dieser Woche rücken die Kräne an, spätestens in der kommenden Woche geht’s richtig los mit den Wänden und mit dem Dach. Im Herbst, rund ein Jahr nach dem Baubeginn im September, soll ein Getränkemarkt stehen.

Seit Wochen sehen alle, die auf der Bundesstraße 290 unterwegs sind, die über 40 eingespannten Stahlstützen, die erahnen lassen, in welchen Dimensionen das Neubauprojekt der Firmen Ley Getränke und Eico-Quelle „auf der grünen Wiese“ gebaut wird.

In einer eigens für diesen Zweck gegründeten GbR wollen Ley und Eico das 1,5-Millionen-­Euro-Projekt gemeinsam stemmen. Im Januar 2017 genehmigte der Gemeinderat den Entwurf des Bebauungsplans. Die Gemeinde Wallhausen hat, laut Kämmerer Jürgen Rosenäcker, die Erschließung gesichert, Wasser und Abwasserentsorgung bereitgestellt, eben ihre Hausaufgaben erledigt. Der Ausbau des Feldweges, über den der Markt erschlossen wird, steht noch an.

Michael Ley, Geschäftsführer der Firma Ley Getränke, hätte das Vorhaben wohl auch alleine gestemmt. Er sieht keine Alternative: Der Standort in der Blaufelder Straße ist längst zu klein. Inklusive Lager stehen dort noch nicht einmal 600 Quadratmeter zur Verfügung. Ley: „So lässt sich nicht effizient arbeiten.“

Der 41-Jährige ist viel zu jung, um sich mit Ungenügendem zu begnügen. Und insgeheim hofft er wohl auch, dass mit seinen fünfjährigen Zwillingen eine sechste Generation heranwächst, die sich im Familienunternehmen einbringt. Im neuen Markt sind insgesamt 1600 Quadratmeter überbaut; etwa die Hälfte wird als Verkaufsfläche dienen. Das bietet ganz andere Möglichkeiten, auch für die Zukunft. Neben der entscheidend vergrößerten Lager- und Kommissionierfläche lässt sich dann auch das Angebot erweitern. „Bei den Getränken rund 50 Prozent mehr Sorten“, stellt Ley in Aussicht. Wer sich auf eine bestimmte Marke festgelegt hat, soll nicht vergeblich anfragen.

Der neue Markt braucht viele Kunden. Für Ley, der sich nach seiner Ausbildung bei Leiberich als stellvertretender Edeka-Marktleiter die Sporen verdient und jede Menge Ideen für seinen Getränkemarkt entwickelt hat, stand sehr schnell fest, dass er bei einem weiterhin bestehenden Eico-Verkauf in Wallhausen auf Konkurrenzprodukte setzen müsste. Ein gemeinsames Projekt hingegen bietet in jeder Beziehung Vorteile, angefangen beim vielfach geforderten kurzen Weg vom Produktionsort zum Verkauf.

Ein möglichst großes Angebot

Die Familie Einsiedel sieht das genauso. „Wir schaffen mit Hochdruck am Neubau, freuen uns sehr darauf, und wenn die Witterung es zulässt, arbeiten wir in jeder freien Minute daran“, sagt Wilhelm Einsiedel, der als Geschäftsführer für die Firma Eico-Quelle spricht. In der Hengstfelder Straße wird es keinen Einzelverkauf mehr geben. Eico-Quelle wird sich dort auf Großhandel und Verteilung konzentrieren, so wie die Leys in der Blaufelder Straße ihre Brennerei weiterführen. Im neuen Markt finden sich dann die Filiale der Deutschen Post und der Hermes-Paketshop. Das bisherige Angebot wird erweitert – neben Spätzle, Süßigkeiten und Dosenwurst sind Eier und Kartoffeln angedacht. Außerdem wird derzeit überlegt, ob und wie ein Back-Shop mit Kaffeeausschank oder ein Direktvermarkter integriert werden kann. „Je mehr wir bieten, desto mehr werden alle davon profitieren“, ist die Investorengemeinschaft überzeugt.

Nicht auf Sand gebaut

Jetzt muss erst einmal gebaut werden. Vier Jahre von der ersten Idee bis zu Fertigstellung, überschlagen die beiden Wallhausener. Zunächst mussten sie vor allem Geduld aufbringen: Es kostet Zeit und Nerven, bis ein neuer Bebauungsplan aufgestellt ist und alle Behördeneinwände berücksichtigt sind. Die Planungshindernisse sind nunmehr allesamt überwunden. Der Boden ist bereitet.