Die sprichwörtliche Abrissbirne, die dem alten Krankenhaus bald ein Ende setzen wird, lauert zwar schon. Doch bevor sie zum Einsatz kommt, gab es jetzt noch einmal ein neues Türschild. Denn in dem Gebäude an der Haller Straße firmierte bis vor einigen Tagen die LWV-Eingliederungshilfe mit ihrem Heim für Senioren mit Behinderung. Jetzt hat sich der Sozialträger einen neuen Namen gegeben. „Habila“ heißt er fortan, wovon auch das neue Schild am Eingang kündet.

Sonst ist freilich alles beim Alten geblieben – und auch nach dem Umbau wird sich vom Prinzip her nichts geändert haben: 38 Betten vorher und nachher, und die gleichen Senioren werden von den gleichen Menschen umsorgt. Wohlgemerkt: Nur das Gebäude vorne an der Straße kommt weg, der neuere Anbau, der stadtauswärts etwas zurückgesetzt liegt, bleibt bestehen. Der Abriss ist nötig, weil auch in diesem Heim­
­die Landesheimbauverordnung greift, die für Seniorenheime nur noch Einzelzimmer vorsieht und Gruppen, die nicht größer als 15 Personen sind. Diese Anforderungen sind mit dem alten Gebäude nicht zu realisieren.

Der Standort des neuen Gebäudes ist ziemlich genau der Standort des alten, in dem die Habila seit zehn Jahren Senioren mit Behinderung betreut. Der Träger mietet das Gebäude – das alte wie das neue – vom Landkreis, der beim Neubau auch der Bauträger sein wird.

Abriss für Frühjahr geplant

Der Baubeginn – beziehungsweise zuerst der Abriss – ist für Frühjahr 2019 geplant. Gebaut wird, wenn man so will, am offenen Herzen, also während das Heim voll im Betrieb ist. „Das wird funktionieren, wir haben da einen ganz guten Plan gemacht“, sagt der Ilshofener Heimleiter Martin Quosbarth-Ufer. Ende 2020 soll dann alles fertig sein. „Die Bewohner haben dann mehr Platz und die Betreuungsqualität wird steigen. Das ist für alle Beteiligten besser“, sagt Thomas Knies vom Rabenhof Ellwangen, in dem er den Bereich „Wohnen und soziale Dienste“ leitet.

Doch Fachkräftemangel kennt die Habila natürlich auch. „Wir versuchen deshalb, die Arbeitsplätze so attraktiv wie möglich zu machen“, erklärt Habila-Geschäftsführer Joachim Kiefer. Das fange beim betrieblichen Gesundheitswesen an und höre bei einer persönlichen Beratungs-Hotline, die buchstäblich immer zu erreichen ist, nicht auf.

Die Habila ist gerne in Ilshofen und will auch langfristig in der kleinen Stadt bleiben, betont Kiefer. „Ein solcher Bau würde sonst ja auch gar keinen Sinn haben.“ Außerdem: „Es ist hier gelungen, dass wir sehr gut in der Kommune aufgenommen wurden“, was auch den vielen Ehrenamtlichen und dem Förderverein zu verdanken sei. Die Senioren aus dem Heim besuchen regelmäßig den Gottesdienst in der St.-Petronella-Kirche. Die Sommerfeste, das Open-Air-Kino und die Leseabende im alten Schwimmbad sind zu einem wichtigen Bestandteil des Ilshofener Veranstaltungskalenders geworden. Kiefer: „Das ist hier schon etwas ganz Besonderes.“

Aus der LWV-Eingliederungshilfe wird Habila


Unter dem Dach der LWV-Eingliederungshilfe versammelten sich ab 2003 alle Einrichtungen der Behindertenhilfe des ehemaligen Landeswohlfahrtsverbands Württemberg-Hohenzollern. Die damals gefundene Gesellschafts­-
struk­tur war auf Zeit angelegt und wurde mit der Verwaltungsreform des Landes abgewickelt. Der Name LWV (Landeswohlfahrtsverband) hat somit ausgedient. Die Gesellschaftsanteile gingen an den Kommunalverband für Jugend und Soziales - insofern ist die Habila wie zuvor die LWV-Eingliederungshilfe ein zu 100 Prozent kommunales Unternehmen, das als gemeinnützige GmbH geführt wird.

Der neue Name, Habila, setzt sich zusammen aus den lateinischen Verben habilitare, habitare und laborare - befähigen, wohnen und arbeiten. Ihn begleitet ein Motto: „Mehr Möglichkeiten“.

Inzwischen betreut die Habila mit Sitz in Tübingen 1600 Menschen mit Behinderung an 22 Standorten in Württemberg. Dazu zählen der Rabenhof in Ellwangen und das Wohnheim Haller Straße in Ilshofen. In Crailsheim will die Habila in Kürze eine Assistenzagentur eröffnen. uts